Renommierter Münchner Kunsthändler pleite: Kostbarer Fundus wird versteigert

Der weltweit führende Kunsthändler Röbbig aus der feinen Brienner Straße musste Insolvenz anmelden. Nun werden Hunderte kostbare Objekte versteigert – darunter ein Meißner Porzellanservice, das wohl einst Friedrich der Große verschenkte.
Nina Job
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Passendes Geschirr für den Salon im Schloß gesucht? Sotheby's versteigert kostbares Porzellan der Münchner Kunsthandlung Röbbig.
Passendes Geschirr für den Salon im Schloß gesucht? Sotheby's versteigert kostbares Porzellan der Münchner Kunsthandlung Röbbig. © Sotheby's

Bei ihm gaben Porzellansammler aus aller Welt kleine und größere Vermögen aus. Auch Prinz Amyn Aga Khan, der Bruder des legendären Karim Aga Khan IV. – Religionsführer der Ismailiten, Milliardär, Wohltäter und Lebemann – vertraute auf die Expertise des Münchner Händlers: Alfredo Reyes (75) führte die renommierte Kunsthandlung Röbbig. Wer ihn und seine Mitarbeiterinnen in der noblen Galerie aufsuchte, tauchte ein in vergangene, glanzvolle Jahrhunderte.

Mobiliar und Gemälde aus dem 18. Jahrhundert kommen ebenfalls unter den Hammer.
Mobiliar und Gemälde aus dem 18. Jahrhundert kommen ebenfalls unter den Hammer. © Sotheby's

Reyes empfing seine Kunden seit 2019 in einem neobarocken Palais von Gabriel von Seidl in der Brienner Straße 25. Die Verkaufsräume hatte er von dem Mailänder Innenarchitekten und Opern-Bühnenbildner Massimo Pizzi Gasparon Contarini opulent umgestalten lassen. In einer Bel Etage präsentierte er Porzellanobjekte aus dem 18. Jahrhundert, vorwiegend von der Manufaktur Meissen. Perfektioniert wurde das Verkaufsambiente für das „weiße Gold“ noch mit Gemälden und Möbeln aus dem 18. Jahrhundert.

Im Juni 2025 musste der Kunsthändler Insolvenz anmelden

Doch im Juni vergangenen Jahres war es für Reyes aus mit dem Handel von prunkvollen Objekten. Die Kunsthandlung musste Insolvenz anmelden. Nach und nach meldeten 39 Gläubiger Forderungen in Höhe von insgesamt 17 Millionen Euro an. 2,8 Millionen Euro wurden bislang vom Insolvenzverwalter anerkannt.

Auch diese Rokoko-Uhr sucht einen neuen Besitzer.
Auch diese Rokoko-Uhr sucht einen neuen Besitzer. © Sotheby's

Ein dreiviertel Jahr, nachdem die Kunsthandlung zahlungsunfähig geworden war, ist nun klar, wie es weitergeht: Der Münchner Insolvenzverwalter Dino Straub (Kanzlei Jaffé) teilte mit, dass die Röbbig-Kunstobjekte am 24. Juni und am 17. September bei Auktionen in Paris und Köln von Sotheby’s versteigert werden. Mehr als 700 Objekte kommen unter den Hammer. Sie waren in acht Wohn- und Lagerstätten in Deutschland, Österreich und Frankreich gefunden worden.

Meißner Porzellan, Gemälde und Möbel werden versteigert

Überwiegend handele es sich dabei um Porzellan der Manufaktur Meissen, der königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin sowie um hochwertige Kunst- und Einrichtungsgegenstände (Bilder, Stühle, Leuchter, Kommoden) des 17. und 18. Jahrhunderts“, teilte Insolvenzverwalter Straub mit.
Die Highlights der Sammlung für die Auktion im Herbst werden vom 10. bis 16. März bei Sotheby’s in Köln ausgestellt.

Wie eine Szene aus dem 18. Jahrhundert: Jahrhundertealte Kostbarkeiten werden meistbietend verkauft.
Wie eine Szene aus dem 18. Jahrhundert: Jahrhundertealte Kostbarkeiten werden meistbietend verkauft. © Sotheby's

Laut Sotheby’s gehören zu den Highlights frühe Meissener Porzellane, darunter Teegeschirr, das in der Funcke-Werkstatt in Dresden verziert wurde, Stücke im Kakiemon-Stil und Chinoiserie sowie fein modellierte Vogel- und Tierskulpturen – insbesondere ein seltenes Paar Sperber (Schätzpreis 15.000 bis 25.000 Euro). Die Auktion umfasse zudem einen bedeutenden Teil des um 1760 für Graf Karl Wilhelm Finck von Finckenstein gefertigten Meissener Services, das vermutlich ein Geschenk Friedrichs des Großen war (Schätzpreis 30.000 bis 50.000 Euro).

Ein Service wurde für Kurfürst Maximilian III. von Bayern gefertigt

Auch 16 Stücke aus dem berühmten Hof-Service, das in Nymphenburg für Kurfürst Maximilian III. von Bayern hergestellt wurde, wird versteigert sowie ein seltenes Paar Du Paquier-Vasen mit Deckeln aus der Zeit um 1740 (Schätzpreis 40.000 bis 60.000 Euro) und ein seltenes Set von vier Ludwigsburger Figuren von Musikern aus der Serie „Große Musiksoli“ (um 1765-70), modelliert von Johann Christian Friedrich Wilhelm Beyer (Schätzpreis 10.000 bis 15.000 Euro).

Die Münchner Kunsthandlung Röbbig gab es seit 1976. Zuerst war sie in der Prannerstraße ansässig, 2004 zog sie in die Brienner Straße um. Als der Gründer Gerhard Röbbig 2012 überraschend starb, übernahm Alfredo Reyes die Geschäfte. 2019 folgte der Umzug in die Brienner Straße 25.

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