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Prozess um schockierenden Vergewaltigungsfall in München: Der Beschuldigte schweigt

Der Mann sollte die behinderte Frau sicher von A nach B bringen – stattdessen soll er ihr Gewalt angetan haben. In München wird ein besonders schockierender Vergewaltigungsfall verhandelt.
John Schneider
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Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt.
Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt. © Britta Schultejans/dpa

München - Der alte Mann mit den strähnigen, schlohweißen Haaren kommt humpelnd in den Gerichtssaal, wird auf seinen Platz auf der Anklagebank geführt und zeigt, kaum dass er Platz genommen hat, den Pressevertretern gleich mal den doppelten Mittelfinger und die ausgestreckte Zunge.

Prozess in München – Vergewaltigung von behinderter Frau: Seit 14 Monaten in U-Haft 

Bereits 14 Monate sitzt Piotr G. (Name geändert) jetzt schon in Untersuchungshaft. Und das hat wohl an ihm gezehrt. Eine Zeugin erkennt den 73-Jährigen jedenfalls erst wieder, als ihr ein älteres Foto von ihm gezeigt wird. Für den Angeklagten geht es angesichts seines hohen Alters um viel. Sollte er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er im Gefängnis stirbt. Vor dem Landgericht München I hat nun sein Prozess begonnen. 

Fahrer soll behinderte Frau vergewaltigt haben

Ein Geständnis würde eine mildere Strafe zur Folge haben, seine Chancen auf ein Leben nach der Haft erhöhen. Aber der Mann lässt sich auf keinen Deal ein – das Gericht hatte ihm höchstens fünfeinhalb Jahre Haft bei einem Geständnis angeboten – und schweigt.

Worum geht es in dem Verfahren? Laut Staatsanwältin Franziska Kacher hat sich der Fahrer eines Fahrdienstes für Behinderte an einer jungen, behinderten Frau, die er des Öfteren in ein Förderzentrum transportierte, des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung in drei Fällen schuldig gemacht. Die 25-Jährige ist auf den Rollstuhl angewiesen und zu 80 Prozent geistig behindert. Sie hielt die sexuellen Übergriffe des mutmaßlichen Täters für ein Spiel...

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Als Fahrer hatte Piotr G. eigentlich eine besondere Fürsorgepflicht, doch stattdessen nutzte er seine Vertrauensposition aus. Laut Aktenlage gibt es wenig Anlass an der Täterschaft des 73-Jährigen zu zweifeln.

Es sollen DNA-Spuren von ihm an der jungen Frau gefunden worden sein, dazu kommen die Berichte der Zeugen, die ihn am 30. Oktober 2023 quasi in flagranti mit heruntergezogener Hose erwischt haben. Bei dieser Beweislage mache es wenig Sinn, so der Vorsitzende Richter Markus Koppenleitner eindringlich, die Aussage zu verweigern.

So flog die Sache auf: Eine Anwohnerin hatte den Transporter bemerkt und gesehen, wie der 73-Jährige auf dem Parkplatz vor ihrem Haus die Fenster seines Wagens verhängte und sich der Wagen dann auffällig bewegte. Sie verständigte die Polizei, die den Mann mit geöffneter Hose vorfand. Als die 25 Jahre alte Frau den Wagen verließ, habe sie geweint und nach ihrem Vater gerufen, berichtete die Zeugin vor Gericht.

Urteil am kommenden Donnerstag?

Das Gericht hat vier Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach am kommenden Donnerstag fallen. 

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9 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
  • SL am 09.01.2025 10:12 Uhr / Bewertung:

    Hier wird das Urteil nicht so milde ausfallen wie bei dem verbeamteten Feuerwehrmann welcher eine Bewährungsstrafe bekam um wie die Richterin sagte nicht seinen Beamtenstatus und seine Versorgungsansprüche zu gefährden

  • Witwe Bolte am 09.01.2025 11:05 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von SL

    In dem Fall mit dem Busfahrer Janusz P. kommt strafverschärfend hinzu, dass das missbrauchte Opfer zu 80 % geistig behindert ist, also eine Wehrlosigkeit vorliegt.
    Beim Feuerwehrmann war es so, dass es sich um eine Bekannte gehandelt haben soll, die sich "freiwillig" mit ins Bett (od.Sofa) gelegt hat, er war auch nicht im Dienst. Im Gegensatz zum Busfahrer. Beide Fälle kann man nicht vergleichen, die Vergewaltigungen waren sehr unterschiedlicher Art.

  • am 08.01.2025 15:32 Uhr / Bewertung:

    So ein ekelhafter Widerling dürfte nie mehr frei kommen!

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