"Prekäre Zustände": So läuft der Campus-Streiktag in München

Ob Verwaltung, Lehre oder Mensa: An vielen Hochschulen in Bayern sind Verdi-Warnstreiks angekündigt. Auch die TUM-Standorte sind betroffen.
von  Guido Verstegen
Im Tarifkonflikt nimmt Verdi die bayerischen Hochschulen in den Fokus. (Symbolbild)
Im Tarifkonflikt nimmt Verdi die bayerischen Hochschulen in den Fokus. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst der Länder hat Verdi die bayerischen Hochschulen im Blick. Für Mittwoch (28. Januar) werden Beschäftigte an Universitäten und anderen Hochschulen, in Studierendenwerken und Forschungseinrichtungen zu bundesweiten  Warnstreiks aufgerufen – auch in München.

Kein Angebot von Arbeitgebern auf den Tisch: Verdi München empört

Am sogenannten Campus-Streiktag treten dabei Beschäftigte aus Verwaltung, Lehre, Bibliotheken, Technik, Laboren, Gebäudemanagement, Mensen und Servicebereichen öffentlich für ihre Interessen ein.

"Wir sind empört darüber, dass von den Arbeitgebern bisher noch kein Angebot auf den Tisch kam", sagte Christiane Glas-Kinateder, stellvertretende Verdi-Fachbereichsleiterin in München, mit dem Schwerpunkt Bildung und Wissenschaft zur AZ. 

Mitte Februar soll abschließend verhandelt werden

Verdi fordert in dem Tarifkonflikt unter anderem Gehaltserhöhungen von sieben Prozent, mindestens aber monatlich 300 Euro. Nachwuchskräfte sollen 200 Euro im Monat mehr bekommen und nach erfolgreicher Ausbildung unbefristet übernommen werden.

Blick auf das Hauptgebäude mit dem Eingang der Technischen Universität München. (Archivbild)
Blick auf das Hauptgebäude mit dem Eingang der Technischen Universität München. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden erhöhen die Beschäftigten an Hochschulen, Studierendenwerken und Forschungseinrichtungen den Druck auf die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL).

Auch Theater zum Streik aufgerufen

Vom Streik betroffen sind in München unter anderem die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München, die Hochschule für angewandte Wissenschaften München, die Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf, das Studierendenwerk München, das Deutsche Museum, die Bayerische Staatsbibliothek, das Bayerische Hauptstaatsarchiv sowie die Hoschule für Film und Fernsehen.

Zudem sind zum Streik auch wieder das Bayerische Staatsschauspiel, Staatstheater am Gärtnerplatz, am Prinzregententheater, die Theaterakademie und der Zentrale Dienst der bayerischen Staatstheater aufgerufen. Erstmalig wird es laut Verdi einen Solidaritätsstreik vom künstlerischen Personal NB Bühne geben.

Claudia Weber: "So sieht keine Wertschätzung aus"

Auch die zweite Verhandlungsrunde am 15. und 16. Januar blieb ohne konkretes Angebot der Arbeitgeber. Stattdessen stellte die TdL lediglich Gespräche über einen möglichen Inflationsausgleich bei einer Laufzeit von 29 Monaten in Aussicht.  

"So sieht keine Wertschätzung aus. Während die Beschäftigten unter steigenden Preisen leiden, gibt es von der Arbeitgeberseite kein Angebot", sagte Claudia Weber, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi München. Beide Seiten wollen Mitte Februar abschließend verhandeln.

An vielen Unis sind überalterte Belegschaften ein Problem

"Wer Forschung, Lehre und Studium stärken will, muss die Arbeitsbedingungen derjenigen verbessern, die den Betrieb jeden Tag am Laufen halten", betont Christiane Glas-Kinateder. Sie befürchtet weitere "Arbeitsverdichtung" sowie "Abbaubestrebungen" und sieht gerade auch in den vielerorts überalterten Belegschaften ein großes Problem.

Der zur TUM gehörende Campus Weihenstephan mit dem Bibliotheksgebäude. (Archivbild)
Der zur TUM gehörende Campus Weihenstephan mit dem Bibliotheksgebäude. (Archivbild) © imago images/HRSchulz

"In den nächsten zwei bis vier Jahren geht ein Drittel der Hochschulsekretärinnen in den Ruhestand, da gilt es Lücken zu schließen. Stattdessen werden aber offensichtlich die Daumenschrauben angesetzt", befürchtet sie, dass freie Stellen nicht nachbesetzt werden.

Verdi will gerechte Mindestlaufzeit von Verträgen der Hilfskräfte

Es könne doch nicht sein, dass "in Exzellenzuniversitäten" bei den Arbeitnehmern unter Umständen mitunter "prekäre Zustände" herrschten. So seien Verträge von Hilfskräften an den Unis bevorzugt nur sehr kurz gültig, fordert Verdi eine gerechte Mindestlaufzeit.

Kundgebungen und Aktionen in München sollen zeigen, dass "Bildung und Wissenschaft kein Kostenfaktor sind, sondern Zukunftsinvestitionen." Dabei nimmt Verdi München vor allem die Standorte der Technischen Universität München in der bayerischen Landeshauptstadt sowie in Martinsried und Weihenstephan (Landkreis Freising) ins Visier.

Verdi-Kundgebungen in München und Weihenstephan

Am Mittwoch um 12 Uhr gibt es im Anschluss an eine Indoor-Streikversammlung im Fat Cat (alter Gasteig) eine Kundgebung vor dem TUM-Gebäude in der Arcisstraße 21 in der  Maxvorstadt und zeitgleich auch eine Kundgebung in der Mensa der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf (Maximus-von-Imhof-Forum), in die auch das Studierendenwerk eingebunden ist.

"Forschung, Lehre und Studium entstehen nicht im luftleeren Raum: Sie brauchen eine verlässliche Grundfinanzierung, ausreichend Personal und gute Tarifbedingungen – statt Dauerüberlastung, Befristung und schleichender Auszehrung", wird der Verdi-Landesfachbereichsleiter für Bildung und Wissenschaft, Robert Hinke in einer Mittelung zitiert.

Warnstreiks in Hörsälen, Bibliotheken und Laboren

Der Campus-Streiktag umfasst nach Verdi-Angaben Kundgebungen, Infostände und Aktionen an weiteren Standorten in Bayern, unter anderem in Nürnberg/Erlangen, Regensburg, Augsburg, Bamberg, Würzburg, Bayreuth und Passau.

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