Prozess in München: Riesenbeute für falsche Polizisten

Der 30-Jährige soll als Abholer für eine Bande gearbeitet haben. Er schweigt im Prozess.
| John Schneider
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Der Mann soll einen sechsstelligen Betrag erbeutet haben. (Symbolbild)
Der Mann soll einen sechsstelligen Betrag erbeutet haben. (Symbolbild) © imago images/U. J. Alexander

München - Die Masche funktioniert immer noch: Anrufer aus der Türkei bringen ältere Menschen dazu, ihre vermeintlich gefährdeten Vermögenswerte der "Polizei" zu überlassen.

Die Reihe der Betrugsprozesse, die auf dieser Methode basieren, reißt dementsprechend nicht ab. Seit Freitag muss sich ein mutmaßlicher Abholer, der 30-jährige Cem P., (Name geändert) vor Gericht verantworten. Er schweigt beim Prozessauftakt zu den Vorwürfen gegen ihn.

Prozess um falsche Polizisten:  Gezielt ältere Menschen ausgesucht

So funktionierte laut Anklage in seinem Fall der Betrug: Anrufer aus der Türkei, so genannte Keiler, verunsichern die Opfer mit verschiedenen erfundenen Geschichten über vermeintliche Gefahren für ihr Geld. Gelingt die Panikmache, fordern die Keiler die Opfer auf, ihr gesamtes Erspartes, so weit dieses nicht bereits im Haus aufbewahrt wird, bei ihrer Bank abzuheben. Das Geld soll dann vom Opfer nach Hause gebracht und dort zur Sicherheit einem "Polizisten", dem Abholer, übergeben werden.

Besonders verwerflich: Die Täter suchen sich gezielt ältere Menschen aus, die oftmals alleinstehend und in ihrer Kritikfähigkeit bereits eingeschränkt sind.

Sechs solcher Abholungen werden Cem P. vorgeworfen. Gleich beim ersten Mal machte die Bande dabei reiche Beute. Opfer war eine 80-jährige Münchnerin, die inzwischen verstorben ist.

Beute in sechsstelliger Höhe ergaunert

Die Frau wurde am 5. Oktober 2020 von einem "Kriminalpolizisten König" angerufen. Der machte ihr weis, dass die Mafia plane, die Geschädigte auszurauben. Der falsche Polizist fragte sie nach ihren Vermögensverhältnissen und bekam zur Antwort, dass die Frau zu Hause Bargeld in Höhe von 5.000 Euro sowie Schmuck aufbewahre. Dazu käme ein fünfstelliger Betrag auf der Bank, den sie dann auf Drängen des Keilers abholte. Insgesamt soll Cem P. Bargeld im Gesamtwert von über 100.000 Euro sowie Schmuck im Wert von 60.000 Euro übergeben worden sein.

Der 30-Jährige sagt dazu zwar nichts, die Ermittler sind aber aufgrund der Spurenlage - unter anderem sei sein Handy zu den Tatzeiten an den Orten der jeweiligen Abholung eingeloggt gewesen - davon überzeugt, dass der Richtige auf der Anklagebank sitzt.

Der Prozess wird fortgesetzt. 

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