Schon 1400 Unterschriften: So kämpfen Bürger gegen den Abriss der Stege am Starnberger See
Es ist eins der idyllischsten Fleckerl am Starnberger See und Lieblingsausflugsziel vieler Münchner: der Strandkiosk "Steg 1" mit seinen Holzbänken, Liegestühlen und dem gleichnamigen Steg 1 unterhalb des Sisi-Schlosses in Possenhofen. Doch seit dem Wochenende ist es mit der Ruhe im Paradies vorbei.
Am Kiosk, wo man sonst Aperol Spritz oder Flammkuchen bestellt, hängen nun Protestschilder. "Die Badestege im Paradies müssen erhalten werden!", steht drauf. Es liegen Unterschriftenlisten aus und eine Petition im Landtag läuft auch schon. Mehr als 1400 Menschen haben in drei Tagen unterschrieben, stündlich werden es mehr.

"Kann man einfach nicht hinnehmen"
"Was da läuft, kann man einfach nicht hinnehmen", sagt Felix Schmitz, der Co-Betriebsleiter des Strandkiosks, "unsere Stege sind ja auch Aussichtsplattformen für die Ausflügler, ohne sie geht der ganze Flair am Seestrand und am Kiosk kaputt."
Wie die AZ berichtet hat, gehört das Erholungsgebiet Paradies am Westufer des Sees der Stadt München – und just zum Saisonstart vor eineinhalb Wochen hat das Baureferat, das für den Unterhalt zuständig ist, dort die Stege 1, 2 und 3 mit einem Bauzaun abgesperrt.

Alle Stege will die Stadt München abreißen
Dann kam heraus: Die Stege mit Traumblick auf Roseninsel und Alpenkulisse sollen nicht etwa repariert, sondern schon in den nächsten Tagen abgerissen werden – weil sie marode seien. Das habe ein beauftragtes Sachverständigen-Gutachten ergeben. Ein Stück weiter südlich ist Steg 4 schon abgebaut, dort ragen nur noch die Pfosten aus dem Wasser. Die Stege sollen ersetzt werden, sofern in der klammen Stadt-Kasse dafür Geld da sein wird.
Hat die Stadt die Reparaturen verschleppt?
Nicht reparabel? Vor Ort mag man das nicht glauben. Und hat einen Riesengrant, weil man der Stadt München fahrlässiges Verschleppen von Ausbesserungsarbeiten unterstellt – obwohl das Erholungsgelände in den 1960er Jahren gerade für Münchner Bürger eröffnet worden ist (AZ berichtete).
„Wir haben die Stadt schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass die rechten Treppenstufen am Steg ausgetauscht werden müssen“, sagt Burkhardt Schütz, Chef des Kneippvereins Starnberg, der mit den älteren Herrschaften seiner Kneippgruppe drei Mal die Woche zum Wassertreten an Steg 1 kommt. Vor zwei Wochen sei die Treppe endlich repariert gewesen. „Sie machen die Treppe neu und wenige Tage später sperren sie den ganzen Steg, weil er angeblich lebensgefährlich ist? Das macht doch gar keinen Sinn.“

Protest-Mail an OB Dominik Krause
Noch am Sonntag haben die „Freunde zur Erhaltung der Stege im Paradies“ dem neuen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) per Mail Fotos der ersten Unterschriftenlisten geschickt. „Mit der Aufforderung, auch den Stadtrat über die Pläne des Baureferats zu informieren und dies umgehend zu verhindern“, sagt Burkhardt Schütz. „Die Öffentlichkeit sollte ein Anrecht haben, dass so schöne Plätze unangetastet bleiben.“
Private Holzbaufirma will kostenlos helfen
Eine neue Entwicklung macht den Steg-Freunden nun Hoffnung: Noch am Wochenende hat sich die Firma Lynberg Modular Systems gemeldet, ein Münchner Start-up für Holzmodulbauweise. Das Unternehmen gehört einer Familie, die am See lebt – und die die Stege aus eigenem Vermögen retten will. „In heutiger Zeit darf man den Menschen so einen malerischen Lebensraum nicht wegnehmen“, sagt einer der Eigentümer zur AZ. „Wir wollen Verantwortung übernehmen und eine Lösung finden, die Stege zu erhalten.“

"Eine pragmatische und schnelle Lösung prüfen"
Die Firma hat Münchens Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (Grüne) ihre Unterstützung bereits schriftlich angeboten. Man sei bereit, „kurzfristig eine technische Prüfung möglicher Reparatur- oder Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen und uns hierbei auch kostenfrei einzubringen“, heißt es in dem Schreiben, das der AZ vorliegt. „Unser technisches Team könnte hierfür sofort zur Verfügung stehen, um gemeinsam mit Ihnen eine pragmatische und schnelle Lösung zu prüfen.“
„Wir würden zunächst einen Statiker und einen Konstrukteur prüfen lassen, was tatsächlich kaputt ist“, sagt Lynberg-Geschäftsführer Theodor Kaczmarczyk zur AZ. „Und dann würden wir auf unsere Kosten die Reparaturen übernehmen.“ Man warte nun nur auf eine Freigabe des Baureferats. Ob das Angebot angenommen wird? Eine AZ-Anfrage dazu hat das Baureferat am Montag bis zum Abend nicht beantwortet.
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