Rampe kaputt: Rollstuhlfahrerin steckt stundenlang fest

Eine Rollstuhlfahrerin muss stundenlang auf einer defekten Busrampe ausharren. Ihre Familie ist empört.
Sophie Anfang |
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Veronika Maier mit ihrer Betreuerin Christiane Omamikova. Die Busrampe klemmt, der Rollstuhl lässt sich nicht bewegen.
Petra Schramek Veronika Maier mit ihrer Betreuerin Christiane Omamikova. Die Busrampe klemmt, der Rollstuhl lässt sich nicht bewegen.

München - Von München nach Haag in Oberbayern braucht man mit dem Bus 9410 normalerweise eine knappe Stunde. Veronika Maier (21) brauchte fünf. Allein vier davon steckte die Rollstuhlfahrerin auf einer defekten Busrampe fest – und musste sich von einem Mitarbeiter des Regionalverkehr Oberbayern (RVO) auch noch anhören, sie sei selbst daran schuld.

Maier promoviert in München in Vergleichenden Literaturwissenschaften. Ihre Familie wohnt in Haag, wenn Maier sie besuchen will, muss sie den Bus 9410 nehmen. Eigentlich keine große Sache, wenn ihr Elektrorollstuhl nicht wäre, auf den die junge Frau seit ihrer Geburt angewiesen ist.

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Die Busse der RVO sind Überlandbusse und höher als die Fahrzeuge, die man sonst im Stadtbild sieht. Neigetechnik und eine Klapprampe gibt es nicht. Es braucht eine spezielle Hebebühne, die nur ein paar der RVO-Busse besitzen.

Eben eine solche Hebebühne brachte Veronika Maiers Reisepläne vergangene Woche völlig durcheinander. Um 13.30 Uhr wollte sie am Ostbahnhof in den Bus steigen, ihre Mutter hatte Geburtstag, das sollte gefeiert werden.

Maier hatte die Fahrt angemeldet, das muss sie jedes Mal im Voraus tun, damit die RVO einen Bus mit Hebebühne für sie einplant. Spontan Bus fahren macht das schwierig – zumal das Anmelden nicht immer klappt. Mindestens dreimal sei die 21-Jährige an der Haltestelle gestanden und habe den Bus nicht nehmen können, berichtet die Familie. Trotz ihrer Voranmeldung hätten die Busse keine Hebebühne gehabt.

Vergangenen Donnerstag war der richtige Bus zumindest schon einmal da. Genutzt hat das Maier jedoch wenig: Sie fuhr auf die Hebebühne, die Sicherungen wurden aktiviert, damit Maiers Rollstuhl sicher nach oben bewegt werden kann, doch dann ging nichts mehr. Die Rampe ließ sich nicht mehr einfahren.

Der Busfahrer telefonierte mit dem Bushersteller, die probierten es mit Ferndiagnose. Das half aber nichts. Die Bühne bewegte sich jetzt nach oben, blieb aber auf dem halben Weg stecken. Veronika Maier schwebte in der Luft.

„Der Mitarbeiter hat sicherlich nicht richtig gehandelt“

Von Haag aus versuchte ihr Vater, Siegfried Maier, mit der RVO in Kontakt zu kommen. Das fruchtete erst nicht. Maier ärgert das, er hat seinen Frust in einem Schreiben an die RVO formuliert, das der AZ vorliegt.

Schließlich wurde doch technische Unterstützung angefordert. Ein Mitarbeiter des Busherstellers kam aus Neufahrn, konnte Veronika Maier um 16.20 Uhr befreien.

In Haag war sie trotzdem noch nicht. Der nachfolgende Bus hatte keine Rampe, deshalb rief Maier erneut bei der RVO an. Der dortige Mitarbeiter bewies wenig Taktgefühl: Er sagte Maier, sie solle doch auf den nächsten Bus warten, der habe eine Rampe. Außerdem habe sie wahrscheinlich das zulässige Gesamtgewicht überschritten und sei so selbst schuld an der Situation.

Das ist nicht der Fall. Auf AZ-Anfrage bestätigt das die zuständige Deutsche Bahn. „Der Mitarbeiter hat sicherlich nicht richtig gehandelt“, sagt Sprecher Bernd Honerkamp. Die Reparatur an sich sei nicht gut gelaufen, gibt er zu: „Da bitten wir um Entschuldigung.“ Der Bus werde jetzt vom Hersteller überprüft. Dass vorab bestellte Busse mit Rampe ausfallen, soll künftig ebenfalls nicht mehr vorkommen. Diese „Schwachstellen im System“ sollen verschwinden, so Honerkamp.

Veronika Maier fuhr schließlich mit dem Bus um 17.30 Uhr. Der Familiennachmittag war da gelaufen. Bei ihr entschuldigt hat sich an diesem Tag niemand.

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