Psychogramm: So tickt der mutmaßliche Sendling-Mörder

Von den Menschen, die ihn kennen, wird der mutmaßliche Mörder Marco F. (19) als seltsam, verhaltensauffällig und als „Opfertyp“ beschrieben – dabei sah er sich selbst offenbar ganz anders.
| Nina Job
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Gegenüber einem Freund prahlte Marco F., dass er sich ein Samuraischwert besorgen wolle, um jemanden zu „überfallen“. Auf seine Facebook-Seite stellte er dieses Foto. Marco F. mit der Frisur eines seiner Comic-Idole. Die Kämpferin verwandelt ihre Haare in Stacheln, um diese in ihre Gegner zu rammen.
privat/Polizei 9 Gegenüber einem Freund prahlte Marco F., dass er sich ein Samuraischwert besorgen wolle, um jemanden zu „überfallen“. Auf seine Facebook-Seite stellte er dieses Foto. Marco F. mit der Frisur eines seiner Comic-Idole. Die Kämpferin verwandelt ihre Haare in Stacheln, um diese in ihre Gegner zu rammen.
Gegenüber einem Freund prahlte Marco F., dass er sich ein Samuraischwert besorgen wolle, um jemanden zu „überfallen“. Auf seine Facebook-Seite stellte er dieses Foto.
privat 9 Gegenüber einem Freund prahlte Marco F., dass er sich ein Samuraischwert besorgen wolle, um jemanden zu „überfallen“. Auf seine Facebook-Seite stellte er dieses Foto.
Hinter dieser Türe fassten Zivilpolizisten den mutmaßlichen Mörder von Katrin Michalk.
Daniel von Loeper 9 Hinter dieser Türe fassten Zivilpolizisten den mutmaßlichen Mörder von Katrin Michalk.
Das Profil des mutmaßlichen Mörders von Katrin Michalk beim Computer-Rollenspiel "Final Fantasy": Stark, geschickt und intelligent - so wäre der 19-Jährige wohl auch im richtigen Leben gerne gewesen.
az/ Polizei 9 Das Profil des mutmaßlichen Mörders von Katrin Michalk beim Computer-Rollenspiel "Final Fantasy": Stark, geschickt und intelligent - so wäre der 19-Jährige wohl auch im richtigen Leben gerne gewesen.
Der Heimweg wurde ihr zum Verhängnis: Auf dem Weg von der U-Bahn-Station Aidenbachstraße in die Halskestraße passierte Katrin Michalk am Abend des 4. Januars die Wohnung ihres mutmaßlich künftigen Mörders in der Boschetsriederstraße.
Google Maps 9 Der Heimweg wurde ihr zum Verhängnis: Auf dem Weg von der U-Bahn-Station Aidenbachstraße in die Halskestraße passierte Katrin Michalk am Abend des 4. Januars die Wohnung ihres mutmaßlich künftigen Mörders in der Boschetsriederstraße.
Abschied von Katrin Michalk. Auf einem kleinen Friedhof in Sachsen ist das Mordopfer von München am letzten Samstag (19.01.2013) beigesetzt worden.
Bruno Satelmajer 9 Abschied von Katrin Michalk. Auf einem kleinen Friedhof in Sachsen ist das Mordopfer von München am letzten Samstag (19.01.2013) beigesetzt worden.
Abschied von Katrin Michalk. Auf einem kleinen Friedhof in Sachsen ist das Mordopfer von München am Samstag beigesetzt worden.
Bruno Satelmajer 9 Abschied von Katrin Michalk. Auf einem kleinen Friedhof in Sachsen ist das Mordopfer von München am Samstag beigesetzt worden.
Das Haus in der Halskestraße von außen. Katrin Michalk wurde im Treppenhaus vor den Hausbriefkästen erstochen.
Daniel von Loeper 9 Das Haus in der Halskestraße von außen. Katrin Michalk wurde im Treppenhaus vor den Hausbriefkästen erstochen.
Spurensicherung am Tatort in Obersendling – und Katrin Michalk auf dem Foto rechts. Mit diesem Bild einer Überwachungskamera sucht die Polizei nach Zeugen.
Daniel von Loeper, Polizei 9 Spurensicherung am Tatort in Obersendling – und Katrin Michalk auf dem Foto rechts. Mit diesem Bild einer Überwachungskamera sucht die Polizei nach Zeugen.

Von den Menschen, die ihn kennen, wird der mutmaßliche Mörder Marco F. (19) als seltsam, verhaltensauffällig und als „Opfertyp“ beschrieben – dabei sah er sich selbst offenbar ganz anders.

München - Er schottete sich nach außen ab, lebte in einer wirren Welt voller großäugiger Comicfiguren, Gewalt- und Machtphantasien.

Marco F. (19) wohnte mit seiner Mutter, seinen beiden älteren Schwestern und zwei Hunden in einer Vier-Zimmer-Wohnung nur 300 Meter von Katrin Michalk entfernt. Die 31-Jährige lief an der Wohnung auf dem Weg von und zur U-Bahn an dem Haus oft vorbei – ohne dass sich die beiden kannten.

Mutmaßlicher Sendling-Mörder: Ist er zu krank für den Knast?

Marcos Mutter ist seit Jahren alleinerziehend, die Eltern leben getrennt. Der Vater betreibt ein Lokal in Sendling.

Schon als Baby bereitete der Sohn seinen Eltern Sorgen und Probleme. Der Kleine litt unter Neurodermitis, kratzte sich überall blutig. „Die Mutter hat sich immer sehr gekümmert“, sagt Nachbarin Traudl B. Die 61-Jährige lebt seit Jahren mit der Familie auf einer Etage. Die Mutter habe immer viel gearbeitet, um die große Wohnung halten zu können.

Die Nachbarn beschreiben die Frau als freundlich und unauffällig. „Wenn die Hunde im Treppenhaus Schmutz machten, wischte sie immer sofort hinterher“, sagt einer.

Im PC-Spiel ist er ein Schwertkämpfer

Ihr Jüngster galt im Haus als merkwürdig. Aber einen Mord hätte ihm niemand zugetraut. „Ich hätte nie gedacht, dass Marco zu so etwas fähig sein könnte. Für mich war er ein Opfertyp, einer, der nicht rechts und links schaute. Als Kind wurde er von den anderen verprügelt“, sagt Traudl B.

Lesen Sie hier: Die Chronologie des Mordfalles Michalk

Marco B. war extrem in sich gekehrt und verhaltensauffällig. Wenn er im Treppenhaus gegrüßt wurde, habe er nach unten geblickt und „nie ein Wort gesprochen“, berichtet ein junger Mieter. Helga R. (72) aus dem Nachbarhaus: „Meines Wissens war er krank. Ich glaube, er litt unter Autismus. Er ging auch auf eine Förderschule.“

Vor einigen Jahren wurde Marco F. bei einem Ladendiebstahl erwischt, sonst fiel er jahrelang nicht auf – bis November 2012. Da bekam die Polizei einen Hinweis, dass der damals 18-Jährige vor einem Freund damit geprahlt hatte, dass er sich eine Pistole und ein Schwert besorgen wolle, um jemanden „zu überfallen“.

Um eine gezielte Person ging es Marco F. dabei offenbar nicht.

Lesen Sie hier: Katrin Michalks letzte Worte

Sensibilisiert durch die Amokläufe in der jüngeren Vergangenheit ging die Polizei dem Hinweis nach. Der 18-Jährige und seine Mutter bekamen Besuch von der Polizei. Marco F. bekam eine so genannte Gefährderansprache. Auch zu den Beamten äußerte er Gewaltphantasien.

Die Polizei schaltete daraufhin das Jugend- und Gesundheitsamt ein. „Aber die Familie hat Hilfsangebote abgelehnt“, sagte Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, am Freitag.
Kurz nach der Gefährderansprache kam es nach AZ-Informationen in der Gegend zu einer Häufung von zerstochenen Reifen in der Tiefgarage, auch ein Auto wurde angezündet. Die Polizei wird nun prüfen, ob es einen Zusammenhang gibt.

Marco F. lebte offenbar in einer wirren Welt. Auf seinem (mittlerweile gesperrten) Facebook-Profil stellte sich der Sonderschüler als Selbstständiger dar, der an der Uni Köln und der TU München studiert hatte. In seine virtuellen Fotoalben stellte er Samuraischwerter, kämpfende Comicfiguren, unscharfe Fotos seiner Hunde und großäugige Manga-Figuren – zeitweise trug er selbst eine Frisur wie eines seiner Idole.

Am 4. Januar steigerten sich seine kranken Phantasien so sehr, dass er loszog, um zu töten. Irgendjemanden.

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