Prozess um EC-Betrug: Alte Menschen im Visier

In München stehen fünf Angeklagte vor Gericht: Die Bande späht die PIN aus und klaut dann die Kreditkarte. Sie hat es vor allem auf ältere Menschen abgesehen.
| John Schneider
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Zwei der fünf Angeklagten mit ihren Dolmetscherinnen.
jot Zwei der fünf Angeklagten mit ihren Dolmetscherinnen.

München - Laut Anklage sind die zwei Männer und drei Frauen auf der Anklagebank eine schrecklich kriminelle Familie. Aus Marseille und London sollen sie immer wieder nach Deutschland und in andere EU-Staaten eingereist sein, um dort in Teamarbeit EC-Karten zu stehlen und die jeweilige PIN "geschickt vor Ort auszuspähen". Die Anklage zählt 76 Fälle seit Dezember 2015 auf.

So schildern die Ankläger die Betrugsmasche: Mindestens drei Mitglieder verabredeten sich in einer Großstadt, reisten mit angemieteten Pkw an und mieteten sich in Hotels ein. Dann ging man zu dritt auf Beutezug. Um den Anschein von normalen Bankkunden zu erwecken, kauften sich die Bandenmitglieder Prepaid-Kredtitkarten und taten so, als ob sie diese an den Geldautomaten der betroffenen Bankfilialen benutzen würden. Wenn ältere Menschen an anderen Automaten Geld abheben wollten oder sich Kontoauszüge ausdrucken ließen, näherten sich ein oder zwei Bandenmitglieder und spähten die PIN aus.

Das Geld ist sofort weg

Wenn dies gelang wurde das Opfer angesprochen. Der Automat sei defekt wurde dem ausgespähten älteren Bankkunden eingeredet oder ein Bandenmitglied gab vor, dass es selber Hilfe benötige – und griff sich dann die EC-Karte im Ausgabeschacht. Vor der Filiale wartete ein Komplize im Mietauto, um die Täter wegzufahren. Mit der Karte wurde dann sofort oder später Geld abgehoben und nach England oder Frankreich zu den anderen Clanmitgliedern transferiert.

Der erste angeklagte Fall spielt am 28. Dezember 2015 in einer Commerzbank-Filiale in München. Ein Bandenmitglied gab gegenüber dem Opfer vor, Hilfe beim Wechsel in Fremdwährungen zu benötigen. Danach war die Karte weg. Nur Minuten später hob das Duo 1.500 Euro vom Girokonto des Mannes ab. Kurz darauf prellten die Betrüger auf ganz ähnliche Weise ihr zweites Opfer um 2.000 Euro.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Lesen Sie hier: Uni-Vergewaltigung: Das sagt der Vater des Täters

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