Prozess um Anschlag auf Verdi-Demo: Angeklagter zeigt islamische Geste vor Gericht
Update von 13 Uhr: Im Prozess um das Attentat auf die Verdi-Demonstration 2025 äußert sich der Angeklagte am ersten Prozesstag nicht zu der Tat. Ganz ließ er sich ein Statement aber nicht nehmen, und so hob er mehrmals den rechten Zeigefinger gen Himmel, als er fotografiert wurde. Die Geste gilt als Bekenntnis zum muslimischen Glauben. Das Symbol selbst, auch "tauhid"-Finger genannt, stellt kein terroristisches Zeichen dar, mutet aber im Zusammenhang mit dem Anschlag befremdlich an.
Dem Angeklagten steht während des Prozesses ein Dolmetscher zur Seite. Der gebürtige Afghane versteht jedoch ausreichend Deutsch und will sich, wie der Senatsvorsitzende Michael Höhne erklärt, nur bei Rückfragen an den Dolmetscher wenden.
Der Senatsvorsitzende verkündet außerdem, dass die Verhandlung am Jahrestag des Anschlags, dem 13. Februar, nicht ausfallen kann. An diesem Tag sollen jedoch keine Unfallbeteiligten vernommen werden, um ihnen die Teilnahme an den geplanten Gedenkveranstaltungen zu ermöglichen. Dass die Verhandlung dennoch stattfindet, habe keine pietätlosen Gründe, erklärt Höhne. Ziel sei es vielmehr, den Prozess so schnell wie möglich voranzubringen.
Nach Anschlag auf Verdi-Demo: Prozessauftakt in München
Erstmeldung vom 16. Januar, 11 Uhr: Vor dem Oberlandesgericht München hat der Prozess um den Anschlag auf eine Demonstration in München mit zwei Toten und Dutzenden Verletzten begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft einem 25 Jahre alten Afghanen zweifachen Mord und 44-fachen Mordversuch vor. Sie geht von islamistischem Terrorismus als Motiv aus.
Der Angeklagte versteckte sein Gesicht hinter einer roten Mappe und hob den rechten Zeigefinger - eine verbreitete Geste unter Muslimen weltweit, die den Glauben an den einen und einzigartigen Gott symbolisieren soll.
Der Angeklagte war vor knapp einem Jahr, am 13. Februar 2025, noch am Tatort festgenommen worden, nachdem er mit seinem Kleinwagen in die Menschenmenge gerast war. Er soll das Auto gezielt in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern gelenkt haben. Eine Mutter und ihre erst zwei Jahre alte Tochter starben, 44 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Nach Ermittlerangaben hatte der Mann "Allahu Akbar" gerufen und nach seiner Tat gebetet. In seiner Vernehmung habe er eingeräumt, bewusst in die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Demonstrationszugs gefahren zu sein – "aus einer übersteigerten religiösen Motivation heraus", wie die Ermittler es einschätzen.
Die Verhandlung begann wegen langer Schlangen an der Einlasskontrolle mit rund einer Dreiviertelstunde Verspätung. Bis in den Sommer hinein sind Verhandlungstermine am OLG München angesetzt, das Urteil könnte am 25. Juni fallen.

