"Romeo"-Masche: Wie ein Pastor aus Afrika eine Münchnerin betrog

Über das Internet lernt die Münchnerin einen Mann kennen, der ihr den Himmel auf Erden verspricht und sie dann in die größte Krise ihres Lebens stürzt - leider längst kein Einzelfall.
| Ralph Hub
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Das Opfer: Über 200.000 Euro sind futsch.
Das Opfer: Über 200.000 Euro sind futsch. © Bernd Wackerbauer

München - Ihre Stimme zittert leicht, als die zierliche, schwarzhaarige Frau von John erzählt. Wie der Mann aus Afrika ihr Herz im Sturm eroberte, um sie dann systematisch auszuplündern.

Opfer macht hohe Schulden: "Er wusste genau, was er zu mir sagen musste"

"Es war die schlimmste Erfahrung meines Lebens", sagt Bärbel B.. Ihren echten Namen möchte sie nicht verraten, zu groß ist ihre Angst vor dem Mann, der sie ins Unglück stürzte. "Er wusste genau, was er zu mir sagen musste, um alles zu bekommen."

Am Ende macht sie sogar hohe Schulden, nur um ihren Romeo nicht zu verlieren. Über 211.000 Euro gibt sie John A. - dass sie einen Cent davon jemals wiedersieht, ist mehr als unwahrscheinlich.

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Über einen angeblichen US-Soldaten, eine Internetbekanntschaft, lernt Bärbel B. im Juli 2014 einen Mann kennen, der sich als Pastor und Rechtsanwalt ausgibt. Anfangs ist es nur Freundschaft, doch dann, so sagt sie, "entwickelte ich echte Gefühle".

Seine Frau sei vor einigen Jahren gestorben, behauptet der Pastor. Bärbel sei die Liebe seines Lebens, sie gebe ihm die Kraft weiterzuleben. "Er klang so süß", sagt die Münchnerin.

"Ich habe ihm alles geglaubt", sagt die Frau

Blind vor Liebe steigt sie eines Tages in ein Flugzeug und fliegt nach Lomé, die Hauptstadt der westafrikanischen Republik Togo. Dort wartet John. "Er zeigte mir seine Kirche und erzählte mir, wie wichtig für ihn der Glaube ist", sagt Bärbel B.. "Ich sah ihn, mit der Bibel in der Hand. Für die Münchnerin, die selbst sehr gläubig ist, scheint es der Mann ihrer Träume. Nach ihrer Rückkehr schreiben sie sich jeden Tag. "Ich habe ihm alles geglaubt", sagt die Frau.

John erzählt auch von Problemen in der Anwaltskanzlei in Ghana, in der er arbeitet und von Kollegen, die ihn aus der Firma mobben. Der Rechtsstreit koste viel Geld, behauptete er. Dann berichtete er von einem schweren Autounfall. Er brauche dringend Geld, um die Ärzte bezahlen zu können.

Seine Geschichten werden immer fantastischer: Er sei der Sohn eines Königs aus Ghana, ein waschechter Prinz. Sein Vater habe ihm 250 Kilo Gold hinterlassen. Bankgebühren und Steuern würden ein Vermögen verschlingen, er brauche finanzielle Unterstützung. Bärbel B. hilft immer wieder mit großen Summen,

Das Verfahren wird eingestellt - doch der Täter macht einen Fehler

Dann lernte sie zufällig in München einen Angestellten bei der Stadt kennen. Er stammt aus Nigeria, als er zum ersten Mal die Stimme von John A. hört, weiß er sofort, der Mann stammt nicht aus Ghana, da stimmt etwas nicht. Bärbel B. bekommt Zweifel, sie beendet den Kontakt zu John: "Es war, als ob mir jemand das Herz aus der Brust reißt." Sie bricht völlig zusammen, muss lange Zeit ins Krankenhaus.

Sie findet die Kraft, zur Polizei zu gehen. Die ermittelte, kam aber an John A. nicht heran. "Wir hatten nur eine Handynummer", sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Im August 2019 wird das Verfahren deshalb eingestellt.

Doch John A. macht einen Fehler, er nimmt wieder Kontakt zu Bärbel B. auf. Zusammen mit ihrem Freund aus München stellt sie dem Betrüger eine Falle. Das Paar trifft sich mit John in Lagos in Nigeria am Flughafen. John A. wird festgenommen. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

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