Schockanrufe in München: Täter vermischen zwei bekannte Abzock-Maschen

Für den über 80 Jahre alten Rentner aus Gräfeling im Landkreis München schienen sich die schlechten Nachrichten an diesem Tag schier zu überschlagen: Erst rief ihn ein Mann an, der sich als Arzt ausgab, und behauptete, die Tochter des Seniors sei schwer an Krebs erkrankt. Wenig später klingelte es erneut. Diesmal gab sich eine Frau als Polizistin aus und warnte: Der vorherige Anrufer sei ein Betrüger, der nur auf Geld aus sei. Um den Mann zu "überführen", brauche man allerdings die Hilfe des Rentners, log die Gaunerin.
Trickbetrüger kombinieren verschiedene Maschen
Es ist eine geschickte Kombination aus zwei unterschiedlichen Methoden, um mit Schockanrufen Menschen unter Druck zu setzen. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums warnte jetzt ausdrücklich vor der neuen Masche. Es sei das erste Mal, dass diese Kombination aus falschem Arzt und falschem Polizisten in München den Ermittlungsbehörden bekannt geworden sei.
Zwei Gauner - ein Ziel: Geld
Der erste Anrufer, der sich als Arzt und Professor einer renommierten Münchner Klinik ausgibt, schockt mit einer Diagnose: Im Fall des Gräfelfinger Rentners behauptete er, die Tochter des Mannes sei lebensgefährlich an Krebs erkrankt. Für die Therapie sei ein sehr teures, angeblich noch nicht zugelassenes Medikament erforderlich. Die Verhandlungen mit der Krankenkasse würden zu viel Zeit in Anspruch nehmen, daher solle der Angehörige einen Vorschuss zahlen. Der falsche Arzt verlangte von dem Rentner 180.000 Euro.
Hilfsbereitschaft wird dreist ausgenutzt
Der Senior wollte unbedingt helfen, er habe aber nicht so viel Bargeld, sagte er. Er besitze allerdings Gold, räumte der Rentner ein. Maximal könne er etwas über 100.000 Euro in Gold zur Verfügung stellen, sagte er dem Anrufer. Damit war der falsche Arzt einverstanden. Man vereinbarte die Übergabe des Goldes an der Adresse des Rentners im Bereich des Paul-Diehl-Parks, Lärchenstraße und Ulmenstraße (Lochham).
Zwei Anrufe dicht aufeinander
Der Gräfelfinger hatte sich noch nicht beruhigt, da klingelte wieder sein Telefon. Diesmal war es eine Frau, die sich als Polizistin ausgab. Die Anruferin präsentierte die nächste Hiobsbotschaft: Der Mann, der den Rentner eben angerufen habe, sei überhaupt kein Arzt, sondern ein Trickbetrüger. Die vermeintliche Polizistin klärte das Opfer über die Masche der Schockanrufe auf. Dadurch wirkte die Anruferin nicht nur authentisch, sondern auch gleich sehr glaubhaft und vertrauenswürdig.
Rentner übergibt Gold an der Wohnungstüre
Um den falschen Arzt zu überführen, so behauptete die Betrügerin, brauche man die Hilfe des Rentners. Er solle, wie vereinbart, das Gold übergeben. Polizisten würden den Trickbetrüger dann festnehmen. Der Rentner glaubte der falschen Polizistin. Der Senior ließ sich auf den Vorschlag ein und übergab sein Gold am vergangenen Freitag an der Wohnungstüre einem Abholer. Der Mann ist etwa 20 Jahre alt, 1,75 Meter groß und trug eine braune Hose. Das Opfer wurde erst misstrauisch, als sich die Polizistin nicht mehr bei ihm meldete.
Zeugenaufruf:
Wer hat im angegebenen Zeitraum im Bereich des Paul-Diehl-Parks, Lärchenstraße, und Ulmenstraße (Lochham) Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit diesem Vorfall stehen könnten? Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 61, Telefon 089 2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.
Hinweis der Münchner Polizei:
Die Vorgehensweise der Täterinnen und Täter ist immer ähnlich. Sie geben sich am Telefon als Polizeibeamte, Amtsträger (z.B. Staatsanwalt) oder wie zuletzt auch als Ärzte aus und versuchen, ihre Opfer unter verschiedenen Vorwänden dazu zu bringen, die vorhandenen Vermögenswerte zu übergeben. Die Strategien der Täter an Vermögenswerte zu gelangen, sind mindestens genauso vielfältig wie deren erfundene Geschichten. Ein gesundes Misstrauen ist deshalb die beste Prävention. Ob falsche Ärzte, falsche Polizeibeamte, falsche Staatsanwälte: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, legen Sie einfach auf!
Das Polizeipräsidium stellt klar:
• Grundsätzlich verlangen Krankenhäuser oder Polizei/Staatsanwaltschaften/Gerichte niemals Barzahlungen oder schicken Boten zur Geldabholung.
• Geben Sie keine vertraulichen Informationen heraus und versuchen Sie die angeblich erkrankte Person direkt zu kontaktieren.
• Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände!
• Wählen Sie im Zweifel immer die Notrufnummer 110, wir sind jederzeit für Sie
erreichbar!