Interview

Schulpsychologin über Erholung zum Ferienstart: "Füße in den Matsch!"

An diesem Donnerstag endet ein Schuljahr im Ausnahmezustand. In der AZ erklärt eine Schulpsychologin, was Schüler brauchen, um sich jetzt zu erholen.
| Helena Ott
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Am Donnerstag beginnen in Bayern die Schulferien. (Symbolbild)
Am Donnerstag beginnen in Bayern die Schulferien. (Symbolbild) © IMAGO / Roland Mühlanger

München - AZ-Interview mit Petra Bokowski: Die Psychologin kümmert sich beim Zentralen Schulpsychologischen Dienst um Konflikte an Schulen.

Psychologin Petra Bokowski.
Psychologin Petra Bokowski. © ho

AZ: Noch ein Schuljahr mit Homeoffice und Wechselunterricht: Wie wirkt das auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen?
Petra Bokowski: So viel Hin- und Her ist immer eine Herausforderung für die psychische Gesundheit. Kinder brauchen Sicherheit. Und auch soziale Kontakte sind extrem wichtig, um emotional stabil zu bleiben.

"Andauernde Unsicherheit kann zu Angststörungen führen"

Wie reagiert eine Kinderseele da?
Die andauernde Unsicherheit kann zu Angst oder sogar zu Angststörungen führen. Da geht es um Zukunftsängste oder die Sorge, dass jemand aus dem eigenen Umfeld erkranken könnte.

Wann ist es wichtig, mit dem eigenen Kind zum Therapeuten zu gehen?
Anzeichen für starke psychische Belastung sind, wenn Kinder das Interesse an Dingen verlieren, die ihnen sonst Spaß gemacht haben. Wenn sie oft müde sind, nicht mehr aus dem Bett kommen, freudlos wirken oder viel zu- oder abnehmen.

Bewegung schafft Abstand von dem Druck

Was brauchen Schüler jetzt, um sich zu erholen?
Es ist wichtig, dass sie jetzt Abstand von der Schule und dem Druck bekommen.

Und wie?
Am besten viel rausgehen an die Luft, Bewegung, genügend Schlaf, gesunde Sachen essen. Mal etwas Neues ausprobieren. Und vor allem auch mal das machen, was die Kinder wirklich wollen, woran sie Freude haben. Das kann auch einfach sein, im Wald mit den Füßen im Matsch zu laufen.

Haben Sie das Gefühl, die Münchner Schulen haben genügend Schulpsychologen?
Ich kann das nur für die städtischen Schulen sagen: Dort gibt es für jede Schule eine zuständige Schulpsychologin oder -psychologen. Aber an vielen Schulen, glaube ich, ist der Bedarf an schulpsychologischer Beratung zur Zeit besonders hoch.

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Zeugnisse sind am Selbstwert gekoppelt

Heute werden Zeugnisse verteilt. Wie tröstet man Kinder, die deshalb sehr frustriert sind?
Wichtig ist, das nicht zu bagatellisieren oder zu übergehen. Kinder verbringen so viel Zeit mit der Schule. Ich kann verstehen, dass das stark an den Selbstwert gekoppelt ist.

Welche Worte sind dann wirklich tröstlich?
Man könnte sagen: Schau, in meinen alten Zeugnissen sind auch schlechte Noten dabei. Aus mir ist auch etwas geworden. Man kann aufzählen, wie viele andere wichtige Dinge die Kinder in diesem Jahr gelernt haben und wie sie mit der schwierigen Situation umgegangen sind. Dazu kann man gemeinsam überlegen, wie es im nächsten Jahr besser laufen kann.

Bringt es etwas, deutlich zu machen, dass Leistung nicht das Wichtigste ist?
Für Kinder ist es gut zu hören, dass sie für andere Dinge, charakterlich oder was sie in der Freizeit machen, geschätzt werden. Eltern sollten auch deutlich machen: Du bist mir als Mensch wichtig und ich mag dich, genau so, wie du bist. Das kann Kinder sehr stärken.

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