Prozess wegen versuchten Mords: Junge Frau schlägt mit Hammer auf schlafende Schwester ein

Sie antwortet auf Fragen mit leiser Stimme, hält den Kopf meist gesenkt, hebt ihn nur ab und zu und blickt auf die wenigen Zuschauer, die zum Prozessbeginn in den Saal B 277 des Strafjustizzentrums gekommen sind.
Die 20-Jährige macht generell einen schüchternen, eher harmlosen Eindruck. Doch das könnte täuschen. Petra K. (Name geändert) wird versuchter Mord vorgeworfen. Die junge Frau sitzt auf der Anklagebank, weil sie mit einem Hammer auf ihre ältere Schwester (22) eingeschlagen haben soll.
Die Vorgeschichte
Die Tat hat eine Vorgeschichte. Petra K. lebte mit Schwester und Mutter in einem Kirchheimer Reihenhaus. Sie war laut Anklage verschlossen, in sich gekehrt, mit nur wenigen sozialen Kontakten. Und fühlte sich durch den Vergleich mit der Schwester unter Druck gesetzt und zunehmend ungerecht behandelt. Über die Jahre nahmen die Probleme im Zusammenleben zu.
Petra K. entwickelte dann mit 15 Jahren psychische Auffälligkeiten, so die Ermittler. Auffälligkeiten, die zu einer schizotypen Störung geführt haben sollen. Sie glaubte, an diversen Erkrankungen zu leiden und von fremden Männern verfolgt zu werden. Die Symptome nahmen im Januar 2025 zu, als sie einen Praktikumsplatz verlor. Spätestens im Februar 2025 fasste sie laut Anklage einen „Tag der Abrechnung“ ins Auge, weil sie sich ungerecht behandelt fühlte. Vater und Schwester hätten sie psychisch krank gemacht.
Tag X kam am 14. April 2025. Die Mutter war im Urlaub. Als ihre Schwester schlief, packte sich Petra K. laut Anklage einen vier Kilo schweren Hammer und schlug damit gegen den Kopf der Schwester. Die wachte auf, wurde von einem weiteren Hammerschlag am Hinterkopf getroffen. Zwei weiteren Schlägen gegen den Kopf konnte das Opfer ausweichen, sie trafen sie lediglich an Arm und Hüfte.
Während der Schläge soll Petra K. gesagt haben: „Jetzt schaffe ich es, jetzt bringe ich dich um.“ Dann lässt sie von ihrem Opfer ab und flüchtet. Die stark blutende Schwester kann selber einen Notruf absetzen.
Verspäteter Beginn
Der Prozess beginnt am Dienstag mit großer Verspätung. Schuld ist der streikbedingte Stau auf den Straßen. Dafür endet die Verhandlung für einige früher als gedacht. Verteidigerin Birgit Schwerdt beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen, um ihre Mandantin zu schützen.
Die Prozessbeteiligten sind damit einverstanden und so bleiben die Zuschauer nach Verlesung der Anklage draußen. Erst wenn die Strafkammer ihr Urteil bekannt gibt, dürfen Zuschauer und Presse wieder mit dabei sein.