Schranne: Stadt will Zapfenstreich um 22 Uhr

Es war ein schwarzes Jahr für die Schranne. Und auch zum Jahresausklang reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Gerade erst sind die Verhandlungen mit einem Investor geplatzt. Jetzt will die Stadt den Veranstaltungsbetrieb in der Halle beschränken.
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Ramba-Zamba in der Schrannenhalle? Nicht wenn es nach der Stadt geht, die hier um 22 Uhr Ruhe haben möchte.
dpa Ramba-Zamba in der Schrannenhalle? Nicht wenn es nach der Stadt geht, die hier um 22 Uhr Ruhe haben möchte.

MÜNCHEN - Es war ein schwarzes Jahr für die Schranne. Und auch zum Jahresausklang reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Gerade erst sind die Verhandlungen mit einem Investor geplatzt. Jetzt will die Stadt den Veranstaltungsbetrieb in der Halle beschränken.

Der Brief trudelte kurz vor Weihnachten bei Zwangsverwalter Johannes Mauder ein. Nach wiederholten Lärmbeschwerden durch Anwohner habe das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) Lärmpegelmessungen im Bereich Blumenstraße und Sebastiansplatz durchgeführt, heißt es darin. Das Gutachten komme eindeutig zu dem Ergebnis, „dass durch die regelmäßigen Veranstaltungen in der Schrannenhalle die emissionsschutzrechtlichen Höchstwerte deutlich überschritten werden“.

Die Schranne ist laut RGU zu laut. Nicht nur die Veranstaltungen selbst. Sondern auch die Gäste vor der Halle und das erhöhte Verkehrsaufkommen darum herum. Deshalb der Schluss: Eine deutliche Lärmminderung könne nur erreicht werden, wenn der Veranstaltungsbetrieb in der Schranne in Zukunft „spätestens um 22 Uhr vollständig beendet ist“. Genau dafür will das Kreisverwaltungsreferat jetzt sorgen. Das heißt im Klartext: zwangsweiser Zapfenstreich, wenn der Abend überall sonst erst richtig losgeht.

„Das ist so was von kontraproduktiv“

„Das ist so was von kontraproduktiv“, ärgert sich Zwangsverwalter Mauder. „Alle bemühen sich, die Schranne zu retten. Und die Stadt tut so was!“ Unklar sei, ob nur Musikdarbietungen von der Beschränkung betroffen sein sollen oder auch der einträgliche Disco-Betrieb im Untergeschoss. „Das wäre der Tod der Schranne“, sagt Mauder. So oder so: Das mit 40 Millionen Euro Schulden belastete Objekt am Viktualienmarkt braucht jeden Besucher, damit der Betrieb aufrecht erhalten werden kann.

Im Referat für Gesundheit und Umwelt wird das Problem nüchtern betrachtet: „Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden, dann müssen wir einschreiten. Das ist keine Willkür", bekräftigt Umweltreferent Joachim Lorenz. Für die Stadt könnte es Folgen haben, wenn der Schranne eine wichtige Einnahmequelle wegbricht. Denn Anfang Januar ist die Erbpacht fällig. 159 000 Euro muss der Zwangsverwalter an die Stadt überweisen – wenn er das Geld denn hat.

Dem Vollstreckungsgericht hat Mauder bereits mitgeteilt, dass er nicht sicher ist, ob er den Zins erübrigen kann. „Wenn die Disco wegfällt, werde ich ihn nicht bezahlen“, kündigt er an. Dann würde das Finanz-Fiasko der Schranne erstmals die Stadt Geld kosten.

Julia Lenders

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