Schnaps-Verbot: Das sagen Münchens Wirte

Ausgegoren oder eine Schnaps-Idee? - Münchens Polizeichef Wilhelm Schmidbauer fordert ein Verbot harter Getränke ab Mitternacht. Die Reaktion der Gastronomen.
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Bald kein Ausschank harter Getränke nach Mitternacht in München?
dpa Bald kein Ausschank harter Getränke nach Mitternacht in München?

München - Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer will die Gewaltdelikte in München in den Griff bekommen. Und fordert dazu ein Verkaufsverbot für harte Drinks ab Mitternacht, das für Kneipen, Diskotheken und Tankstellen gelten soll. Die AZ hat sich unter Münchner Wirten umgehört, was sie von der Idee halten.

Franz Rauch, P1-Chef

Nach dem Rauchverbot wäre das der nächste Schlag gegen die Gastronomie. Wenn kein Wodka-Bull, kein Whiskey-Cola mehr ausgeschenkt werden darf, wird ein großer Prozentsatz von der Geschäftsgrundlage entzogen. Doch die Folge wäre wohl, dass sich viele Party-Gäste ihren Wodka im Rucksack mitnehmen, heimlich draußen beim Rauchen trinken und auch schneller unkontrolliert konsumieren. Ob das so ideal ist, darf stark bezweifelt werden.“

 

 


 

Stephan Kuffler, Wirt vom Spatenhaus, Mangostin, Weinzelt und Seehaus:

„Den Vorschlag halte ich für unrealistisch, weil die Forderung nicht ernsthaft erfüllt werden kann. Dem Schwarzhandel wird damit Tür und Tor geöffnet. Er verlagert sich in Privatwohnungen, in denen man mit sogenannten Freunden, die Geld bezahlen, noch einen Absacker trinken kann. Damit kriminalisiert man die Leute. Sie lassen sich das Feiern nicht verbieten und werden immer Wege finden, noch etwas zu trinken.“

 

 


Marco Beier von der Bar „Padres“: „Das ist ein großer Blödsinn. Bei Tankstellen macht es ja Sinn, aber ein generelles Alkoholverbot für die Gastronomie nach Mitternacht ist nicht nur eine existenzielle Bedrohung für uns alle. Das bringt auch den England-Effekt, wo die Leute schon nachmittags anfangen zu trinken, damit sie bis Mitternacht so voll sind, dass nix mehr reinpasst. Die Leute trinken nur früher und schneller mehr. Aber trinken werden sie trotzdem.“

 

 


Ugo Crocamo, Chef vom H’ugo’s: „Das kann doch nicht wahr sein! München ist die sicherste Stadt der Welt. Ich glaube nicht, dass sie noch sicherer wird, wenn nachts nur noch Champagner und Wein getrunken wird. Ein skurriler Vorschlag, den Menschen vorschreiben zu wollen, was sie wann trinken. Das passt auch gar nicht zu dieser weltoffenen Stadt. Ich kann nur hoffen, dass die Forderung nicht durchgesetzt wird. Denn dann trinken und feiern alle nur noch daheim.“

 

 


Christian Schottenhamel, Wirt vom Löwenbräukeller, der Menterschwaige und dem Schottenhamel: „Eigentlich hat der Polizeipräsident ganz gute Ansichten. Aber seine neue Idee gefällt mir nicht, ich bin dagegen. Damit werden die Bürger für unmündig erklärt. Wer von den Jugendlichen mit einem spärlichen Taschengeld kann sich eine Flasche Wodka in der Disco leisten? Das Problem liegt doch im Straßenverkauf von hartem Alkohol.

 

 

 

 

 

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