Update

Preis-Schock beim MVV: So teuer werden die neuen Tarife

MVV-Fahrgäste müssen sich ab 2027 wieder auf höhere Ticketpreise einstellen: Im Schnitt steigen die Tarife um 4,9 Prozent, vor allem Streifen-, Tages- und Monatskarten werden teurer. Gleichzeitig erweitert der Verbund sein Netz.
Jan Krattiger
Jan Krattiger
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
28  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Gerade bei älteren Fahrgästen ist die Streifenkarte aus Papier nach wie vor sehr beliebt. Die wird bald um einiges teurer. (Archiv)
Gerade bei älteren Fahrgästen ist die Streifenkarte aus Papier nach wie vor sehr beliebt. Die wird bald um einiges teurer. (Archiv) © Imago/Rolf Poss

Update, 21. September, 9.23 Uhr: Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat die MVV-Tariferhöhung mit deutlichen Worten kritisiert. "Die Fahrpreise steigen mehr als doppelt so schnell wie der Bierpreis auf der Wiesn. Während die Bundesregierung Autofahrten subventionieren will, werden zeitgleich die Fahrgäste spürbar mehr belastet", wird Andreas Frank, Sprecher von Pro Bahn in München in einer Mitteilung zitiert: "Schlechteres Angebot, Baustellen und Störungen bei der S-Bahn, überfüllte Trams und Busse, und jetzt auch noch eine kräftige Preissteigerung – die Politik konterkariert ihre Sonntagsreden mit dem eigenen Handeln." 

Man hindere den Bürger so am gewünschten Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr, heißt es beim Fahrgastverband weiter. Wenn schon der Fahrpreis so deutlich steige, müsse zumindest das Angebot ausgebaut und konsequent gegen die Ursachen von Störungen vorgegangen werde.

"Pro Bahn" fordert stärkere Unterstützung der Kommunen und Landkreise 

So sei beispielsweise bei der S-Bahn der durchgängige Zehn-Minuten-Takt tagsüber eine wichtige Verbesserung. Zudem müsse man darüber nachzudenken, ob aufgrund des Deutschlandtickets der Tarif nicht wesentlich entschlackt und zum Beispiel Zeitkarten, die teurer als ein Deutschlandticket sind, abgeschafft werden können.

"Während der Autoverkehr großzügig mit Steuermitteln gefördert und subventioniert wird und Bund und Länder auch Kredite für laufende Ausgaben aufnehmen dürfen, müssen die kommunalen Gebietskörperschaften schauen, wie sie irgendwie noch Geld für vernünftigen öffentlichen Nahverkehr zusammenkratzen können", beschreibt Andreas Frank die Situation. 

ÖDP kritisiert neue Streifenkarte: "Strafgebühr für Offliner"

Eine Neuerung der MVV kritisiert die Fraktion von ÖDP/Bündnis Kultur und München Liste im Stadtrat besonders, nämlich dass die Streifenkarte künftig in der Papiervariante teurer sein soll als die auf dem Handy.
Die Papier-Streifenkarte soll künftig 21 Euro kosten, die digitale nur 19,50 Euro. Bisher kostet die Streifenkarte einheitlich 18,70 Euro. "Der MVV nennt es Digitalrabatt, doch in Wahrheit ist es eine Strafgebühr für Menschen ohne Smartphone", findet Johann Sauerer, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. "Wer älter ist, kein Smartphone hat, keine App bedienen kann oder seine persönlichen Daten schützen möchte, soll für genau dieselbe Fahrt mehr bezahlen“, kritisiert er.

Seine Fraktion hat darum im Stadtrat dazu eine Anfrage eingereicht. Sie fragt unter anderem, ob der Senioren- und der Behindertenbeirat vor der Entscheidung befragt wurden, wie hoch der Kostenunterschied zwischen der Papier- und der digitalen Variante wirklich ist – und ob geprüft wurde, ob eine anonyme Chipkarte oder eine ähnliche Lösung umsetzbar wäre für Menschen ohne Smartphone.

Preiserhöhung per 1. Januar 2027: Das sind die Details

Ursprungsartikel, 18. September, 18.39 Uhr: Alle Jahre wieder erhöht der Münchner Verkehrsverbund (MVV) per 1. Januar die Preise für sein Angebot. Bei ihrer Sitzung am Freitag (18. September) im Rathaus haben sich die Gesellschafter auf eine Erhöhung von durchschnittlich 4,9 Prozent geeinigt.

Die höheren Ticketpreise seien nötig, "um die gestiegenen Betriebskosten, insbesondere für Treibstoffe, aufzufangen", so der MVV in einer Mitteilung nach der Sitzung. Bereits in den Vorjahren wurden die Fahrpreise erhöht, im vergangenen Jahr im Schnitt um 3,9 Prozent, im Jahr zuvor ebenfalls um 4,9 Prozent.

MVV-Tickets 4,9 Prozent teurer

Neben den neuen Preisen hat der MVV auch sein Angebot überarbeitet und einige Ticketarten gestrichen, die nur wenig nachgefragt worden seien. Ein Viertel der bisherigen Ticketarten hat der MVV nach eigenen Angaben gestrichen.

Gleich bleiben die Preise laut MVV bei stark nachgefragten Tickets – das sind die Kurzstrecke, die Einzelfahrkarte für die "Zone M" und die Kindertageskarte.

Das wird teurer:

  • Einzelfahrten, zum Beispiel in den Zonen M-7, beziehungsweise 9 Zonen, steigen um 20 Cent auf 18,90 Euro.
  • Die Einzelfahrkarte für Kinder kostet neu 2,10 Euro (10 Cent mehr).
  • Die Streifenkarte kostet neu 21 Euro (digital nur 19,50 Euro), bisher kostet sie 18,70 Euro.
  • Die Streifenkarte U21 kostet neu 10,80 Euro (digital unverändert 10,20 Euro).
  • Die Gruppen-Tageskarte, beispielsweise für die Zonen M-5, kostet neu 33,90 Euro (bisher 32,60 Euro).
  • Die Single-Tageskarte für die Zone M/1 kostet künftig 10,80 Euro (70 Cent teurer).
  • Die MVV-Fahrrad-Tageskarte kostet neu 3,80 Euro (plus 10 Cent), dafür dürfen künftig aber bis zu drei Räder von mitreisenden Kindern (6-14 Jahre alt) mitgenommen werden.

Monatskarten:

  • Im Schnitt werden sie 4,8 Prozent teurer laut dem MVV. Jene für die Zone M kostet zum Beispiel künftig 74,80 Euro anstatt bisher 71,40 Euro.
  • Die Monatskarte 65 kostet künftig für Zone M 62,30 Euro, für die Zonen M-5 93 Euro.

Lange Strecken und neue Ziele

Für besonders lange Strecken führt der MVV neu eine Preiskappung ein. Das heißt konkret: Alle Fahrten, die über die Zonen M-12, beziehungsweise 14 Zonen hinausgehen, haben den gleichen Preis wie für die Zonen M-12.

Per 1. Januar 2027 gehören wie bereits berichtet der Landkreis Ostallgäu und die Stadt Kaufbeuren zum MVV, dann kann man mit einem Ticket vom Münchner Marienplatz bis nach Kaufbeuren oder über Füssen zum Schloss Neuschwanstein fahren.

Für die Fahrt nach Neuschwanstein braucht man künftig eine Gruppentageskarte (bis zu fünf Personen) für die Zonen M-13 für 43,90 Euro.

Nach Kaufbeuren kommt man mit einem Ticket für die Zonen M-10, ein einfaches Ticket mit Rückfahrt kostet dann 27,90 Euro.

Was sich noch ändert

Beim Sozialticket ("Monatskarte S") für Münchner mit geringem Einkommen entfällt die Sperrzeit – aktuell gilt es nicht für die Zeit zwischen 6 und 9 Uhr in der Früh. Die Sperrzeit hatte bereits im Stadtrat für Kritik gesorgt. Darum haben die Grünen vor einem Jahr beantragt, dass sie abgeschafft werden soll.

Für das digitale Angebot "MVV Swipe", bei dem man vor der Fahrt und beim Ende in der App wischt und das dann automatisch den günstigsten Tarif berechnet, gilt der digitale Streifenkartentarif.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
  • HanneloreH am 19.09.2026 11:38 Uhr / Bewertung:

    In München wird mal wieder auf hohem Niveau gejammert. Einfach mal in andere Städte schaun ob da die Verkehrsgesellschaft so zuverlässig und meistens auch pünktlich fährt.
    Ich spreche von U und Trambahn . Die Busse sind verspätet, ja das liegt aber nicht an den Fahrern die des fahrn ned können das muss jedem klar sein woran es hier liegt.
    Die MVG steht nicht für die S Bahn .

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • Iamit am 19.09.2026 14:31 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von HanneloreH

    Da wünsche ich Ihnen regelmäßige Fahrten mit der Linie 185. Da schaffen es trödelige Fahrer regelmäßig, immense Verspätungen aufzubauen.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • HanneloreH vor 8 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Iamit

    Wenn Sie besser fahren und diese Bezahlung für diese teure Stadt akzeptieren, melden Sie sich bei der MVG

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.