Pomp & Pose: Residenzmuseum ehrt den "Blauen Kurfürsten"
Ein (Ba)rockstar sei er gewesen, ein Super-Poser – Kurfürst Max Emanuel, eigentlich Maximilian II. Emanuel von Bayern (1662-1726). Sein Todestag hat sich heuer zum 300. Mal gejährt. Grund genug, dem „Blauen Kurfürsten“ die diesjährige Residenzwoche zu widmen. Motto: „Pomp und Pose“.
Die Residenz sei „eine Wunderkammer der Geschichte“, sagt Hermann Auer, der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die Fülle ihrer Themen ordne man jedes Jahr durch ein Motto.
Neue Räume in der Residenz
Rechtzeitig zur Residenzwoche sind zu dem Anlass auch zwei neue Themenräume fertiggestellt worden, die an den Kurfürsten erinnern.
Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil in der Residenz als Münchner Stadtschloss und jahrhundertelangem Hauptsitz der Wittelsbacher Herrscher Max Emanuel bisher gar nicht sichtbar war. Das liege ausnahmsweise mal nicht an Kriegsschäden, sagt Museumsdirektor Christian Quaeitzsch, sondern einfach an ihrer Nutzungsgeschichte, die ständige Veränderung bedeutete.

Max Emanuel war nicht nur eine schillernde, sondern auch eine ambivalente Persönlichkeit. Geboren als langersehnter Stammhalter ließ sein Vater Kurfürst Ferdinand Maria zum Dank für seine Geburt die Theatinerkirche bauen. Max Emanuel habe einerseits gewinnend und charmant das Zusammenspiel mit der höfischen Gesellschaft perfekt beherrscht, so Quaeitzsch. Andererseits sei er ein bedenkenloser Politiker gewesen, nicht sehr an den Untertanen interessiert, der mit dynastischer Machtpolitik unbedingt eine Krone für Bayern erzwingen wollte.
Mit mäßigem Erfolg: Anfangs feierte er zwar noch Siege in den Türkenkriegen und wurde für seinen kaiserlichen Schwiegervater Gouverneur in den Spanischen Niederlanden. Doch die zweite Hälfte seiner Regierungszeit war „ein einziger Fehlschlag“, so Quaeitzsch, er verlor Bayern zwischenzeitlich sogar.

Max Emanuels großer Verdienst, der ihn bis heute zu einer prominenten Person der Geschichte macht, liege bei Kunst und Kultur, bei Errungenschaften, die Bayern heute noch als Spuren barocken Lebens vermarkte, so Quaeitzsch. Das rührte aus seinem Exil am Hof des Sonnenkönigs Ludwigs XIV., nach einer Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg.
Nach seiner Rückkehr von dort 1715 bemühte er sich, verlorenes Prestige als „megalomaner Bauherr“ zurückzugewinnen. Die Schlösser Dachau, Nymphenburg und Schleißheim entstanden. Sein Sinn für Kunst und seine Lust am Gestalten prägten die bayerische Kunstlandschaft nachhaltig. Die von ihm angehäuften Schulden reichten bis ins 19. Jahrhundert hinein, so Quaeitzsch.
In der Residenz gab es bisher keine Spur von ihm
In der Residenz fanden sich bisher kaum Spuren des barocken Lebens. Der junge Max Emanuel hatte sich kurz nach Antritt seiner Regierung neue Wohn- und Gesellschaftsräume einrichten lassen, die wurden aber bei einem Brand 1729 zerstört.
Nur eines der älteren Barockgemächer mit reichen Stuckaturen aus den 1680er-Jahren hat überdauert und diente, kriegsversehrt und baulich verändert, bis vor Kurzem als Depotraum, so Quaeitzsch.

Nun ist es einer der neuen Themenräume, versehen mit restaurierten Fragmenten des ursprünglichen Bildprogramms an den Wänden und ausgestattet mit sehr besonderen Ausstellungsstücken, wie einem reich verzierten Spieltisch und einer von Max Emanuel bestellten monumentalen Silberuhr, deren Gehäuse zugleich als Schauschrank für kurfürstliche Sammlungsstücke diente.
Beeindruckendes Kunsthandwerk zu bewundern
Zu seiner Zeit war diese ein technisches Wunderwerk, erklärt Quaeitzsch. Und sie sei ein Beispiel dafür, wie gut Max Emanuel seine eigene Inszenierung verstand: "Man bekommt gerade erst heraus, wie man Zeit präzise misst. Der Kurfürst inszeniert sich damit als Herr der Zeit, als gottgleich."
Im zweiten Themenzimmer, dem größten der barocken Steinzimmer, einst als kurfürstliches Gästezimmer genutzt, die Max Emanuel in den 1690er-Jahren aufwendig restaurieren und prunkvoll ausstatten ließ, wurden nun seine bislang über die Residenz verteilten Prunkmöbel mit exotischem Schildpatt- und Ebenholzfurnier aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts zusammengestellt.

Niederländische und süddeutsche Kunsthandwerker verzierten Tische, Schränke und Sekretäre bis in die letzten Geheimfächer flächendeckend mit Einlegearbeiten aus graviertem Perlmutt, Elfenbein, Metall und Edelsteinen, deren Bildprogramme die Person des Kurfürsten verherrlichen.
Ab 15. Oktober sind die neuen Räume Teil des Rundgangs – Angebote zur Residenzwoche
Die neuen Themenräume sind ab dem 15. Oktober Teil des regulären Museumsrundgangs in der Residenz und damit Auftakt zur diesjährigen Residenzwoche.
Vom 16. bis 25. Oktober 2026 warten wieder Themenführungen, museumspädagogische Mitmach-Angebote und Konzerte auf die Besucher.
Achtung! Der Vorverkauf startet am Montag, 12. Oktober, um 10 Uhr. Alle Infos und Details unter: residenzwoche.de
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