Schamaninnen und Wunderheilerinnen: Die miese Masche der Auraleserinnen in München

Sollten Sie in nächster Zeit von einer fremden Frau auf der Straße angesprochen werden und es fallen dabei schnell Begriffe wie Aura, Chakren, Erzengel und werden dann auch noch okkulte Rituale erwähnt, sollten Sie lieber schleunigst das Weite suchen. Das rät zumindest die Münchner Polizei, die vor dubiosen Schamaninnen, Wunderheilerinnen und Auraleserinnen warnt, die in der Stadt ihr Unwesen treiben.
Schmeicheleien über die Aura
Die Gespräche beginnen immer völlig harmlos. Die Täterinnen schmeicheln zunächst ihren Opfern, loben deren besondere "lila Aura", die sie bei ihnen zu erkennen vorgeben. Doch dann geht es im Gespräch recht schnell um eine "dunkle Seite" im Leben der betreffenden Personen, einen Schatten, manchmal sogar um einen Fluch, der auf den betreffenden oder deren Angehörigen angeblich lasten soll.
Meist folgt eine Einladung in ein Café, da präsentieren die selbst ernannten Schamaninnen natürlich auch gleich einen Ausweg aus der Misere: Die Trickbetrügerinnen behaupten, sie könnten die "blockierten Chakren" reinigen, mit speziellen Gebeten und besonderen Ritualen seien sie in der Lage, den belasteten Menschen zu helfen. "Ein simpler Trick", warnt ein Münchner Fahnder, "schließlich gibt es im Leben eines jeden von uns gute und schlechte Phasen."
Dubiose Rituale sollen helfen
Im Anschluss an das Treffen werden Termine vereinbart, bei denen speziell Rituale durchgeführt werden sollen. Oft sollen die Opfer abends in ihrer Wohnung zu einer bestimmten Uhrzeit eine Kerze anzünden. Manchmal wird auch ein Bad mit Rosenblättern empfohlen. Die Auraleserin verspricht, zur selben Zeit mit ihren Gebeten zu beginnen. Dadurch soll die schlechte Energie, das blockierte Chakra, auf sie übergehen und der Betreffende nach einiger Zeit Linderung erfahren. "Oft werden vor diesen Ritualen Weihwasserfläschchen, Kräuter oder Bilder von Erzengeln oder Heiligen überreicht", erklärt ein Fahnder des Kommissariats K61.
Mehr Frauen als Männer unter den Opfern
Empfänglich für die Betrugsmasche sind vor allem Menschen, die sich besonders für Esoterik oder auch spirituelle Dinge interessieren. Mehr als 90 Prozent der Geschädigten, so die Erfahrung der Münchner Ermittler, sind Frauen, Männer seien deutlich seltener betroffen. Wie hoch die Zahl der Opfer in München ist, weiß niemand. Die Polizei geht davon aus, dass die wenigsten Geschädigten Anzeige erstatten. Entsprechend groß dürfte das Dunkelfeld sein, vermutet man beim ermittelnden K 61.
Es geht oft um sehr viel Geld
Haben sich die Täterinnen ins Vertrauen ihrer Opfer geschlichen, wird Geld schnell ein Thema. Oft erkundigen sich die Gaunerinnen dezent nach Erbschaften, Schenkungen oder belasteten Beziehungen zu Verwandten. Manchmal ist auch von Flüchen die Rede, die das eigene Leben oder das von Angehörigen bedrohen. Früher oder später fällt die Frage, was den betreffenden Personen es wert sei, wenn man ihnen helfe? Gerne ist dann von "Opfergaben" die Rede, warnt die Kripo. Anfangs sind es nur kleine Beträge. Oft fängt es mit hundert Euro an. Schnell werden aus einem "blockierten Chakra" fünf oder sechs, entsprechend steigen dann auch die Summen für eine komplette "Reinigung". Auf diese Art habe manche Menschen in München schon über 100.000 Euro und mehr verloren.
Wo die Trickbetrügerinnen gerne auftauchen
Die Wunderheilerinnen und Schamaninnen tauchen besonders gerne in gehobenen Citylagen in der Stadt auf, wie in der Nähe der "Fünf Höfe" in der Theatinerstraße, am Dom oder anderen bekannten Kirchen, an verschiedenen Kliniken, aber auch vor Yoga-Studios in der Stadt und bei Esoterikmessen.
Internationale Fahndung nach Amela
Mariana M. (44), alias Amela, soll mit der Masche im Lauf der Jahre mehr als zehn Millionen ergaunert haben. Die Polizei in Österreich fahndet in ganz Europa nach der selbst ernannten Schamanin. In ihrer Villa im Bezirk Mödling nahe Wien fand man 2025 über sechs Millionen Euro.

Die 44-jährige selbst ernannte „Schamanin“ Mariana M., die unter dem Namen „Amela“ auftrat, soll nach Angaben österreichischer Ermittler einen zweistelligen Millionenbetrag an Bargeld, Gold und Schmuck erbeutet haben. Ihr Sohn sitzt in Untersuchungshaft. Auch in München war Amela vor mehr als zehn Jahren aktiv.
Schamaninnen, Wunderheilerinnen und Auraleserinnen treten auch immer wieder in Hamburg, Berlin und anderen Großstädten auf. In Köln verlor eine Geschäftsfrau durch die Masche über eine Million Euro. In Weilheim wurde eine Frau 2011 um mehr als 230.000 Euro betrogen. Der Mann der Frau war kurz vorher verstorben und die Witwe für die Gaunerin ein leichtes Opfer. 2020 sah die Witwe die Betrügerin zufällig wieder in Weilheim. Die Frau verständigte die Polizei, doch die Trickbetrügerin war bereits wieder verschwunden.