Schließen unsere Freibäder zu früh?

Viele Münchner stehen um 18 Uhr trotz Sonnenschein vor verriegelten Türen.
| Johanna Jeurenig
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Ein Schwimmer zieht im Münchner Westbad seine Bahnen.
Ein Schwimmer zieht im Münchner Westbad seine Bahnen.

München -  Vanessa Geisler ist eine Wasserratte. Seit sie vier ist, sportelt sie im Schwimmverein. Im Sommer verbringt die 13-Jährige jede freie Minute mit ihren Freundinnen im Freibad West. In den letzten eineinhalb Ferienwochen wird das allerdings nicht mehr möglich sein, denn das Bad schließt dieses Jahr schon am 5. September, vor dem Ferienende. Wegen „Arbeiten am Kassensystem“ heißt es auf der Homepage.

Ein „bissl angesäuert“ ist ihre Mutter Carolin Geisler schon. Sie versteht nicht, warum die Stadtwerke mit den Arbeiten nicht bis nach den Ferien warten. Sie muss im September wieder arbeiten und hätte ihre Tochter lieber im Freibad, als zu Hause oder auf der Straße gewusst. „Ich finde das für Kinder von berufstätigen Müttern eine Unverschämtheit.“ Auch Stadtrat Marian Offman (CSU) findet die frühzeitige Schließung des Bades „völlig inakzeptabel.“

Bei den Stadtwerken heißt es: Das Kassensystem werde zu diesem Zeitpunkt umgestellt, weil in den Septemberwochen die alljährlichen Wartungs- und Putzarbeiten anstehen. „Das Westbad ist Freibad und Hallenbad zugleich“, erklärt SWM-Sprecherin Bettina Hess. „Wir haben den Termin extra so gelegt, um die Schließungszeiten möglichst kurz zu halten.“ Außerdem würde das Westbad von vielen Schulklassen genutzt. Deswegen müsse der Wartungstermin in die Schulferien fallen.

Für Carolin Geisler und ihre Tochter Vanessa ändert das wenig. Sie nervt auch, dass die Öffnungszeiten bei schönem Wetter oft nicht, wie angekündigt, bis um 20 Uhr verlängert werden: „Auch, wenn um 3<TH>Uhr ein paar Wölkchen quellen, kann es später wieder brettlheiß sein.“ Sie wünscht sich etwas mehr Flexibilität und Service. So erwischte es jetzt bei strahlendem Sonnenschein eine vierköpfige Familie, die erst am Bad Maria Einsiedel und dann am Schyrenbad vor 18 Uhr abgewiesen wurde.

Die Stadtwerke, die jährlich ein Defizit im zweistelligen Millionenbereich mit den Bädern verbuchen, setzen „auf Planungssicherheit“. Am frühen Nachmittag entscheiden die Freibadleiter nach den Wetterprognosen selbst, ob die Bäder länger offen bleiben. Da sind sie nicht an die Weisung aus der Zentrale gebunden. Um 15.30 Uhr steht das Ergebnis im Internet unter www.swm.de und es kann über die Telefonhotline 089 23 61 50 50 abgefragt werden.

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