Prozess gegen Serieneinbrecher: Die Angst der Opfer

Ein 44-Jähriger Serieneinbrecher richtet großen Schaden an: materiell und seelisch. Der Täter steht in München vor Gericht und ist geständig.
| John Schneider
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Auf einer Richterbank in einem Gericht liegt ein Richterhammer.
Uli Deck/dpa/Symbolbild Auf einer Richterbank in einem Gericht liegt ein Richterhammer.

München - Die Erschütterung ist Caroline Z. (Namen geändert) deutlich anzumerken. Sie möchte eigentlich nicht als Zeugin aussagen, nicht all die bösen Erinnerungen wieder aufleben lassen müssen. Und tatsächlich hat das Gericht ein Einsehen und verzichtet auf die Aussage des Einbruchsopfers. Zumal ihr Lebensgefährte zuvor ausführlich alle Fragen beantwortet hatte.

So wie ihr geht es vielen Opfern von Einbrüchen. Dass ein Fremder in ihrer Privatsphäre war, für viele nur schwer erträglich. Bei Caroline Z. kommt die Angst vor Wiederholung hinzu. Im Nachhinein fürchtet sie gar um ihr Leben, erklärt sie am Dienstag. Denn ihren Tresor hätte sie nicht aufmachen können, selbst wenn ihr die Einbrecher mit dem Tode gedroht hätten. Der Tresor sei seit 20 Jahren nicht mehr benutzt worden. Die Kombination, ihn zu öffnen, kenne sie nicht.

Serieneinbrecher vor Gericht

Auf der Anklagebank sitzt ein 44-jähriger Rumäne, der wegen einschlägiger Verurteilungen in Hanau und Düsseldorf bereits in Haft ist. Nun blühen Dimitri K. weitere Jahre Haft obendrauf. Nach einem Rechtsgespräch einigten sich die Prozessbeteiligten zu Beginn des Prozesses, dass bei einem Geständnis zwischen vier Jahren und zehn Monaten bis zu fünf Jahren und vier Monaten Haft angemessen sind.

Der 44-Jährige hat zugegeben, zwischen 2014 und 2017 in Häuser in München, Pullach und Grünwald eingedrungen zu sein. Bei dem Einbruch in Pullach kletterte er auf einen Balkon und schlug dann eine Fensterscheibe ein. Im Haus entdeckte er einen Tresor und versuchte diesen aufzuflexen. Was nicht gelang. Ohne Beute verschwand der Einbrecher wieder. Als die Hausherren nach Hause kamen, nahmen sie sofort den Geruch von etwas Verbranntem wahr und entdeckten die Einbruchsspuren.

Den größten Coup landete Dimitri K. in einem Münchner Haus. Am 28. Oktober 2016 verschaffte er sich in den Abendstunden mit einem unbekannten Komplizen Zugang, indem sie über eine Leiter auf den Balkon gelangten und dort eine Glasscheibe einschlugen. Ihre Beute – Bargeld und Schmuck – hatte insgesamt einen Wert von 50.000 Euro. Als die Zeugin Caroline Z. bereits gehen will, bittet sie überraschend das Gericht, die Entschuldigung des Täters anhören zu dürfen. Der Richter gibt ihr die Zustimmung. Dimitri K. sagt, dass es ihm sehr leidtut und Caroline Z. gibt ihm sogar noch die Hand. Es scheint fast so, als könne sie mit dieser Geste ihre Ängste besiegen. Sie schnauft einmal tief durch und verlässt den Gerichtssaal. Eine große Erleichterung spiegelt sich in ihrem Gesicht.

Lesen Sie hier: Wegen Corona leerer als sonst - In Stadelheim sind Zellen frei

Lesen Sie hier: Bub (5) fällt in Baugrube – mit schwersten Folgen

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren