Radfahren in München: Was die Stadt von Europas Vorbildern lernen kann
AZ: Herr Perowanowitsch, Radlhauptstadt nennt sich München gerne. Doch wie gut ist das Netz wirklich?
INGWAR PEROWANOWITSCH: München hat eine solide Rad-Infrastruktur. Das heißt, es existieren Radwege, aber längst nicht überall und längst nicht überall in einer guten Qualität.
Von welchen Städten sollte sich München etwas abschauen?
Utrecht hat eine perfekte Radinfrastuktur. Dort ist das Fahrrad für die Menschen das wichtigste Verkehrsmittel. Aber wahrscheinlich ist es schwierig, Utrecht mit München zu vergleichen. Da eignet sich Paris besser. Dort wurde in den vergangenen zehn Jahren sehr schnell Raum umverteilt. So sind 700 Kilometer neue Radwege entstanden. Zum großen Teil wurden sie auf Parkplätzen und Fahrspuren abmarkiert. Dieses Potenzial gibt es in München auch. Denn auch hier sind die Straßen breit.
In München gibt es um jeden Parkplatz, der wegsoll, Krach. Wie lösen andere Städte das?
In Utrecht gibt es Parkhäuser am Stadtrand. Für Anwohner ist das Parken dort wesentlich günstiger als der Parkausweis für den Straßenrand. Der positive Effekt ist nicht nur, dass dann auf den Straßen Platz frei wird. Sondern auch, dass es sich die Menschen, wenn sie zum Beispiel nur schnell zum Bäcker müssen, zweimal überlegen, ob sie dafür wirklich ins Auto steigen. Grundsätzlich müssen Politiker aber Widerstände aushalten und immer wieder erklären, dass sie die Parkplätze ja nicht ohne Zweck streichen.
Weniger Fahrspuren führen zu Stau, fürchten viele.
In Amsterdam gibt es kaum Stau. Eine gute Radinfrastruktur führt auch dazu, dass die Menschen weniger Auto fahren. Eine Studie in Paris hat gezeigt, dass die Rettungswagen sogar schneller ans Ziel kommen. Das liegt auch daran, dass sie auf den breiten Radwegen an den Autos vorbeifahren dürfen.
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