Rocker-Institution Titanic sucht neuen Ankerplatz

Es ist eine Schwabinger Institution, das zweite Wohnzimmer für manchen Altrocker: Die Rede ist vom Titanic City, einem Kellerclub am Kurfürstenplatz. Doch jetzt sieht es so aus, als sei das Titanic vor dem Untergang.
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Daniel von Loeper Illustration

Es ist eine Schwabinger Institution, das zweite Wohnzimmer für manchen Altrocker: Die Rede ist vom Titanic City, einem Kellerclub am Kurfürstenplatz. Doch jetzt sieht es so aus, als sei das Titanic vor dem Untergang.

MÜNCHEN Ende Juni läuft der Pachtvertrag aus. Und ein Ersatz-Standort ist noch nicht gefunden.

„Natürlich tut’s mir leid“, sagt Werner Runge (54). „Ich bin ja mit dem Lokal alt geworden.“ Seit 26 Jahren betreibt er das Titanic City – und das mit großer Beständigkeit. So ist zum Beispiel „DJ Dig“, der freitags bei der Rock Night auflegt, von Anfang an dabei – und inzwischen 57 Jahre alt. Auch einige der Barkeeper arbeiten hier seit fast 20 Jahren. Sie alle gehören zum festen Inventar des Clubs. Noch.

Der Ärger begann vor zwei Jahren, als das Haus, in dem der Club untergebracht ist, luxussaniert wurde. Es gab Lärmbeschwerden der Bewohner. Die Gesetzgebung in puncto Nichtraucher-Schutz verschärfte das Problem, weil die Besucher auf die Straße gehen mussten, um zu qualmen. Inzwischen hat der Club zwar einen Raucherraum, aber das wird ihm wohl nichts mehr nutzen. Der Vermieter hat sich festgelegt – er will den Pachtvertrag nicht verlängern.

Die Suche nach einem neuen Standort gestaltet sich schwierig: Rund 20 alternative Räumlichkeiten hat der Betreiber angeschaut. Was Passendes war nicht dabei.

„Die Kellerdiscos sterben langsam aus“, sagt Runge. „Die Hausbesitzer in München wollen keine Diskotheken und Live-Clubs mehr.“ In der Leopoldstraße würden sogar Räumlichkeiten leer stehen. „Aber selbst das ist den Vermietern immer noch lieber als ein Club.“

Für Runge liegen die Gründe auf der Hand. Einerseits würden die Kellerdiscos daran kranken, dass sich das Stadtviertel verändert habe. „Die Leute, die nach Schwabing gezogen sind, wollen alle hip wohnen. Aber Großstadt-Emissionen wollen sie nicht.“ Andererseits sei auch das Ausgeh-Verhalten der Nachtschwärmer anders geworden. Früher seien 150 Gäste an einem Montag da gewesen, erinnert sich Runge. „Wenn ich heute am Montag aufmache, sehe ich die Erdkrümmung auf der Tanzfläche, weil niemand da ist.“ Daran können offenbar auch günstige Preise nichts ändern – wie 2,20 Euro für ein Bier. Und drittens werde der wenige verbleibende Raum, der überhaupt zu mieten sei, immer teurer.

Das Club-Team hat trotzdem noch nicht aufgegeben. Die Suche läuft weiter. Damit das Titanic City irgendwo einen neuen, sicheren Ankerplatz findet. Julia Lenders

Titanic City, Nordendstraße 64, mittwochs ist „Gothic-Night“, donnerstags „Roots & Culture“, freitags „Rock Night“ und samstags „Metal Night“.

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