Schwarzarbeit: Illegale Bauarbeiter in edler Lage

Für die Arbeiter wurden keine Pflichtversicherungsbeiträge abgeführt. Schaden: rund 500.000 Euro.
| Torsten Huber
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Die Angeklagten (v. l.): Muamer C. (38), Dolmetscherin, Piotr D. (44), Dolmetscherin und Andrzej L. (50).
Torsten Huber Die Angeklagten (v. l.): Muamer C. (38), Dolmetscherin, Piotr D. (44), Dolmetscherin und Andrzej L. (50).

München Bei dem Bau großer Münchner Prestige-Objekte waren sie dabei: „Nymphenburger Höfe“ am Stiglmaierplatz, „City Living“ am Hirschgarten und „Studentenwohnheim“ am Stiftsbogen. Sie kassierten über 2,6 Millionen Euro und führten keinen Cent in die Renten- und Sozialkassen ab.

Der Schaden durch den Schwarzbau beträgt rund 500000 Euro: Geschäftsführer Muamer C. (38), Baufacharbeiter Andrzej L. (50) und dessen Kollege Piotr D. (44) stehen jetzt vor dem Münchner Landgericht. Der Vorwurf: Sozialversicherungsbetrug und illegale Beschäftigung von Ausländern.

Die drei Angeklagten kamen nicht in Handschellen zum Prozess, wirkten gelassen, lächelten und waren ganz entspannt. Kein Wunder. Der Boss der Schwarzbau-Bande, ein deutscher Unternehmer, wird wohl die Höchststrafe von bis zu fünf Jahren kassieren. Sein Verfahren wurde abgetrennt.

Die Folge: In dem späteren Prozess gegen ihn müssen Muamer C. und die beiden Mitangeklagten dann im Zeugenstand aussagen. Die drei Angeklagten waren geständig: „Die Vorwürfe stimmen so!“ Die Idee hatten Muamer C. und der deutsche Unternehmer. Muamer C. gründete 2006 die Firma MC-Bau GmbH.

Offiziell beschäftigte er bis zu elf Arbeitnehmer. Ende 2006 nahm er Kontakt zu Andrzej und Piotr D. in Polen auf. Sie waren die Mittelsmänner zwischen den 35 polnischen Bauarbeitern, die illegal auf den Münchner Baustellen bis zu zwölf Stunden täglich schufteten. Auch am Samstag mussten sie sechs Stunden in Kolonnen antreten.

Der Monatslohn war nicht verhandelbar. Die Löhne lagen bei 1800 bis 2300 Euro und wurden bar ausgezahlt. Dafür waren die Männer nicht versichert und in die Rentenkasse wurde nichts abgeführt. „Das war den polnischen Bauarbeitern sogar lieber“, bestätigte ein Angeklagter.

Um an richtige Großprojekte zu gelangen, schleusten sie nochmals 90 Rumänen nach München ein. Die Arbeiter wurden in Gemeinschafts-Unterkünften untergebracht. Am 15. Januar 2008 bekamen sie den Auftrag für Rohbauarbeiten am Projekt „City Living“ am Hirschgarten. Auftragsvolumen: 450000 Euro.

Am 21. April 2008 zog die Schwarzbau-Kolonne weiter Richtung Stiglmaierplatz. Das Auftragsvolumen für den Bau der „Nymphenburger Höfe“ betrug 1,9 Millionen Euro. Das Verfahren gegen Andrzej L. und Piotr D. wurde gegen eine Geldauflage eingestellt. L. muss 3000 Euro und D. 2000 Euro an die Staatskasse zahlen. Muamer C. wurde eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt, wenn er den Schaden begleicht.

 

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