"Lange Nacht der Demokratie": Demokratie lebt vom Diskurs

An diesem Freitag ist Start für die "Lange Nacht der Demokratie". Auch die Finalistinnen der Schönen Münchnerin bringen sich ein.
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An diesem Freitag findet die virtuelle Auftaktveranstaltung des Projekts "Lange Nacht der Demokratie" statt - in einem Jahr folgt dann die eigentliche Lange Nacht.
An diesem Freitag findet die virtuelle Auftaktveranstaltung des Projekts "Lange Nacht der Demokratie" statt - in einem Jahr folgt dann die eigentliche Lange Nacht. © ho

Wo könnte man in München eine Veranstaltung rund um das Thema Demokratie besser platzieren als im "Werksviertel Mitte", dem neuen, berlinesk anmutenden Viertel mit dem passenden Ambiente für Kreative und Kultur?

Hier nimmt an diesem Freitag die "Lange Nacht der Demokratie 2020/2021 in Bayern" ihren Anfang. Wie der Titel schon impliziert, wird die Lange Nacht diesmal etwas länger und anders gefeiert - natürlich wegen der Pandemie: Die Auftaktveranstaltung der Aktion kann per Livestream verfolgt werden.

Über 30 Städte und Gemeinden beteiligen sich an der Aktion

Zu erleben sind Statements von Prominenten und eine Podiumsdiskussion zu Herausforderungen der Demokratie mit OB Dieter Reiter, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau.

Ab November 2020 wird es monatliche Teaser-Veranstaltungen zu Demokratie-relevanten Themen in Bayern geben. Am 2. Oktober 2021 findet dann die eigentliche "Lange Nacht der Demokratie" statt. Über 30 Städte und Gemeinden haben bereits ihre Teilnahme daran und an den Teaser-Veranstaltungen zugesagt.

Diskussionen über Themen wie Klimakrise oder Migration

Die Lange Nacht der Demokratie soll gesellschaftspolitische Diskurse fördern. Ziel ist es, neue Denkanstöße zu aktuellen Themen zu geben, darunter Gesundheitsschutz und Freiheitsrechte, Migration, Klimakrise und die Zukunft Europas . Andrea Taubenböck, Geschäftsführerin der Stiftung Wertebündnis Bayern, sagt: "Demokratie lebt vom Diskurs, vom Streit, von der Beteiligung - all das wollen wir mit der Langen Nacht der Demokratie praktizieren."

Maßgebliche Treiber, Impulsgeber und Mitorganisatoren der "Langen Nacht der Demokratie" sind neben dem Wertebündnis Bayern der Bayerische Volkshochschulverband, der Bayerische Jugendring, die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, das Bayerische Bündnis für Toleranz, das Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde der Katholischen Kirche Bayern und die Vertretung der Europäischen Kommission in Bayern und Baden-Württemberg.

Was bedeutet Demokratie für die Finalistinnen "Der Schönen Münchnerin"?

Was Demokratie für junge Menschen bedeutet - dazu haben sich auch die Finalistinnen der AZ-Aktion "Die Schöne Münchnerin" Gedanken gemacht. Einige Ergebnisse lesen Sie auf dieser Seite - ganz persönliche Gedanken mit einem gemeinsamen Nenner: Demokratie ist auch Zusammenhalt, stellen die Kandidatinnen fest, die aktuell in einem Wettbewerb miteinander stehen. Ihr gemeinsames Projekt, das sie gerade verfolgen: miteinander Ideen zu entwickeln und zu sammeln, wie man einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken könnte - und wie sich Lösungen dazu effektiv vermitteln lassen.

Pauline
Pauline © Belaraba

"Demokratie bedeutet für mich mehr als das Mitbestimmungsrecht einzelner im Sinne einer gemeinsamen Sache. Wenn die jeweilige Stimme von Menschen nur gezählt und nicht geschätzt wird, weil diese Menschen nicht dem eigenen Kosmos entsprechen, halte ich das für in vielerlei Hinsicht problematisch. Dazu könnte bereits an den Schulen mehr Aufklärung betrieben werden.“

Francesca
Francesca © Belaraba

"Unter Demokratie verstehe ich eigenständiges Denken und die Möglichkeit, etwas mitentscheiden zu dürfen. Dazu gehören für mich Transparenz und Aufklärung, dann können Entscheidungen auch nachvollzogen werden. An den genannten Punkten kann die Demokratie in Deutschland noch arbeiten. Persönlich würde ich mir mehr Volksentscheide wünschen.“

Christina
Christina © Bernd Wackerbauer

"Der Vorteil von Demokratie ist, dass die Meinung einzelner prozentual repräsentiert wird. In einer sich immer weiter spaltenden Gesellschaft kann das jedoch zu Stillstand führen. Um eine stabile Demokratie beizubehalten und der Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken, müssen wir vor allem in Bildung und Aufklärung investieren. Wir brauchen den Mut, unser Schulsystem zu reformieren, hin zu einem Schulsystem, das neugierig macht und eine gesunde Meinungsbildung fördert.“

Esther
Esther © Bernd Wackerbauer

"Eine funktionierende Demokratie bildet den einzigen sicheren Hafen unserer Zeit für die Diversität aller gesellschaftlichen Gruppen und ermöglicht es uns allen, unser Leben selbst bestimmt und frei von Diskriminierung zu führen – in Frieden und Sicherheit. Gleichzeitig stellt das Einlösen von Rechten eine Herausforderung dar, der sich vor allem unsere Generation stellen muss. Denn das Herz der Demokratie, die Kompromissfindung, ist gleichzeitig auch ihr wunder Punkt: Es ist wichtig, auch die Stimmen derer zu hören, die selbst kein sicherer Hafen sein wollen – um sie mit einem vernünftigen und sachlichen Diskurs zu überzeugen.“

Sophia Julia
Sophia Julia © Belaraba

"Demokratie bedeutet für mich, bis zu einem gewissen Grad frei sein zu können – und meine Freiheit ist mir wichtig. Es ist heute entscheidender denn je, unsere Demokratie und Freiheit zu schützen und zu wahren. Im Dialog mit Menschen aus anderen Kulturen wird mir immer wieder besonders bewusst, wie wichtig das ist und was wir an unserer Demokratie haben. Ich denke, dass ein solcher Austausch in unserer Gesellschaft unbedingt viel mehr gefördert werden sollte.“

Lisa
Lisa © Bernd Wackerbauer

"Junge Menschen wie ich wachsen in diesem Land in einer sehr behüteten Welt auf. Demokratie scheint eine selbstverständliche Gegebenheit zu sein. Doch in meinen Augen ist die Sicherheit und Gerechtigkeit dieses politischen Konstrukts trügerisch: Beides führt zusammen mit dem Luxus, in dem wir leben, zu zunehmender Passivität in unserer Gesellschaft. Viele Menschen verschließen die Augen vor Ungerechtigkeit, Leid und den Problemen in diesem System. Die Bedeutung von Weiterentwicklung muss stärker ins Bewusstsein treten– also sich im Kollektiv für Schwächere einzusetzen und gegen Schwierigkeiten gemeinsam vorzugehen.“

Friederike
Friederike © Bernd Wackerbauer

"Ich bin sehr glücklich, als Bürgerin wählen zu können – und ich weiß zu schätzen, in einer Demokratie zu leben. Aus meiner Sicht müsste allerdings folgendes Problem angegangen werden:  Die Gesellschaft altert und somit auch ein Großteil der aktiven Wähler unserer Repräsentanten. Deren jeweilige Parteien passen ihre Programme natürlich eher der Masse an, also den älteren Wählern – die jüngeren bleiben nach meiner Wahrnehmung immer mehr außen vor. Vielleicht gehen auch deshalb relativ viele junge Leute ungern oder auch gar nicht wählen, da sie sich mit einigen Werten der heutigen Parteien nicht identifizieren können. Ich wünsche mir, dass Anliegen für unsere Zukunft – die von jungen Menschen wie mir – mehr Berücksichtigung erfahren."

Moly
Moly © Bernd Wackerbauer

"Demokratie bedeutet natürlich vor allem Freiheit für ihre Bürger, in vielen Belangen. Eine funktionierende Demokratie lebt aber auch von Struktur und Regeln: Würden diese aufgeweicht werden, könnte eine Regierung auf lange Sicht immer schwerer daran gehindert werden, sich über den Volkswillen hinweg zu setzen, statt diesen durchzusetzen. Deshalb sollten Struktur und Regeln konsequent von neutralen Demokratieschützern auf den Prüfstand gestellt werden."

Suzanna
Suzanna © Belaraba

"Unsere Demokratie hier, in Deutschland (mein Geburtsland ist Belarus), hat schöne Prinzipien – als Bürger können wir, wenn auch indirekt, an Entscheidungen teilhaben, weil diese von unseren Repräsentanten getroffen werden, die wir in freien, fairen Wahlen wählen dürfen. Manchmal kommt es mir allerdings so vor, als stünde sich der demokratische Gedanke selbst im Weg: Abläufe und Umsetzungen werden durch die demokratischen Prozesse nicht unbedingt einfacher. Aber das ist immer noch sehr viel besser als Systeme, in denen Personen oder Gruppen ihre eigenen Interessen nach Belieben verfolgen können. In einer echten, funktionierenden Demokratie könnten sie immerhin abgewählt werden."

Ana
Ana © Belaraba

"Für mich ist Demokratie das Recht, nicht dafür angegriffen zu werden, was man ist, und seine Meinung frei äußern zu dürfen. Die Freiheit der Presse in Deutschland ist eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie – aber nur via einer objektiven Berichterstattung. Die ist leider nicht bei allen Medien die Regel. Besonders für junge Menschen wie mich sind die sozialen Medien die wichtigste Informationsquelle. Es müsste also sichergestellt werden, dass hier vor allem fundierte Informationen und keine Fake News angeboten werden. Fake News sind wahrscheinlich eines der größten Probleme unseres digitalen Zeitalters. In Deutschland sollten unabhängige soziale Medien mit objektiver Berichterstattung meiner Meinung nach viel stärker gefördert werden – und Deutschland sollte in diesem Bereich auch insgesamt als Vorbild vorangehen: Außenpolitisch müsste der Fokus viel mehr auf die Stärkung der Meinungs- und Pressefreiheit gerichtet sein, zumal in Ländern, in denen es hierzu kaum oder gar keine Regelungen gibt oder diese einfach nicht eingehalten werden, was wiederum letztlich auch rechte Gruppierungen erstarken lässt."

 


Infos zur Langen Nacht der Demokratie gibt es unter www.lndd.de; Infos zum Wertebündnis Bayern unter www.wertebuendnis-bayern.de

 

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