Radentscheid kritisiert: "Das ist keine Verkehrswende"

Auto-zentriert, ungerecht, gegen den Stadtrats-Willen und trotzdem teuer - das Bündnis Radentscheid kritisiert die Umsetzung des Bürgerbegehrens. "Kann nicht alles sein".
| Myriam Siegert
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28 Meter breit ist das Transparent. So wie die Ludwigstraße. Nur vier Meter davon sollen die Radfahrer bekommen.
28 Meter breit ist das Transparent. So wie die Ludwigstraße. Nur vier Meter davon sollen die Radfahrer bekommen. © Daniel von Loeper

München - Wir brauchen Platz!" rufen die ehrenamtlichen Helfer, die am Freitagmittag ein riesiges Transparent quer über die Ludwigstraße spannen. Darauf markiert ist der Platz, der hier nach dem Umbau für den Radschnellweg in den Norden jeweils Autos, Radlern und Fußgängern zuteil wird. Und genau das ist der Grund der Aktion: zwei Meter für den Radweg je Seite - das langt nicht.

"Wir haben einen Stadtratsbeschluss und wollen das auch auf der Straße sehen", fasst Radentscheid-Sprecherin Katharina Horn vom Verein Green City zusammen.

"Das ist keine Verkehrswende, sondern ein Erhalt des Status quo"

Die Pläne der Stadt für die Ludwigstraße betrachtet das Bündnis als völlig unzureichend. Würden sie umgesetzt, wäre dies nicht nur ungerecht, sondern vor allem noch immer Auto-zentriert, so die Kritik.

Radler müssten sich auf der zentralen und eigentlich geräumigen Strecke "mit handtuchbreiten Radwegen begnügen", während nebenan auf sechs Spuren "weiterhin der Verkehr vorbeirauscht", heißt es. Solange dem Autoverkehr mehr oder gleiche Rechte eingeräumt würden, "ist das keine Verkehrswende, sondern ein Erhalt des Status quo", kritisiert Andreas Schön vom ADFC, ebenfalls Sprecher des Radentscheids.

Im Juli 2019 hat der Stadtrat die Bürgerbegehren zum Radentscheid und Altstadt-Radlring vollumfänglich beschlossen. Seitdem wird an der Umsetzung gearbeitet. Immer wieder wird kritisiert, die Maßnahmen gingen zu zögerlich voran oder seien nicht ausreichend.

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Wo die Radl-Aktivisten ihr Banner spannen, soll der Radschnellweg in den Norden beginnen. Schon jetzt ist auf dem vorhandenen schmalen Radweg viel los, ein Radler reiht sich hinter den anderen. Noch während die Kundgebung andauert, gibt es einen kleinen Konflikt zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger, wie zum Beweis, dass es hier mehr Platz für alle außer Autos braucht.

Tatsächlich sähen die bundesweit gültigen Qualitätsstandards für Radschnellwege mindestens drei Meter breite Radwege vor, die vorgesehenen zwei Meter würden "nicht einmal die sichere Fahrt eines Kindes neben seinen Eltern auf dem Lastenrad" zulassen, argumentiert das Bündnis. Aufstellflächen seien zu klein, Abbiegelösungen fehlten. Konflikte und Unfälle an der stark befahrenen Kreuzung seien programmiert.

 "Das ist teurer Murks"

An der Von-der-Tann-Straße, die gleich hier kreuzt, sehe der geplanten Altstadt-Radlring sichere Radwege mit 2,80 Metern Breite vor. Die Pläne der Verwaltung aber nur 1,60 Meter. "Das ist teurer Murks", sagt Katharina Horn.

Die Lösung? "Mindestens eine weitere Fahrspur muss weg", so Andreas Schön. Er findet deutliche Worte in Richtung Baureferat. Vorschläge des Bündnisses würden ignoriert, das Bürgerbegehren trotz Stadtratsbeschluss offenbar nicht ernstgenommen. Man habe der Verwaltung monatelang Vorschläge gemacht, wie sich die Stelle fußgänger- und fahrrad- und ÖPNV-freundlich gestalten lasse, "allerdings nur absurde Ausflüchte erhalten". Dass die Verwaltung ihre Pläne nun noch einmal überdenken will, begrüßt er, bleibt aber skeptisch - auch mit Blick auf die Umplanungen weiterer Kreuzungen. Für die Ludwigstraße sind mindestens 25 000 Radler täglich prognostiziert. Katharina Horn sagt: "Hier wird am künftigen Bedarf vorbeigeplant."

 

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