Riesenskandal: Rathaus-Eier sind nicht aus Bio-Haltung

Die Rathaus-Kantine am Marienplatz wirbt mit Bio, serviert aber Eier von eingesperrten Hühnern. Ein "Riesenskandal", findet die ÖDP-Fraktion.
| Irene Kleber
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Die Rathauskantine. (Archivbild)
AZ-Archiv Die Rathauskantine. (Archivbild)

München - Klingt gut, eigentlich: "2020 werden wir verpackungsfrei", steht gleich wirkungsvoll in Rot auf der Startseite der Rathaus-Kantine. Dann sieht man eine Reihe Bio-Zertifikate, Fotos von "Gemüse aus eigenem Anbau" und Hinweise auf " Bio und Regionale Produkte".

Und dann das: Als Rathausmitarbeiter der ÖDP-Fraktion dort am Dienstag mittagessen gehen und sich zum vegetarischen Reis-Gemüse-Gericht die dazu angeboten Spiegeleier frisch in der Pfanne braten lassen wollen, fällt ihr Blick auf die großen Eierschachteln, in denen die Eier noch unberührt liegen.

Ziffer 2 statt 0 auf den Rathaus-Eiern

Als Code ist vor dem Länderkennzeichen DE (Deutschland) die Ziffer 2 aufgedruckt. Keine Bio-Eier also von Hühnern, die munter im Freien gackern dürfen, im Staub scharren und viel Auslauf haben – deren Eier würden die Ziffer 0 tragen. Nicht einmal Freilandhühner (Ziffer 1) haben diese Eier gelegt.

Sie stammen vielmehr von Tieren aus sogenannter Bodenhaltung. Dort leben bis zu neun Legehennen eng zusammengepfercht auf einem Quadratmeter in einem geschlossenen Stall. Oft auf Gitterrosten und auf mehreren Etagen übereinander. Sie haben keine Rückzugsorte, dürfen nicht an die frische Luft.

"Krasser Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der Stadt"

"Bodenhaltung ist für Legehennen eine Qual", empört sich ÖDP-Stadtrat Johann Sauerer. Vor allem ärgern ihn die großen Aufsteller in der Kantine, die mit "Bio- und Naturland und schönen Image-Bildern" werben.

"Das ist nicht nur ein Fall von makabrem Werbeschwindel, sondern ein krasser Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der Stadt", so Sauerer weiter. Dass das Rathaus dies hinnehme, sei "ein Riesenskandal". Die Stadt hatte erst vor zwei Jahren dem früheren Pächter gekündigt, weil sie mit dessen Qualität nicht mehr zufrieden war – und an Kantinenpächter Jürgen Wiesenhofer übergeben.

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