Schampus-Bier: „Digestiv statt Durschtlöscher“

Bitte in Maßen, nicht in Maßkrügen genießen: Lukas Bulka, Bier-Sommelier und seit 2005 Museumsleiter im Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum im AZ-Interview über das Champagner-Bier.
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Bier gibt's jetzt in Schampusflaschen
Infinium Bier gibt's jetzt in Schampusflaschen

Bitte in Maßen, nicht in Maßkrügen genießen: Lukas Bulka, Bier-Sommelier und seit 2005 Museumsleiter im Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum im AZ-Interview über das Champagner-Bier.

AZ: Herr Bulka, wie schmeckt Ihnen Cuvée-Bier?

LUKAS BULKA: Es ist zweifellos etwas Außergewöhnliches. Es schmeckt wie ein spritziges Weißbier mit besonderem Charakter. Man muss es probieren, um das Mundgefühl dabei zu erleben. Es ist oftmals ein obergäriges Bier und allein dadurch etwas süßlicher. Und es hat sehr viel Kohlensäure.

Nicht unbedingt das passende Getränk zum Schweinsbraten, oder?

Ich würde es eher als Aperitif oder Digestiv trinken – wie einen Süßwein oder einen Sherry zu einem besonderen Essen. Gerne auch in einem Champagner- oder Weinglas. Ein ordinärer Krug passt auf keinen Fall dazu. Immerhin wird es ja auch in Schampusflaschen verkauft – und die sind mit einem Korken verschlossen, weil Kronkorken dem Druck gar nicht standhalten würden.

Also bleibt der Maßkrug im Schrank.

Das wäre allein schon deshalb ratsam, weil Cuvée-Bier viel stärker ist als normales. Es wird ja mit Champagner-Hefe vergoren und die ist leistungsstärker. Das Premium-Bier hat mehr als zehn Prozent Alkohol. Zum Vergleich: Ein Starkbier hat normalerweise um die 8 Prozent.

Ist das Ganze ein Frauen- oder Männergetränk?

Beides – wobei ich mir schon vorstellen kann, dass den Damen das Prickelnde besonders gefällt. Jungs sind ja meistens nicht so Prosecco-begeistert. Es bietet auf jeden Fall unterschiedlichste Aromen und Geschmäcker – von Ingwernoten über Karamell zu Citrusaromen.

20 Euro kostet eine Flasche von Weihenstephan – ganz schön teuer für ein Bier!

Das zahlt man auch für einen guten Prosecco oder einen billigen Champagner. Das Cuvée-Bier wird eben auch nicht in so großer Menge produziert wie normales Bier. Der Produktionsaufwand ist höher, auch wegen der längeren Lagerung und teilweise sogar einer Abfüllung per Hand. Und die großen Flaschen sind gewiss auch teurer, wobei die übrigens kein Novum sind. Spaten hat bereits Ende des 19. Jahrhunderts Bier in solchen Flaschen verkauft. Das ist bei uns im Biermuseum zu sehen.

Glauben Sie, dass es zum Massen-Getränk taugt?

Sicher nicht, aber es wird weiter seine Abnehmer finden. Es empfiehlt sich auf jeden Fall zu besonderen Anlässen oder als Geschenk – nicht als Durstlöscher. Interview: J. Lenders

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