Schon 1400 Unterschriften: So kämpfen Bürger gegen den Abriss der Stege am Starnberger See

Im Possenhofener "Paradies" eskaliert der Streit um marode Badestege: Während die Stadt München den Abriss plant, mobilisieren Kioskbetreiber und Kneippverein viel Gegenwehr. Und eine Holzbaufirma bietet die kostenlose Rettung der Stege an.
Irene Kleber |
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Steg 1 in Possenhofen ist seit Ende April mit einem Bauzaun abgesperrt. Dass er 
nun ganz abgerissen werden soll, wollen sich Stegfreunde
um Burkhardt Schütz (M.), den Chef des Kneippvereins Starnberg, nicht gefallen lassen.
Steg 1 in Possenhofen ist seit Ende April mit einem Bauzaun abgesperrt. Dass er nun ganz abgerissen werden soll, wollen sich Stegfreunde um Burkhardt Schütz (M.), den Chef des Kneippvereins Starnberg, nicht gefallen lassen. © privat

Es ist eins der idyllischsten Fleckerl am Starnberger See und Lieblingsausflugsziel vieler Münchner: der Strandkiosk "Steg 1" mit seinen Holzbänken, Liegestühlen und dem gleichnamigen Steg 1 unterhalb des Sisi-Schlosses in Possenhofen. Doch seit dem Wochenende ist es mit der Ruhe im Paradies vorbei.

Am Kiosk, wo man sonst Aperol Spritz oder Flammkuchen bestellt, hängen nun Protestschilder. "Die Badestege im Paradies müssen erhalten werden!", steht drauf. Es liegen Unterschriftenlisten aus und eine Petition im Landtag läuft auch schon. Mehr als 1400 Menschen haben in drei Tagen unterschrieben, stündlich werden es mehr.

"Steg 1" heißt der Strandkiosk am gleichnamigen Steg 1 im Bade- und Erholungsgebiet Paradies in Possenhofen.
"Steg 1" heißt der Strandkiosk am gleichnamigen Steg 1 im Bade- und Erholungsgebiet Paradies in Possenhofen. © Daniel von Loeper

"Kann man einfach nicht hinnehmen"

"Was da läuft, kann man einfach nicht hinnehmen", sagt Felix Schmitz, der Co-Betriebsleiter des Strandkiosks, "unsere Stege sind ja auch Aussichtsplattformen für die Ausflügler, ohne sie geht der ganze Flair am Seestrand und am Kiosk kaputt."
Wie die AZ berichtet hat, gehört das Erholungsgebiet Paradies am Westufer des Sees der Stadt München – und just zum Saisonstart vor eineinhalb Wochen hat das Baureferat, das für den Unterhalt zuständig ist, dort die Stege 1, 2 und 3 mit einem Bauzaun abgesperrt.

Co-Betriebsleiter Felix Schmitz vom Strandkiosk "Steg 1" vor dem gesperrten Steg. Auch an seinem Kiosk liegen nun Unterschriftenlisten zur Rettung des Stegs aus.
Co-Betriebsleiter Felix Schmitz vom Strandkiosk "Steg 1" vor dem gesperrten Steg. Auch an seinem Kiosk liegen nun Unterschriftenlisten zur Rettung des Stegs aus. © Daniel von Loeper

Alle Stege will die Stadt München abreißen

Dann kam heraus: Die Stege mit Traumblick auf Roseninsel und Alpenkulisse sollen nicht etwa repariert, sondern schon in den nächsten Tagen abgerissen werden – weil sie marode seien. Das habe ein beauftragtes Sachverständigen-Gutachten ergeben. Ein Stück weiter südlich ist Steg 4 schon abgebaut, dort ragen nur noch die Pfosten aus dem Wasser. Die Stege sollen ersetzt werden, sofern in der klammen Stadt-Kasse dafür Geld da sein wird.

Hat die Stadt die Reparaturen verschleppt?

Nicht reparabel? Vor Ort mag man das nicht glauben. Und hat einen Riesengrant, weil man der Stadt München fahrlässiges Verschleppen von Ausbesserungsarbeiten unterstellt – obwohl das Erholungsgelände in den 1960er Jahren gerade für Münchner Bürger eröffnet worden ist (AZ berichtete).

„Wir haben die Stadt schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass die rechten Treppenstufen am Steg ausgetauscht werden müssen“, sagt Burkhardt Schütz, Chef des Kneippvereins Starnberg, der mit den älteren Herrschaften seiner Kneippgruppe drei Mal die Woche zum Wassertreten an Steg 1 kommt. Vor zwei Wochen sei die Treppe endlich repariert gewesen. „Sie machen die Treppe neu und wenige Tage später sperren sie den ganzen Steg, weil er angeblich lebensgefährlich ist? Das macht doch gar keinen Sinn.“

So hat der Steg 1 noch im Februar ausgesehen – nur mit einer kleinen Absperrung vor der rechten Treppe. Die ist jetzt repariert. Gleich danach wurde der Steg komplett gesperrt.
So hat der Steg 1 noch im Februar ausgesehen – nur mit einer kleinen Absperrung vor der rechten Treppe. Die ist jetzt repariert. Gleich danach wurde der Steg komplett gesperrt. © Barbara Greenhill

Protest-Mail an OB Dominik Krause

Noch am Sonntag haben die „Freunde zur Erhaltung der Stege im Paradies“ dem neuen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) per Mail Fotos der ersten Unterschriftenlisten geschickt. „Mit der Aufforderung, auch den Stadtrat über die Pläne des Baureferats zu informieren und dies umgehend zu verhindern“, sagt Burkhardt Schütz. „Die Öffentlichkeit sollte ein Anrecht haben, dass so schöne Plätze unangetastet bleiben.“

Private Holzbaufirma will kostenlos helfen

Eine neue Entwicklung macht den Steg-Freunden nun Hoffnung: Noch am Wochenende hat sich die Firma Lynberg Modular Systems gemeldet, ein Münchner Start-up für Holzmodulbauweise. Das Unternehmen gehört einer Familie, die am See lebt – und die die Stege aus eigenem Vermögen retten will. „In heutiger Zeit darf man den Menschen so einen malerischen Lebensraum nicht wegnehmen“, sagt einer der Eigentümer zur AZ. „Wir wollen Verantwortung übernehmen und eine Lösung finden, die Stege zu erhalten.“

Steg 4, ein Stück südlich der Stege 1, 2 und 3, ist bereits abgerissen. Hier ragen nur noch die Pfosten aus dem Wasser.
Steg 4, ein Stück südlich der Stege 1, 2 und 3, ist bereits abgerissen. Hier ragen nur noch die Pfosten aus dem Wasser. © Daniel von Loeper

"Eine pragmatische und schnelle Lösung prüfen"

Die Firma hat Münchens Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (Grüne) ihre Unterstützung bereits schriftlich angeboten. Man sei bereit, „kurzfristig eine technische Prüfung möglicher Reparatur- oder Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen und uns hierbei auch kostenfrei einzubringen“, heißt es in dem Schreiben, das der AZ vorliegt. „Unser technisches Team könnte hierfür sofort zur Verfügung stehen, um gemeinsam mit Ihnen eine pragmatische und schnelle Lösung zu prüfen.“

„Wir würden zunächst einen Statiker und einen Konstrukteur prüfen lassen, was tatsächlich kaputt ist“, sagt Lynberg-Geschäftsführer Theodor Kaczmarczyk zur AZ. „Und dann würden wir auf unsere Kosten die Reparaturen übernehmen.“ Man warte nun nur auf eine Freigabe des Baureferats. Ob das Angebot angenommen wird? Eine AZ-Anfrage dazu hat das Baureferat am Montag bis zum Abend nicht beantwortet.

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  • JerryH vor 21 Minuten / Bewertung:

    Da kann sich ja gleich mal der neue Bürgermeister von München beweisen.
    Sonst müsste man oh Kraus, oh Krause dazu sagen.

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  • JerryH vor 24 Minuten / Bewertung:

    Diese Ignoranten der Kommunen.

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