Protest in München: Warum rund 200 Apotheken für einen Tag schließen
Wer kommenden Montag (23. März) Medikamente in einer Apotheke kaufen will, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit vor verschlossener Tür stehen. Die Verbände rufen ihre Mitglieder bundesweit zum Streik auf. Es geht um ein höheres Honorar pro verschreibungspflichtigem Arzneimittel – und gegen das Apothekensterben, das auch München betrifft.
Denn seit 13 Jahren stagnieren ihre Einnahmen, dabei explodieren die Ausgaben, klagen Apothekerinnen und Apotheker. Immer mehr von ihnen schaffen das finanziell nicht mehr. Seit 2013 (da gab es noch 395 Apotheken in München) ist ein Viertel der Läden verschwunden. Heute sind es nur noch 297 im Stadtgebiet.

200 Apotheken könnten geschlossen sein
„In München erwarten wir, dass 60 bis 80 Prozent der Apotheken mitstreiken“, sagt Peter Sandmann, der Vizechef des Bayerischen Apothekerverbands und Sprecher der Münchner Mitglieder. Mit rund 200 geschlossenen Läden dürfte also zu rechnen sein, verteilt auf alle Münchner Stadtviertel.
Demo am Odeonsplatz
Von 12 bis 14 Uhr wollen die Protestierenden sich am Montag am Odeonsplatz zur Demo-Kundgebung treffen. Welche Apotheken nur für einige Stunden um die Mittagszeit schließen und welche ganztägig, ist noch unklar. Wer ein Rezept einlösen will, wird gebeten, das möglichst schon am Freitag oder Samstag zu tun. Oder, sofern medizinisch vertretbar, erst am Dienstag nach dem Streiktag. Für dringende Akutversorgung sind in München neun Notdienstapotheken 24 Stunden lang geöffnet (zu finden unter www.aponet.de/apotheke/notdienstsuche).
Wie schwierig die Lage für viele seiner Kolleginnen und Kollegen geworden ist, beobachtet Peter Sandmann schon lange. Vor 26 Jahren hat er die Nauplia-Apotheke in der Säbener Straße von seinem Vater übernommen und später noch zwei weitere Apotheken am Tierpark und in Englschalking aufgemacht. 27 Mitarbeiter beschäftigt er in den drei Filialen, darunter 20 Apothekerinnen und Apotheker.
Manchmal verdient ein Mitarbeiter mehr als der Chef
Das sogenannte „Fixum“ pro verschreibungspflichtigem Medikament, das gesetzlich bei 8,32 Euro festgelegt ist, gilt seit 2013. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, brauche es inzwischen aber 13 Euro, haben Verbände errechnet. Denn die Kosten in einer Apotheke sind um rund 65 Prozent gestiegen, von den Gehältern über Energie, Mieten, Logistik bis zu Bürokratiekosten. „Vor zehn, 15 Jahren hat man mit einer Apotheke noch gut leben können“, sagt Peter Sandmann. „Aber heute ist es so, dass ein fest angestellter Apotheker mit einem Jahresbrutto von 70.000 Euro oft mehr verdient als der Apothekeninhaber selbst. Falls der sich überhaupt noch Angestellte leisten kann.“

"Eine Kasse bleibt offen, für notwendige Fälle"
Auch die St.-Anna-Apotheke im Tal und die Ostbahnhof-Apotheke beteiligen sich am Protesttag, schließen aber nicht vollständig. „Wir fahren von 12 bis 15 Uhr den Betrieb herunter, lassen aber jeweils eine Kasse für notwendige Fälle offen“, sagt Inhaber Ludwig Gierstofer. An den übrigen Kassen wolle man Patientinnen und Patienten die Hintergründe des Streiktags erklären.
„Wir hätten gern, dass Menschen das verstehen: Apotheken können ihre Preise nicht selber festlegen. Für verschreibungspflichtige Medikamente gibt die Arzneimittelpreisverordnung bundesweit einheitliche Preise vor. Deshalb können wir steigende Kosten, anders als andere Geschäfte, auch nicht ausgleichen.“
Beratung, Rezepturen herstellen, Botendienst
Dabei sei der Service, den Apotheken bieten, enorm. „Wir beraten pharmazeutisch, wir stellen individuelle Rezepturen her, etwa für Kinder oder spezielle Patientengruppen, bei uns kommt ein eigener Botendienst dazu, mit taggleicher Belieferung.“ Am wichtigsten sei ihm aber das: „Wir protestieren nicht gegen unsere Patienten, wir protestieren für sie.“ Denn je mehr Apotheken es wirtschaftlich nicht mehr schaffen und schließen, desto schlechter werde die Versorgung für die Münchnerinnen und Münchner.
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