RAF-Terror in Bayern: Anschlag mit Bombe auf das LKA in München.

Heute vor 45 Jahren explodierte auf dem Parkplatz des Landeskriminalamtes eine Bombe.
| Nina Job
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Ausgebrannt: Insgesamt 588.000 Mark Schaden richtet die Bombe an.
LKA 3 Ausgebrannt: Insgesamt 588.000 Mark Schaden richtet die Bombe an.
Nur noch ein Blechklumpen: Ein VW inmitten anderer zerstörter Pkw.
LKA 3 Nur noch ein Blechklumpen: Ein VW inmitten anderer zerstörter Pkw.
LKA-Mitarbeiter schauen fassungslos durch die zerborstenen Scheiben.
LKA 3 LKA-Mitarbeiter schauen fassungslos durch die zerborstenen Scheiben.

Es ist 14.12 Uhr, als eine Frau, die ihren Namen nicht nennt, in der Landesbesoldungsstelle in München anruft. Die Behörde ist damals in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landeskriminalamt in der Maillinger Straße. "Los, verschwindet, räumt das Haus!", sagt die anonyme Anruferin. "Gleich geht das Landeskriminalamt in die Luft!"

Das Landeskriminalamt wird sofort über den Bombenalarm informiert. Als die Beamten nur wenige Minuten später hinaus auf den Parkplatz flüchten, um sich vermeintlich in Sicherheit zu bringen, geht genau dort eine Bombe hoch.

Es ist ein feiger, hinterhältiger Terror-Anschlag der Roten Armee Fraktion (RAF). Die Bombe wird in einem hellblauen Ford 17m ferngezündet, der kurz zuvor auf dem damals frei zugänglichen Parkplatz abgestellt worden war.

Am Freitag jährt sich der Anschlag, bei dem Dutzende Polizisten mit dem Schrecken davonkamen, zum 45. Mal. Mehrere Menschen werden verletzt – aber alle nur leicht.

 

AZ: "Ein Wunder, daß wir alle noch leben!"

"Ein Wunder, daß wir alle noch leben!", titelte die Abendzeitung damals. Sie zitierte damit den damaligen Chef des Landeskriminalamtes Eduard Kraus. Der LKA-Chef wollte gerade sein Büro verlassen, um sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen, als eine gewaltige Detonation die Scheiben des Gebäudes zum Bersten bringt. Glühende Wrackteile von Autos fliegen bis zu 60 Meter durch die Luft, Eisensplitter und Glasscherben schlagen Löcher ins Mauerwerk. Die Wucht der Explosion zerstört Dächer und drückt noch in 200 Meter Entfernung Schaufensterscheiben ein.

"Wenn ich in meinem Auto gesessen hätte, wäre ich jetzt tot. Mein Wagen ist von Bombensplittern völlig zerfetzt worden", sagt der LKA-Beamte Anton B. damals geschockt zum AZ-Reporter. Sein Auto parkte direkt neben dem Wagen mit dem Sprengstoff.

Der Schaden wird später auf 588.000 Mark beziffert. 60 Autos, die vorwiegend Polizisten gehört hatten, wurden dabei zerstört.

Die Ermittlungen ergaben später, dass der Anschlagswagen zwei Wochen zuvor in Ulm gestohlen worden war. Nach Zeugenaussagen hatten zwei Männer den Ford abgestellt und waren dann zu einer Frau ins Auto gestiegen – vermutlich Gudrun Ensslin.

Später bestätigte sich, dass die Täter dieselben waren, die auch den Anschlag auf die Polizei in Augsburg und auf das V. US-Korps in Frankfurt verübt hatten: Die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe.

RAF-Terror: Tödliche Spur durch Bayern

12. Mai 1972: Um 12.15 und 12.18 Uhr explodieren Bomben in der Polizeidirektion Augsburg. Sieben Menschen werden verletzt. Um 14.15 Uhr geht eine Autobombe vor dem LKA hoch. Für die Taten werden die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe verurteilt. Sie begehen Selbstmord.

17. April 1979: RAF-Terroristen überfallen in Nürnberg eine Bank, erbeuten 200.000 Mark.

1. Februar 1985: Der MTU-Vorsitzende Ernst Zimmermann (55) wird in seinem Haus in Gauting erschossen. Zu der Tat bekennt sich das Kommando "Patsy O’Hara".

8. Juli 1986: Eine ferngezündete Bombe sprengt das Auto des Physikers Karl Heinz Beckurts in Straßlach in die Luft. Er und sein Chauffeur sterben.

Lesen Sie auch: Ali Mitgutsch, Leonhard Michael Seidl - Münchner Zeitzeugen: Die Jagd nach Erinnerungen

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