RKI-Warnung: FFP2-Masken gefährlich für Ältere?

Ab Montag muss beim Einkauf und im ÖPNV die Maske getragen werden. Doch es sind viele Fragen offen - auch zu Gesundheitsgefahren, vor der das RKI warnt.
| Leonie Meltzer Lisa Marie Albrecht
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Bald Pflicht in ÖPNV und Geschäften: FFP2-Masken (Symbolbild)
Bald Pflicht in ÖPNV und Geschäften: FFP2-Masken (Symbolbild) © Friso Gentsch/dpa

München - Die teils harsche Kritik zeigt offenbar Wirkung: Der Freistaat will nach der Verkündung einer FFP2-Maskenpflicht für den ÖPNV und beim Einkaufen (AZ berichtet) 2,5 Millionen FFP2-Schutzmasken für Bedürftige kostenlos zur Verfügung stellen. Das kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in München an. Damit will die Staatsregierung Härten abfedern, wenn die verschärfte Maskenpflicht ab Montag gilt. Details sollen folgen.

Darüber hinaus erklärte Söder, dass die FFP2-Maskenpflicht in Bussen, Bahnen und Geschäften erst für Jugendliche ab 15 Jahren gelten wird. Kinder bis einschließlich 14 Jahre bleiben ausgenommen.

Außerdem soll es Söder zufolge eine "Kulanzwoche" geben. In den ersten Tagen nach Inkrafttreten der verschärften Regel sollen noch keine Sanktionen und Bußgelder verhängt werden, sagte Söder.

FFP2-Maskenpflicht: Kritik wegen hoher Kosten

Die Staatsregierung reagierte mit der Ankündigung, FFP-2-Masken (FFP steht für "filtering face piece", es gibt drei Klassen, wobei FFP2-Masken laut EU-Klassifikation gegen "gesundheitsschädliche Stäube, Nebel und Rauche" schützen sollen) für Bedürftige zur Verfügung zu stellen, unter anderem auf Kritik von Sozialverbänden. So hatte die Vorsitzende des VdK Bayern, Ulrike Mascher, hochwertige Masken angesichts der hohen Fallzahlen zwar befürwortet. Jedoch forderte sie die Staatsregierung auf, "nicht nur Vorschriften zu erlassen, sondern auch schnelle und unbürokratische Lösungen für die Beschaffung solcher Masken für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen".

Die Masken würden in Apotheken im Einzelpreis bis zu sechs Euro kosten. "Diese Kosten können Menschen mit kleinen Renten, Grundsicherung oder niedrigen Einkommen nicht tragen", so Mascher. Der VdK verwies auf den unzureichenden Regelsatz für Menschen, die Grundsicherung im Alter oder Hartz IV beziehen: Hier sind monatlich nur 17,02 Euro für Gesundheitskosten vorgesehen. "Davon können sie sich im Moment vielleicht drei, vier Masken kaufen", so eine Sprecherin auf AZ-Anfrage.

Auch der Wohlfahrtsverband Awo in Bayern hatte eine kostenlose Abgabe an die Bevölkerung gefordert. "Wenn Fachleute FFP2-Masken nur zur Einmalnutzung zulassen und das Stück mindestens zwei Euro kostet, dann überfordert der Freistaat Bayern nicht nur Grundsicherungsempfänger und Menschen mit wenig Einkommen, sondern auch Familien und alle Arbeitnehmer, die täglich mit dem ÖPNV pendeln müssen, so der Landesvorsitzende des AWO Bayern, Thomas Beyer.

Der Opposition ging die Ankündigung der Regierung teils nicht weit genug. So brachte die SPD/Volt-Fraktion im Münchner Stadtrat einen Antrag ein, demzufolge alle sozial benachteiligten Münchner und Münchnerinnen einen kostenfreien Zugang zu FFP2-Masken erhalten sollen. Auch die Linke im Stadtrat hatte einen solchen Antrag eingebracht.

Gesundheitsgefahr FFP2-Maske?

Spannend ist neben der Finanzierung aber noch eine weitere drängende Frage: Wie sinnvoll - und sicher - ist das Tragen von FFP2-
Masken für Personen, die nicht im Gesundheitswesen arbeiten? Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt darauf eine Antwort, die äußerst stutzig macht. Es schreibt online in seinen Infektionsschutzmaßnahmen (Stand 6.1.): "In den ,Empfehlungen der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, d. Red.) und des ad-Hoc AK Covid-19 des ABAS (Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe, d. Red.) zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit Sars-CoV-2' werden FFP2-Masken nicht zur privaten Nutzung empfohlen."

Zudem warnt das RKI auch vor möglichen Gesundheitsrisiken für bestimmte Gruppen: "Beim Einsatz bei Personen mit z.B. eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen sind gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen", heißt es auf der Webseite des Instituts. Und weiter: "Die Anwendung durch Laien, insbesondere durch Personen, die einer vulnerablen Personengruppe angehören (z.B. Immunsupprimierte) sollte grundsätzlich nur nach sorgfältiger Abwägung von potentiellem Nutzen und unerwünschten Wirkungen erfolgen. Sie sollte möglichst ärztlich begleitet werden."

Schleppende Verteilung

Fraglich ist auch, wie gut die Verteilung der nun angekündigten 2,5 Millionen Schutzmasken vonstatten gehen kann. Erst am Dienstag klagte der Deutsche Apothekerverband (DAV), der Gutscheinversand für FFP2-Masken für Menschen über 60 und chronisch Erkrankte liefe nur schleppend an. Diese haben schon seit Längerem Anspruch auf kostenlose Masken dieser Art für den Winter. Ab 1. Januar sollten sie von der Krankenkasse Gutscheine für zweimal je sechs Masken mit einem Eigenanteil von jeweils zwei Euro bekommen.

FFP2-Maskenpflicht: Drohen Engpässe?

Befürchtet wird zudem, dass es nun zu einem Run auf die FFP2-Masken kommt. So berichtete etwa ein AZ-Leser, dass er bei einem großen Drogeriemarkt keine Masken dieser Art mehr erhalten habe - obwohl laut Online-Recherche im besuchten Markt noch 48 Packungen mit je fünf Stück verfügbar sein sollten. Die Begründung des Filialleiters: Man habe die Masken aus den Regalen genommen, da man sie für die Mitarbeiter brauche.

In den Onlineshops großer Drogerie-Ketten waren am Mittwoch viele Angebote für FFP2-Masken nicht lieferbar. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Drogeriemarkt-Kette dm, Christoph Werner, sagte, es sei aufgrund der "abrupt gestiegenen Nachfrage" in Bayern möglich, "dass an vielen Standorten und auch im Onlineshop dm.de FFP2 Masken temporär ausverkauft sind". Man habe aber "sofort reagiert, unsere Beschaffung an FFP2-Masken ausgeweitet und die logistischen Prozesse entsprechend angepasst".

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Auch in Apotheken und im Einzelhandel ist die Nachfrage in Bayern gestiegen. "Die Lagerbestände an FFP2-Masken sind gut", sagte aber ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands. Der Handelsverband Bayern berichtete gestern zwar ebenfalls von einer gestiegenen Nachfrage. Einen Ansturm gebe es aber nicht, sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann.

Für Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen jedenfalls werden beim derzeitigen Vorgehen der Landesregierung unschöne Erinnerungen wach. Der AZ sagt sie: "Die Preise für Masken gehen im Netz durch die Decke, Einkommensschwache fallen durchs Raster, Händler und ÖPNV sollen bis Montag

Kontrollen aus dem Boden stampfen - das Chaos um die FFP2-Maskenpflicht erinnert stark an Söders Testdebakel im Sommer: schnell verlautbart, kaum vorbereitet, Umsetzen sollen andere."

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