Polizisten während Amoklauf im OEZ nicht erreichbar

Während des Amoklaufs im OEZ im Juli waren Einsatzkräfte der Polizei minutenlang nicht erreichbar - weil die Funkverbindung streikte. Das bringt jetzt ein interner Bericht ans Licht.
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Manifest Amokläufer München Ali S. Olympia-Einkaufszentrum
dpa Manifest Amokläufer München Ali S. Olympia-Einkaufszentrum

München - Allein die Vorstellung ist erschreckend: Während des Amoklaufs im Olympia Einkaufszentrum (OEZ) herrscht Panik, es gibt Tote und Verletzte. Noch ist nicht klar, ob es ein oder mehrere Täter sind, ob noch weitere Schüsse fallen. Die Einsatzkräfte der Polizei sind mittendrin - und gleichzeitig völlig abgeschnitten von Kollegen und Außenwelt: Denn die polzeiinterne, digitale Funkverbindung funktionierte teils minutenlang nicht.

Die Details stammen aus einem internen Bericht der Polizei

Das bringen Nachforschungen des BR-Politikmagazins Kontrovers und des BR-Hörfunks jetzt ans Licht. Die Reporter beziehen sich auf einen internen Bericht, den das Münchner Polizeipräsidium einige Tage nach dem Amoklauf an das Innenministerium geschickt haben soll.

Demnach sollen einige Polizisten bis zu fünf Minuten lang nicht erreichbar gewesen sein, darunter auch der Einsatzleiter. Laut BR benutzten die Polizisten ihre privaten Handys für dienstliche Alarmierungen - und das, während im OEZ noch geschossen wurde. Der Einsatz privater Mobiltelefone ist allerdings verboten - und funktionierte auch nur so lange, bis eines der Telefonnetze in der Umgebung zusammengebrochen war.

Das zuständige Innenministerium sieht offenbar keine Probleme

Der für die Einführung des abhörsicheren Digitalfunks zuständige Innenstaatssekretär Gerhard Eck will laut BR von den gewaltigen Funk-Problemen nichts wissen: "Mir liegen keine Unterlagen vor, die eine Störung von drei bis fünf Minuten vorgeben. Ich habe die klare Antwort erhalten, dass es nicht einmal bei jedem Gespräch, sondern nur ab und zu zwei Sekunden gedauert hat", sagte Eck dem BR. Der Digitalfunk sei ein "ganz tolles Einsatzgerät", das bereits 97 Prozent der Fläche Bayerns abdecke und damit besser sei als alles, was die Polizei bisher zum Funken zur Verfügung hatte.

Die Probleme treten offenbar immer nur bei sogenannten "Großlagen" auf: Immer dann, wenn viele Polizeiautos vor Ort sind und eine Vielzahl von Beamten gleichzeitig funken müssen. Die Folge: Teils sollen sich die Einsatzkräfte nicht ins Funknetz einbuchen können, teils fällt offenbar die GPS-Ortung aus. Auch ganze Funksprüche werden scheinbar verschluckt. Ähnliches soll auch im Februar passiert sein, während der Sicherheitskonferenz in München.

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Auch teils innerhalb großer Gebäude oder in unterirdischen Anlagen wie den U-Bahnen in München funktioniert der Digitalfunk nicht. Laut der BR-Recherche gibt es neben der U-Bahn noch rund 200 weitere Münchner Bauwerke, die nachzurüsten wären: So auch die Terminalgebäude am Münchner Flughafen - was Experten zufolge im Fall eines Großbrandes wie am Düsseldorfer Airport oder eines Terroranschlags ein gravierendes Sicherheitsrisiko darstellt.

Nachrüstung verursacht hohe Kosten

Ob und wann eine Nachrüstung erfolgt, hat vor allem mit der Frage der Übernahme der Kosten zu tun. Im Fall des Flughafens haben sich Polizei und die Münchner Flughafengesellschaft laut BR bereits geeinigt: Die notwendigen Anlagen für den Digitalfunk werden installiert. Bis zur Fertigstellung dürften allerdings noch Monate vergehen.

Allein die Einführung des Digitalfunks in Bayern hat über eine Milliarde Euro gekostet. Seit Sommer kommunizieren damit nun alle bayerische Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Dazu zählen rund 450.000 Helfer von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, THW, Zoll sowie die Polizeien von Bund und Ländern.

 

Die Lage zum Digitalfunk ist heute Abend auch Thema in der Sendung "Kontrovers", um 21 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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