Sicher durch die kalte Jahreszeit: So wird Ihr Radl winterfest

Im Corona-Jahr wollen viele auch bei Kälte nicht mit Bus und Bahn fahren. Aber radeln? Klingt ungemütlich. Mit diesen Tipps überstehen Sie auch die frostige Jahreszeit im Freien.
| Helen Ott
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Die richtige Beleuchtung beim Fahrrad ist besonders im Winter wichtig.
Die richtige Beleuchtung beim Fahrrad ist besonders im Winter wichtig. © dpa

München - Dieser Herbst ist besonders. Während früher ab Oktober die meisten Fahrräder in den Kellern verschwanden, haben sich im Corona-Krisenjahr viele Münchner vorgenommen, zu wetterfesten Ganzjahresradlern zu werden.

Das merkt Katrin Apitz, die Filialleiterin im Fachgeschäft Radlbauer im Münchner Norden. Und das merkt auch Igor Marin. Marin ist einer der Radexperten, die im Auftrag der Stadt an wechselnden Orten Räder von Bürgern überprüfen und auf abgefahrene Bremsbacken, zu wenige Reflektoren und verzogene Ketten hinweisen.

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Freitags stehen die beiden blauen Pavillons von "München unterwegs" auf dem Königsplatz. Von 11 bis 17 Uhr können Fahrradfahrer dort ihre Gefährte zum Sicherheitscheck vorbeibringen. Die Initiative gibt es schon seit ein paar Jahren, aber in diesem Herbst kämen deutlich mehr Fahrradfahrer.

Kathrin Apitz (Fachhändlerin) und Igor Marin (Radl-Experte)
Kathrin Apitz (Fachhändlerin) und Igor Marin (Radl-Experte) © Privat

Igor Marin und Fachhändlerin Katrin Apitz erklären hier die wichtigsten Sicherheitsaspekte und zeigen, was sich die Sportbekleidungsindustrie ausgedacht hat, damit Radler Nässe und Frost trotzen können. In einer Zeit, in der wieder steigende Coronainfektionszahlen gemeldet werden, ist das Radeln eine beliebte Alternative zu vollen Bussen und Bahnen.

Das gesparte Geld der Monatskarte lässt sich gut in eine Regenhose, Gamaschen oder eine Fahrradjacke mit Windstopper investieren. Dann kann man die frische Luft auch ohne frierende Füße und nasse Hosenbeine genießen.

Die Kette muss gereinigt werden

Um die Kette vor Rost zu schützen, sollte man sie einmal im Monat mit Kettenspray einsprühen oder ölen. Bei Matsch, Regen und Streusalz ist es zudem wichtig, die Kette ab und an zu reinigen. Das geht, so die beiden Fahrradexperten, bereits mit einem einfachen Schwamm und fettlöslicher Seife oder Spüli. In gut sortierten Fahrradläden gibt es aber auch spezielle "Kettenreinigungsgeräte", kleine Kästchen mit Bürsten, durch die man die aufgespannte Kette ziehen kann. Wenn man die Kette einmal im Monat reinigt, verhindert man, dass Kette und Zahnkränze verschleißen. Um das ganze Rad im Winter vor Flugrost zu schützen, hilft es, für längere Aufenthalte immer einen überdachten Stellplatz zu suchen. Wenn auf der Arbeit die Fahrradständer im Freien stehen, kann ein Fahrradzelt, eine auf das Fahrrad zugeschnittene Plane, helfen, es vor Regen und Schnee zu schützen.

Bei den Lichtern helfen mehr Lux - aber auf der richtigen Höhe

Igor Marin prüft beim Sicherheitscheck zuerst die Lichter. Vorgeschrieben sind je zwei Katzenaugen in den Speichen, Front- und Rücklicht, sowie ein weißer Reflektor vorne und ein roter hinten. Wer Katzenaugen hässlich findet, kann auf Reflektorstifte um die Speichenstäbe ausweichen. Beim Vorderlicht empfiehlt Katrin Apitz für die Stadt mindestens eine Luxzahl von 25, generell sei darauf zu achten, dass die Lichter als straßenverkehrsordnungskonform ausgewiesen sind. Wer keine festinstallierten Lichter am Fahrrad hat, dem rät Apitz zu USB-Stecklichtern. Diese seien leichter und umweltschonender als batteriebetriebene Leuchten. Solche Licht-Sets in vernünftiger Qualität seien ab 40 Euro erhältlich. Der Rest ist Einstellungssache: Die Lichter müssten unbedingt so justiert sein, dass sie entgegenkommende Fußgänger, Autofahrer und andere Radler nicht blenden.

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Weniger Luft im Reifen für mehr Auflagefläche

Wenn Igor Marin sich beim Sicherheitscheck die Reifen ansieht, prüft er, ob das Profil abgefahren ist oder sich an der Seite kleine Risse gebildet haben. Auf den Radmänteln steht, wie viel Luftdruck minimal und maximal in den Schlauch gehört. Marin rät im Herbst und Winter eher dazu, sich am Minimalwert zu orientieren, damit die Reifen mehr Auflagefläche haben. "Der beliebteste Reifen der Radlbauerkunden ist der Marathon Plus Tour von Schwalbe", sagt Kathrin Apitz. "Das Modell ist eine Mischung aus glatter Lauffläche und genügend Profil an den Seiten, außerdem gibt's einen Plattenschutz." Die einzigen Räder die ungeeignet sind für den Winter, seien Rennräder. "Der Platz zwischen den Bremsen ist zu schmal um Reifen mit ausreichendem Profil aufzuziehen." Als Alternative für die Stadt empfehlen Experten Gravelbikes, eine Mischung aus Rennrad, Mountainbike und Trekkingrad. Diese Räder werden immer beliebter.

Scheibenbremsen sind in der kalten Jahreszeit sicherer

Am gleichmäßigsten und schnellsten greifen hydraulische Scheibenbremsen. Diese seien etwas teurer als Standart-Backenbremsen. Aber gerade im Herbst- und Winter lohnen sich Räder mit hochwertigem Bremssystem. "Denn Minusgrade und Matschablagerungen führen bei Backenbremsen schneller zu verzogenen Einzelteilen", sagt Katrin Apitz. Abgefahrene Bremsbacken erkennt man daran, dass die Einkerbungen in den Gummiblöcken nicht mehr deutlich sichtbar sind. Ist das der Fall, müssen die Bremsblöcke ausgetauscht werden. "Auch wenn Bremsen quietschen, ist das ein Zeichen dafür, dass der Gummi alt und spröde ist", erklärt Igor Marin.

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