Polizei warnt vor Monster-Böllern

Vor Silvester kaufen die Deutschen Feuerwerk für Millionen. Experten raten: Finger weg von ausländischen Knaller.
| Thomas Gautier
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An Silvester kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen. Grund dafür ist zum einen der falsche Umgang mit Feuerwerkskörpern, aber auch illegal eingeführte Böller aus Nachbarländern wie Polen.
dpa 9 An Silvester kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen. Grund dafür ist zum einen der falsche Umgang mit Feuerwerkskörpern, aber auch illegal eingeführte Böller aus Nachbarländern wie Polen.
Häufig beinhalten Böller aus dem Ausland neben dem Schwarzpulver auch Metalle, dadruch knallt es lauter - es kommt jedoch auch zu unkalkulierbaren Gefahren.
dpa 9 Häufig beinhalten Böller aus dem Ausland neben dem Schwarzpulver auch Metalle, dadruch knallt es lauter - es kommt jedoch auch zu unkalkulierbaren Gefahren.
In Potsdam hat sich ein 21-jährige an Weihnachten beim Anzünden eines selbstgebastelten Böllers seine Hand abgerissen.
dpa 9 In Potsdam hat sich ein 21-jährige an Weihnachten beim Anzünden eines selbstgebastelten Böllers seine Hand abgerissen.
Die Haftstrafen bei illegalen Feuerwerkskörpern gehen bis zu zwei Jahre, häufig aber gibt es Geldstrafen, die durchaus bis zu 9000 Euro reichen können.
dpa 9 Die Haftstrafen bei illegalen Feuerwerkskörpern gehen bis zu zwei Jahre, häufig aber gibt es Geldstrafen, die durchaus bis zu 9000 Euro reichen können.
Auch solche Jugendstreiche führen häufig zu Verletzungen oder Sachschäden.
dpa 9 Auch solche Jugendstreiche führen häufig zu Verletzungen oder Sachschäden.
Beim Einkauf sollten Verbraucher auf die BAM-Identifikationsnummer achten. Diese weist nach, dass
Böller, Raketen oder Batterien den Segen der Materialprüfer erhalten haben.
dpa 9 Beim Einkauf sollten Verbraucher auf die BAM-Identifikationsnummer achten. Diese weist nach, dass Böller, Raketen oder Batterien den Segen der Materialprüfer erhalten haben.
Besonders gefährliche Marken sind unter anderem die "Cobra" aus Österreich oder "La Bomba" und "Colour Salute" aus Polen oder Tschechien. "La Bomba" hat 2,9 Gramm Netto-Explosivstoff, das ist sehr viel: Wenn man das in der Faust hält und anzündet, zerfetzt es einem buchstäblich die Hand.
dpa 9 Besonders gefährliche Marken sind unter anderem die "Cobra" aus Österreich oder "La Bomba" und "Colour Salute" aus Polen oder Tschechien. "La Bomba" hat 2,9 Gramm Netto-Explosivstoff, das ist sehr viel: Wenn man das in der Faust hält und anzündet, zerfetzt es einem buchstäblich die Hand.
In keinem Fall sollten Feuerwerkskörper aus der Hand gezündet werden.
dpa 9 In keinem Fall sollten Feuerwerkskörper aus der Hand gezündet werden.
Mit der richtigen Vorbreitung steht einem um Mitternacht dann auch nichts mehr im Weg für ein unvergessliches Silvester.
Martha Schlüter 9 Mit der richtigen Vorbreitung steht einem um Mitternacht dann auch nichts mehr im Weg für ein unvergessliches Silvester.

Vor Silvester kaufen die Deutschen Feuerwerk für Millionen. Experten raten: Finger weg von ausländischen Knallern.

München - Es sind nur drei Tage, aber für die Feuerwerksbranche sind sie der Knaller: Vier Tage vor Silvester dürfen die Deutschen wieder Böller und Raketen kaufen, der Handel hofft auf einen Umsatz von 113 Millionen Euro.

Manchen reichen die normalen Knaller aus Deutschland aber nicht – sie suchen stärkere, und sie finden sie im Ausland. Deshalb warnt die Polizei jetzt vor den so genannten „Polenböllern“. Sie gelten als besonders gefährlich und können katastrophale Folgen haben – körperlich wie finanziell.

AZ: Grüß Gott, Herr Gust – zunächst: Woran erkenne ich illegale Feuerwerkskörper?
JÜRGEN GUST: Sie haben keine CE-Zertifizierung und keine Kenn-Nummer der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) oder einer anderen nationalen Prüfstelle. Für die BAM ist das die 0589. Bei legalem Feuerwerk ist auch die Klasse angegeben, für erlaubte Pyrotechnik ist das die Kategorie II. Ich muss aber sagen: Illegal ist nicht nur Pyrotechnik aus Osteuropa - auch die der Schweiz, Österreich oder Italien hat eine erhebliche Sprengwirkung und ist bei uns ohne Zertifizierung nicht genehmigt.

Viele besorgen sich solche Böller hinter der Grenze – wie viele Menschen betrifft das denn genau?
Die bayerische Polizei stellt jedes Jahr 2,5 bis 3,5 Tonnen illegale Pyrotechnik sicher - dazu kommt das, was die Bundespolizei auf Autobahnen konfisziert. Nach Abschluss der Ermittlungen wird sie verbrannt oder im Rahmen einer Sprengung vernichtet.

Was droht, wenn man mit illegalen Feuerwerkskörpern erwischt wird?
Die Haftstrafen gehen bis zu zwei Jahre, häufig aber gibt es Geldstrafen, die durchaus bis zu 9000 Euro reichen können. In einem Fall bekam jemand 2500 Euro Strafe, dabei hatte er nur fünf kleine Päckchen Reibekracher eingeführt. Die sind kleiner als ein kleiner Finger – aber extrem gefährlich.

Was kann schlimmstenfalls passieren?
Man kann sterben. Vergangenes Jahr in Moosach wurde einem Münchner italienische Pyrotechnik zum Verhängnis: Ein Kracher riss ihm den Bauchraum auf. Daran wäre er fast gestorben.

Gibt es besonders gefährliche Marken?
Sehr viele. Einige Beispiele sind „Cobra“ aus Österreich oder „La Bomba“ und „Colour Salute“ aus Polen oder Tschechien. „La Bomba“ hat 2,9 Gramm Netto-Explosivstoff, das ist sehr viel: Wenn man das in der Faust hält und anzündet, zerfetzt es einem buchstäblich die Hand.

Was macht sie denn so gefährlich?
Erstens: Es ist mehr Sprengstoff drin. Zweitens: Der Sprengstoff ist anders als bei uns, es ist Blitzknallsprengstoff, der in Deutschland verboten ist. Der enthält Magnesium, das die Hitze erhöht, sowie Aluminium, das den Druck erhöht – die Wirkung einer Explosion ist somit stärker und geschieht schneller. Drittens ändern sich die Zusammensetzungen oft, da sie keiner offiziellen Prüfung unterliegen. Man weiß nie, welche Wirkstoffe sich tatsächlich in den Böllern befinden. Gefährlich sind auch Zündschnüre: In Deutschland prüft die BAM, dass jede gleich schnell abbrennt. Bei illegaler Pyrotechnik kann man davon nicht ausgehen, so dass es auch hier zu unvorhergesehenen Verletzungen kommen kann. Man zündet sie neu an und hat dann weniger Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Sind illegale Raketen auch gefährlich?
Eigentlich nicht. Sie explodieren ja in großer Höhe. Gefährlich sind eher Batterien. Die haben bis zu 150 Schuss, die mit ein paar hundert Metern in der Sekunde durch die Luft fliegen. Wenn die Batterie umfällt, wird sie zur Stalin-Orgel. Die kleinen Kugeln aus Pappe werden zu tödlichen Geschossen. Gefährlich an illegalen Batterien ist auch der Verschluss aus Gipspropfen: Vor mehreren Jahren wurde ein kleines Mädchen von einem solchen am Kopf getroffen – es erlitt eine Gehirnschwellung und starb daran.

Also: Auf BAM- und CE-Zertifizierung achten...
Und wenn Sie sich noch an die Sicherheitshinweise halten, sollte grundsätzlich nichts passieren. An Silvester sind leider viele alkoholisiert und vergessen einfach, wie gefährlich dieses Zeug ist – ob legal oder illegal.

Sprengfieber: 40.000 Tonnen Feuerwerk

2010 wurden laut dem Statistischen Amt 40.400 Tonnen Feuerwerk im Wert von 76 Millionen Euro nach Deutschland eingeführt – ein Anstieg von elf Prozent im Vergleich zu 2009. Der Hauptlieferant ist China, von dort stammen 97 Prozent aller Feuerwerkskörper.

Besonders gefragt sind Klassiker wie Wunderkerzen, Raketen und Kracher. Laut dem Geschäftsführer des Verbandes der Pyrotechnischen Industrie (VPI), Klaus Gotzen, dürfen deutsche Knaller dieses Jahr viel mehr Explosiv-Masse enthalten als vorher. Batterien etwa dürfen nun bis zu 500 Gramm „Netto-Explosiv-Stoffmasse“ erhalten, in Sonderfällen sind es sogar 600 Gramm. Üblich waren früher 200 Gramm. Zugelassen sind auch Batterien, deren Feuerwerk leicht schräg in den Himmel schießt.

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