Schwabinger Messerattacke: Opfer verteidigt schizophrene Täterin

Versuchter Mord in Schwabing: Eine 54-Jährige stach in ihrer Münchner Wohnung auf einen guten Bekannten ein. Zum Prozessauftakt verteidigt das Opfer die Täterin allerdings.
| John Schneider
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Karla F. hat einen guten Bekannten mit einem Brotmesser attackiert. Hier ein Bild vom Prozessauftakt mit ihrem Anwalt.
Daniel von Loeper Karla F. hat einen guten Bekannten mit einem Brotmesser attackiert. Hier ein Bild vom Prozessauftakt mit ihrem Anwalt.

Schwabing - "Sie ist für niemanden eine Gefahr." Das sagt ausgerechnet Paul T. (70, Namen geändert). Eine äußerst bemerkenswerte Einschätzung, bedenkt man, dass der Mann nur mit knapper Not eine Messerattacke von Karla F. (54) überlebt hat.

Am 21. Oktober des vergangenen Jahres war Paul T. bei seiner Bekannten zu Besuch. "Ich kenne sie seit 20 Jahren", sagt er im Zeugenstand. Im Sommer 2017 habe er aber bereits gemerkt, dass sich ihr psychischer Zustand verschlechtert habe. Die an paranoider Schizophrenie leidende Frau witterte ein Komplott gegen sich, fühlte sich bedroht, ohne sagen zu können von wem. Sie bat Paul T., in ihre Schwabinger Wohnung zu kommen.

Schwabinger Messerattacke: Opfer will Täterin vor Psychiatrie bewahren

Was der 70-Jährige auch tat. Er soll laut Antragsschrift – die Staatsanwaltschaft möchte Karla F. in der Psychiatrie untergebracht wissen – noch kleinere Reparaturen in der Wohnung vorgenommen haben. Es gab aber keinen Streit.

Gegen 18.50 Uhr wollte Paul T. die Wohnung verlassen. In diesem Moment stach seine Freundin heimtückisch zu. Das Brotmesser drang in die linke Brust des Mannes ein und verletzte wichtige Blutgefäße. Trotzdem gelang es dem Opfer noch, die Wohnung zu verlassen. Ein zufällig hinzugekommener Hausbewohner versorgte Paul T. im Treppenhaus und verständigte Polizei und Notarzt. Der 70-Jährige wurde trotz eines Herz- und Kreislaufstillstandes mit einer Notfall-OP in der Uniklinik gerettet.

Waren K.o.-Tropfen im Spiel?

Am Montag sagt er mit leiser, monotoner Stimme den Richtern, dass er nach dem Koma nur wenige Erinnerungen an das Geschehen habe.

Das gilt auch für die Täterin. Karla F. erinnert sich aber, dass sie vor der Tat immer wieder mit K.o.-Tropfen ausgeschaltet wurde – zumindest denkt sie das. Danach seien verschiedene Gegenstände aus ihrer Wohnung verschwunden gewesen. War das der Grund für die Messerattacke, verdächtigte sie ihren Freund?

Für Paul T. aber scheint es am Ende seiner Vernehmung trotzdem eine Herzensangelegenheit zu sein, seine gute Freundin vor der Psychiatrie zu bewahren. Ob ihm das Gericht in der Einschätzung folgen wird, dass die 54-Jährige eigentlich harmlos ist?

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