Schneller zum Impftermin in München: Mit dieser App geht es ganz leicht

Der Software-Berater Max Ritter (28) hat eine App entwickelt, die aus Online-Portalen freie Arzttermine für Corona-Impfungen herausfiltert. Sie funktioniert in neun Städten, neben München auch in zwei weiteren in Bayern.
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Die Impfkampagne in Deutschland hat angezogen - diese Woche soll die Impfbremse in München fallen.
Die Impfkampagne in Deutschland hat angezogen - diese Woche soll die Impfbremse in München fallen. © Jonas Güttler/dpa

München - In wenigen Klicks zum Arzttermin: Nachdem die Impfpriorisierung in bayerischen Hausarztpraxen weggefallen ist, laufen bei vielen Hausärzten die Telefone heiß und die Wartelisten wachsen.

Schneller zum Impftermin kommen Münchner schon jetzt mit einem neuem Service, der seit Mitte Mai als App verfügbar ist und auch über einen beliebigen Browser bedient werden kann. Die Applikation wertet in München (und in acht weiteren deutschen Städten, darunter auch Nürnberg und Augsburg) die freien Impftermine aus, um den Suchenden binnen möglichst kurzer Zeit zum nächsten freien Slot zu verhelfen. Dabei ist es möglich, eine Impfstoffpräferenz anzugeben - sich etwa nur bei freien Biontech-Terminen benachrichtigen zu lassen. Alles, was es dafür technisch braucht, ist eine Registrierung beim Messenger-Dienst Telegram und in der entsprechenden Gruppe. 

Die App ist in neun deutschen Städten - darunter drei in Bayern - verfügbar.
Die App ist in neun deutschen Städten - darunter drei in Bayern - verfügbar. © Screenshot corona-impftermine.net

Software-Entwickler Ritter: "Die Nachfrage nach Impfterminen ist viel höher als das Angebot"

"Immer mehr Arztpraxen stellen ihre Termine für die Impfung online ein. Bisher mussten Leute sich durch die Onlineportale klicken und genau zum richtigen Zeitpunkt da sein, um diesen Termin zu bekommen", sagt der App-Entwickler Max Ritter (28) im Gespräch mit der AZ. "Die Nachfrage ist derzeit viel höher als das Angebot, was sich auch die nächsten Wochen nicht ändern wird." Ritter hat Softwareentwicklung studiert und danach zunächst das Start-Up Parkdepot mitgegründet. 

Heute arbeitet er hauptberuflich als Berater bei einer Software-Firma und hat die App zunächst für den Eigenbedarf entwickelt. Ein Kollege habe ihm am 18. Mai (Dienstag) einen Link zu einem Onlineportal geschickt, wodurch er erst erfahren habe, dass Ärzte Impftermine online planen: "Da habe ich mich - statt tagelang immer wieder diese Seiten zu aktualisieren - abends ein paar Stunden hingesetzt und eine Software gebaut, die automatisiert die Verfügbarkeiten analysiert." Und bereits am Mittwoch (19. Mai) war Ritter geimpft.

Per Push-Nachricht zum Corona-Impftermin

Heute funktioniert seine App so: Sobald ein Arzt ein Datum einstellt, wird der Termin über den Kanal der jeweiligen Stadt direkt an die Leute kommuniziert. Die Daten erhält die Software dabei aus online zugänglichen Portalen wie etwa Jameda. "Dann bekommen beispielsweise die über 1.000 Leute im Münchner Kanal eine Benachrichtigung, gehen auf den Link und können im Idealfall den Termin direkt über die Arztplattform buchen." Und dann - siegt Schnelligkeit. Denn theoretisch würde es Telegram ermöglichen, bis zu 200.000 Abonnenten zu benachrichtigen. 

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Seine App hat Ritter zunächst nur im Kollegenkreis an den vier Standorten seiner Firma geteilt. Dann hat er einen Hinweis in Stadt-Kanäle bei Reddit eingestellt - und inzwischen haben allein in München schon mehr als 6.000 Leuten seinen Dienst abonniert.  In Berlin und Norddeutschland gibt es bereits ähnliche Services; in Bayern ist Ritter seinen Angaben zufolge damit der erste.

Beim Ablauf werden keine Daten erhoben, weswegen Max Ritter keine Angaben machen kann, wie vielen Menschen seine App schon erfolgreich zu einem Impftermin verholfen hat. Da die App über Telegram funktioniert, gelten die Regeln des Messageing-Dienstes. Während andere Plattformen zunächst Daten erheben müssen, um ein Matching nach Wohnort vorzunehmen, läuft die Zuordnung über das Benachrichtigungssystem anonym.

Impftermin-Finder: Anmeldung als anonymer Leser

Ritter bekommt keine Rückmeldung über eine Vereinbarung von Terminen. "Der Nutzer meldet sich bei Telegram mit seiner Handynummer an. Bei Telegram gehe ich davon aus, dass sie datenschutzkonform sind, weil sie in Deutschland operieren dürfen. Ich selbst habe keine Anknüpfungspunkte mit Daten, die Leute sind im Kanal als anonyme Leser angemeldet."

Max Ritter (28) hat eine App entwickelt, die Impftermine vermittelt.
Max Ritter (28) hat eine App entwickelt, die Impftermine vermittelt. © privat

 Impftermin per Telegram-Bot finden: Altersgruppe U-30 steht im Fokus

Die App richtet sich gezielt an eine digital erfahrene Bevölkerungsgruppe, die sich von anderen Kampagnen bislang oft als benachteiligt ansieht: "Ich würde die Zielgruppe mit unter 30 ansetzen, die das 'Aktive' gewohnt sind. Während beim Impfzentrum nach der Anmeldung passiv ein Termin zugeteilt wird, gibt es ja gerade in der jungen Generation viele Leute, die sich impfen lassen wollen, die Zeit und das Know-how haben, sich diesem Termin aktiv anzunähern. Für die hat bisher das Angebot gefehlt", sagt Max Ritter. "Daher richte ich mich eher an sie - auch in der Hoffnung, dass ältere Leute über andere Kanäle wie das Impfzentrum oder Telefon bedient werden."

Ob es bereits Feedback von Nutzern oder Ärzten gab? Anerkennung hat er bereits bekommen: "Mich freut es, wenn Leute mir schreiben, dass sie mir einen Kasten Kölsch schicken wollen." Ein kommerzielles Projekt will er aus seiner App nicht machen: "Kaufangebote würde ich zurückweisen. Ich freue mich für jeden, bei dem es klappt - und das war meine einzige Motivation hinter der Sache. Impftermine sollen ein öffentliches Gut bleiben, Arztpraxen und Impfwillige pragmatisch zusammengebracht werden - hieraus Geld zu schlagen, fände ich schwierig." Die Nutzung der App bleibt folglich gratis.

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