Sicherheit im Stadt-Bus: "Brauchen Sie Hilfe?"

So reagieren Sie richtig in Notsituationen: "Sprechen Sie das Opfer an, nicht den Täter!" Neue Kooperation von MVG und Polizei für ein größeres Sicherheitsgefühl im Bus. 
von  Eva von Steinburg
Polizeipräsident Thomas Hampel und MVG-Chef Ingo Wortmann.
Polizeipräsident Thomas Hampel und MVG-Chef Ingo Wortmann. © Daniel von Loeper

Ein neuer Stadtbus ist ungewöhnlich beschriftet: "Unsicheres Gefühl?" steht links neben der Bustür. Und weiter oben lesen Fahrgäste: "Sicher! Wir sind für Sie da."

Diese Schriften und Slogans sind Teil einer neuen (und dauerhaften) Sicherheitskampagne der MVG. Der so hergerichtete blaue "sicher unterwegs"-Gelenkbus soll im ganzen Stadtgebiet zeigen: Die MVG kümmert sich.

Gefühlte Sicherheit geht zurück

Grund für die Aktion: "Die gefühlte Sicherheit in München geht zurück", sagt der scheidende MVG-Chef Ingo Wortmann. In der U-Bahn gibt es einen Notknopf, um in brenzligen Situationen den Fahrer zu alarmieren.
Die Stadtbusse haben so einen Knopf nicht. Doch Kameras im Bus dokumentieren Pöbeleien und andere Straftaten, die bei einer Anzeige Täter überführen können. "Wer in unseren Fahrzeugen unterwegs ist, ist nicht anonym", erklärt Wortmann. Noch 2026 sollen die MVG-Kontrolleure auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgerüstet werden, um Übergriffe zu verhindern. Denn 30 MVG-Fahrer und Mitarbeiter wurden letztes Jahr Opfer von Übergriffen, so der MVG-Chef.

Polizeipräsident Thomas Hampel und MVG-Chef Ingo Wortmann.
Polizeipräsident Thomas Hampel und MVG-Chef Ingo Wortmann. © Daniel von Loeper

110 - Die Polizei ist in der Regel in vier Minuten vor Ort

Das Risiko, in München Opfer einer Straftat zu werden, sei nur halb so groß wie in anderen Großstädten, erklärt Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel. "In Notsituationen rufen Sie die kostenlose 110. Die Polizei ist in der Regel in vier Minuten vor Ort", sagt der Polizeipräsident.

PIs bieten Zivilcourage-Training für Bürger

Damit Münchner in verdächtigen Situationen richtig reagieren, bieten alle Polizeiinspektionen in der Stadt ein dreistündiges Zivilcourage-Training an. Münchner, die sich dafür interessieren, schreiben ihrer PI einfach eine Mail.
Wie hätten Sie reagiert? Bei einer räuberischen Erpressung oder sexueller Belästigung vor Ihren Augen im ÖPNV. Experten-Tipps, wie sich Bus-Fahrgäste und Opfer am klügsten verhalten, führen zwei Zivilcourage-Trainer vor.
Polizeiinspektorin Larissa Schneider (29) mimt beim Rollenspiel das Opfer, Polizeihauptkommissar Alexander Fuchs (54) den Aggressor. "Servus, griaß di", spricht er sie an, setzt sich zu ihr – und legt der Frau den Arm um die Schulter. Diese starrt gequält geradeaus, fühlt sich überfordert und komplett allein.

Laut das Opfer fragen: "Brauchen Sie Hilfe?"

So sollten Fahrgäste in dieser Notsituation handeln: "Stehen Sie auf. Sprechen Sie nicht mit dem Täter, nur mit dem Opfer. Fragen Sie laut: "Brauchen Sie Hilfe?" Die zweite wichtige Info an die bedrängte Frau sei: "Ich bleibe bei Ihnen bis der Busfahrer die Polizei gerufen hat."

Eine ungewöhnliche Frage als Bus-Aufschrift: "Unsicheres Gefühl?"
Eine ungewöhnliche Frage als Bus-Aufschrift: "Unsicheres Gefühl?" © Daniel von Loeper

Wer im Bus weiter weg steht, sagt deutlich: "Ich sehe, was Ihnen passiert. Ich gehe vor zum Busfahrer, der holt die Polizei." Man solle keinesfalls den Helden spielen. "Eigenschutz geht vor. Verletzte Helden brauchen wir nicht", sagt Alexander Fuchs.
Wie die Frau optimal reagiert: "Sich nicht kleinmachen, sondern zum Gegner werden", sagt Larissa Schneider. Laut erklären: "Ich kenne Sie nicht! Lassen Sie mich in Ruhe!" So werden Fahrgäste auf die brenzlige Situation aufmerksam.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.