Prozess in München: Frau ersticht im Streit ihren Freund - war es Notwehr?

Das Paar hatte sich gestritten und geschlagen. Handelte die Frau in Notwehr?
| John Schneider
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Die Angeklagte plädiert auf Notwehr.
Die Angeklagte plädiert auf Notwehr. © Daniel von Loeper

München - Anna G. (35, Namen geändert) besteht darauf, dass sie sich nur gewehrt hat. Am Ende des blutigen Streits lag ihr 27-jähriger Lebensgefährte Tom B. tot auf dem Küchenboden. Die junge Frau hatte an diesem 24. November 2019 fünf Mal auf ihn eingestochen. Ein Stich drang in den Brustkorb ein und durchtrennte ein Blutgefäß in der Lunge. Tom B. starb nur wenige Minuten nach dem Messerstich.

Der Vorsitzende Richter Thomas Bott meldet Zweifel an. Würde die Version der heftigen Schläge und Tritte ihres Freundes stimmen, hätte sie nach dem Kampf mit ihrem Freund schlimmere Verletzungen vorweisen müssen. Doch außer einer kleinen Wunde an der Unterlippe sei sie unverletzt geblieben.

Angeklagte behauptet: Wollte Freund nur "pieksen"

Anna G. beharrt auf ihrer Version, demonstriert auf der Anklagebank, wie ihr Freund sie am Kiefer gepackt und ihren Kopf nach hinten gegen einen Schrank gepresst habe. "Ich dachte, ich kann nicht mehr atmen, ich geriet in Panik", erzählt sie. In dieser Situation habe sie zum Messer gegriffen, wollte den Mann "pieksen", damit er sie loslasse.

Per Telefon instruierten die Retter Anna G. zunächst, wie sie versuchen sollte, ihren Freund am Leben zu erhalten. Sie habe Mund-zu-Mund-Beatmung gemacht, berichtet die Angeklagte. Doch jede Hilfe kam zu spät. Um 0.56 Uhr erlag das Opfer seinen Verletzungen.

Die 35-Jährige und ihr Freund hatten ein gemeinsames Kind (1). Darüber hinaus lebten zwei weitere Kinder (11 und 12) aus einer früheren Ehe von Anna G. in der Wohnung in Petershausen.

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Es war nicht der erste Streit zwischen den beiden. Die Angeklagte macht seine Eifersucht für die Streitereien verantwortlich. Sie gibt aber zu, dass sie ihn noch provoziert habe.

Zwei Wochen vor der Tat soll Tom B. seine Freundin ins Gesicht geschlagen und ihr dabei die Nase gebrochen haben. Warum sie ihn nicht spätestens da rausgeworfen habe, will der Richter wissen. Anna G. hat keine plausible Antwort. Nur, dass sie nicht wollte, dass die Kleine ohne Vater aufwächst. Der Prozess wird fortgesetzt.

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