Radler wollen mehr Platz - Politik zögert

Es gibt viele Stellen, an denen Fahrräder mehr Platz bekommen sollen. Die „Radlhauptstadt München“ kann beim Strampel-Boom nicht mithalten
| Rudolf Huber
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Radfahrer sollen in der Stadt mehr Platz bekommen.
BN (Costa, Bruchmann, Maehse, Hänsel, Eisenack, Gloeckner) Radfahrer sollen in der Stadt mehr Platz bekommen.

Altstadt, Rosenheimer Straße, Lindwurm: Es gibt viele Stellen, an denen Fahrräder mehr Platz bekommen sollen. Die „Radlhauptstadt München“ kann beim Strampel-Boom nicht mithalten

München - Tag für Tag steigen mehr Münchner aufs Rad – die Saison für Pedaltreter hat definitiv begonnen. Im Prinzip eine prima Sache. Radeln ist gesund, schont die Umwelt. Doch die „Radlhauptstadt München“ kann beim Strampel-Boom in Sachen Infrastruktur nicht mithalten. Das führt zu einer Häufung von Unfällen und zu Konflikten zwischen Autofahrern und Radlern. Es hat sich zweifellos viel getan in den letzten Jahren.

So hat zum Beispiel das Kreisverwaltungsreferat (KVR) inzwischen 280 der rund 700 Münchner Einbahnstraßen in der Gegenrichtung für Fahrräder geöffnet. Allein im letzten Jahr, so KVR-Sprecherin Daniela Schlegel, kamen 45 dazu – und die Operation geht weiter. Zuwachs ist auch bei den inzwischen 18 Fahrradstraßen in Sicht, als nächste ist die Holledauer Straße dran. Auch das heikle Thema Radwege-Benutzungspflicht ist im Referat sehr akut.

Auf Initiative des Radl-Clubs ADFC wurde der Zwang zur Radweg-Nutzung letztes Jahr in 27 Fällen aufgehoben, die KVR-Mitarbeiter arbeiten sich Viertel für Viertel vor. Ein richtiger Ansatz, findet der ADFC. Aber noch lange nicht genug. Denn noch immer ist etwa die Frage der zügigen Altstadt-Durchquerung nicht endgültig geklärt. Eine mögliche Variante ist die Sparkassenstraße. „Aber die ist schon jetzt für zwei Autos zu eng“, so ADFC-Sprecherin Traudl Schröder.

Wie sollen da auch noch schnelle Radler Platz finden? Schröder: „Als Bypass ist das nicht optimal.“ Wie Kaugummi zieht sich auch die Lösung für zwei richtig dicke Radl-Probleme in der Stadt. Gemeint ist die künftige Verkehrsführung in der Lindwurmstraße und der Rosenheimer Straße. „Hier gibt’s akuten Handlungsbedarf“, so Traudl Schröder. Und dabei gehe es um Grundsätzliches: „Hier wird sich zeigen, wie ernst der Radverkehr in München genommen wird.“

Mehr Platz für Radler zu Lasten der Autofahrer – eine politisch brisante Abwägung angesichts der 2014 anstehenden Kommunalwahlen. „Radl-Bürgermeister“ Hep Monatzeder sieht die Situation so: „Für die Rosenheimer Straße und die Lindwurmstraße werden derzeit Lösungsansätze für den Radverkehr erarbeitet, die garantieren, dass die Funktionsfähigkeit dieser Straßen als Hauptverkehrsstraßen erhalten bleiben.

Die Ergebnisse sollen dem Stadtrat noch in diesem Jahr zur Entscheidung vorgelegt werden.“ Der Knackpunkt ist dem Grünen-Politiker klar: „Ein Ausbau und eine Verbesserung des Radverkehrs kann nicht immer gewährleistet werden, ohne dem Kfz-Verkehr entsprechend Raum zu nehmen.“ Monatzeders Parteifreundin Sabine Nallinger mutmaßte deshalb kürzlich, vor den Wahlen werde sich aus Furcht vor der Strafe der Autofahrer wohl nichts Entscheidendes mehr tun. Dass der Anteil des Radverkehrs weiter zunehmen wird, ist klar. Das macht es nicht einfacher. Die ADFC-Sprecherin warnt bereits: „Die vorhandene Infrastruktur packt das nicht mehr. Es muss eine Umverteilung geben – dazu gibt es keine Alternative.“

 

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