Schockanruf: Trickbetrüger gibt sich als Krebsspezialist im Klinikum Großhadern aus
Es sind das Renommee des Krankenhauses und die große Erfahrung auf dem Gebiet der Krebstherapie, die die Klinik so interessant für Trickbetrüger machen, die mit Schockanrufen ihre Opfer hereinlegen.
Betrüger nennt sich "Dr. Müller"
Der Mann, der sich am Montagmittag telefonisch bei einer Rentnerin aus Bogenhausen meldete, nannte sich „Dr. Müller“. Er behauptete, er sei Krebsspezialist im Klinikum Großhadern. Was dann bei dem Telefonat folgte, ist die altbekannte Betrugsmasche: Der Sohn der über 80-Jährigen sei an Krebs erkrankt.
Eine überaus kostspielige Untersuchung und Therapie seien erforderlich. Das Verfahren sei aber bei den Kassen noch nicht anerkannt, daher müsse die Familie finanziell in Vorleistung gehen. Manchmal wird auch behauptet, dass jede Verzögerung den Patienten das Leben kosten könne. Die Betrüger bauen so extremen Druck bei ihren Opfern auf.
Rentnerin räumt ihren Safe aus
Auch bei der Seniorin, die im Bereich der Ebersberger Straße wohnt, klappte der Trick. Die Frau hatte Schmuck, Bargeld und Münzen im Gesamtwert von mehr als 100.000 Euro in einem Tresor deponiert. Sie räumte den Safe leer und übergab ihre Wertsachen später am Nachmittag einer Frau, die die über 80-Jährige besuchte, so ein Polizeisprecher.
Als sich die über 80-Jährige einer Nachbarin anvertraute, erkannten sie den Betrug und verständigten den Polizeinotruf 110. Die Betrügerin ist etwa 45 Jahre alt, dunkelhaarig, korpulent und trug eng anliegende Kleidung. Die Polizei bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 089/29100.
Klinikum Großhadern warnt vor Betrugsmasche
Im Klinikum Großhadern verfolgt man die jüngsten Entwicklungen mit großer Sorge. Die Ärzte sind schockiert und verärgert, dass ihre Rolle als Mediziner von Trickbetrügern derart schamlos ausgenutzt wird. Professor Dr. Markus M. Lerch, ärztlicher Direktor des Klinikums, betont: "Ärzte, Pflegekräfte oder Mitarbeitende der Verwaltung des Klinikums würden niemals bei Verwandten oder Freunden von Patienten anrufen, um Geldbeträge für eine Behandlung, eine Operation oder ein Medikament zu fordern."
Außerdem würde man niemals Angehörigen von Patienten am Telefon schwere oder plötzliche Diagnosen mitteilen. Und schon gar nicht, so der Professor beim Start der Präventionsaktion weiter, müsse jemand "für eine Operation oder ein Medikament Bargeld oder Schmuck ins LMU Klinikum bringen".

