Polizei sprengt Fahrrad-Bande: Luxus-Räder in München sichergestellt

22 sehr teure und hochwertige Räder sind aus einer Wohnanlage in Neuperlach aus gesicherten Kellern verschwunden. Der Kripo ist es gelungen, eine Bande aus vier jungen Männern aus Hamburg festzunehmen. Drei Besitzer bekamen ihre Räder jetzt zurück. Was sie erzählen. 
von  Ralph Hub
Im Polizeipräsidium erhalten drei der geschädigten Münchner ihre Fahrräder durch die Ermittler zurück.
Im Polizeipräsidium erhalten drei der geschädigten Münchner ihre Fahrräder durch die Ermittler zurück. © Ralph Hub

Die Erleichterung ist Heike, Christian und Tim anzusehen, als die drei Neuperlacher insgesamt sechs Fahrräder am Dienstag im Präsidium abholen können. Manche der aus Carbon gefertigten Sportgeräte haben über 10.000 Euro pro Stück gekostet. Gestohlen wurden sie quasi auf Bestellung von einer Bande aus Hamburg. Verkauft werden sollten die Bikes nach Russland, wo wegen der internationalen Sanktionen Hightech-Räder aus dem Westen Mangelware sind.

Kein billiges Hobby: Radl aus Carbon

Radfahren ist die große Leidenschaft von Christian H. "Ich habe keine Kinder", sagt er und lächelt dabei etwas verlegen. "Daher kann ich mir so ein teures Hobby leisten." Sein teuerstes und liebstes Sportgerät, eine Spezialanfertigung für deutlich mehr als 15.000 Euro, hatten die Diebe zum Glück nicht erwischt. "Das Rennrad steht immer in meiner Wohnung", erzählt Christian H. Das Bike lässt er nicht aus den Augen, kein Wunder bei dem Wert. Doch seine anderen beiden Räder, ein Gravel Bike und ein Mountainbike für insgesamt immerhin noch rund 18.000 Euro, waren Mitte September plötzlich verschwunden. Allesamt gestohlen von einer gut organisierten Bande. Die Räder standen abgeschlossen und gut gesichert in Kellern einer großen Wohnanlage in Neuperlach. Die Diebe haben dabei auch teures Zubehör wie Radlcomputer mitgehen lassen. "Alleine das Kurbelgarnitur-Gestänge von Shimano hat rund 1.300 Euro gekostet", erzählt Christian H.

Drei glückliche Radlbesitzer haben ihre Räder zurück: Heike B., Christian H. und Tim P. (v.l.) holen ihre gestohlenen Fahrräder im Polizeipräsidium ab. Die mutmaßlichen Diebe, vier Männer aus Hamburg, sitzen in Untersuchungshaft.
Drei glückliche Radlbesitzer haben ihre Räder zurück: Heike B., Christian H. und Tim P. (v.l.) holen ihre gestohlenen Fahrräder im Polizeipräsidium ab. Die mutmaßlichen Diebe, vier Männer aus Hamburg, sitzen in Untersuchungshaft. © Ralph Hub

Trotz Sicherung sind die Räder verschwunden

Der Schock saß tief auch bei Tim P. Bei ihm verschwanden aus seinem gesicherten Kellerabteil drei teure Räder: ein Mountainbike (7.500 Euro), ein Rennrad (3.500 Euro) und ein Gravel Bike (3.500 Euro). "Ich habe die Räder reduziert, für etwa den halben Preis gekauft", sagt er. Der leidenschaftliche Radfahrer ist damit mehrmals die Woche zwischen Uni und Arbeit unterwegs, er radelt 20 Kilometer durch den Perlacher Forst. Als seine Räder verschwanden, war er gerade in Urlaub in Indonesien, mehr als 10.000 Kilometer von zu Hause entfernt. Dort erreichte ihn die Hiobsbotschaft. "Man fühlt sich in so einem Moment absolut machtlos und ist auch geschockt", sagt er. Tim P. lebt auch in derselben Wohnanlage in Neuperlach wie Christian H.. Die dritte Geschädigte, Heike B., ebenso. Mit 2.300 Euro war ihr Gravel Bike im Vergleich zu den anderen Fahrrädern geradezu ein Schnäppchen.

Im September begann die Diebstahlsserie

Die Serie von Radldiebstählen in Neuperlach begann am 19. September. 22 hochwertige und extrem teure Räder verschwanden. "Der Gesamtschaden belief sich auf rund 100.000 Euro", sagt Caroline Schmidt vom Kommissariat 53.

Bei einer nicht ganz so zufälligen Kontrolle gingen den Ermittlern wenig später vier Männer aus Hamburg im Alter von 18 bis 22 Jahren ins Netz. Das Trio saß am 22. September in einem Auto, in der Nähe parkte ein Lieferwagen, vollgepackt mit gestohlenen Rädern, bereit zum Abtransport in Richtung Russland. Der Fahrer wurde ebenfalls festgenommen. "Er konnte nachweisen, dass er nicht wusste, dass die Ladung gestohlen war", sagt Florian Ruchty, Chef der "Arbeitsgruppe Fahrraddiebstahl". Die Verdächtigen sitzen in U-Haft. In Hamburg sind sie von einem Gericht wegen Radldiebstahls verurteilt worden. Danach wichen sie nach München aus, ein Fehler, wie sie jetzt wissen.

Caroline Schmidt und Florian Ruchty vom Kommissariat 53.
Caroline Schmidt und Florian Ruchty vom Kommissariat 53. © Ralph Hub

19 der insgesamt 22 gestohlenen Räder konnten ihren Besitzern inzwischen wieder zurückgegeben werden, weil sie die Rahmennummern der Räder notiert hatten, bzw. Fotos angefertigt hatten.

Noch mehr geklaute Fahrräder

Weitere sichergestellte Fahrräder, deren Besitzerinnen und Besitzer noch nicht ermittelt werden konnten, können auf der Webseite der Polizei Bayern unter dem Portal "digitales Fahrraddepot" aufgerufen werden. Die Plattform ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern, nach ihren gestohlenen oder abhandengekommenen Fahrrädern zu suchen. Aktuell sind über 290 Fahrräder online eingestellt und für jedermann recherchierbar.

Daher bittet die Polizei, Bürgerinnen und Bürger, welchen Fahrräder abhandengekommen sind, die Plattform zu nutzen, um nach ihren gestohlenen oder verlorenen Fahrrädern zu suchen. Sollten Sie ein Fahrrad wiedererkennen, sollten die Betreffenden mit dem Fahrraddepot München Kontakt aufnehmen. Nutzen Sie hierzu das Kontaktformular oder kontaktieren Sie die Polizei telefonisch unter der Telefonnummer 089/74356-142. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite der Bayerischen Polizei: https://www.polizei.bayern.de/fahndung/sachen/sichergestellte-gegenstaende/index.html

Die weiteren Ermittlungen zu den Einbruchsdelikten führt das Kommissariat 53. Hinweis der Münchner Polizei:
Von Seiten des K 53 – AG Fahrraddiebstahl wird dringend empfohlen, sowohl ein Foto wie auch die Rahmennummer des Fahrrades abzulegen. So kann im Falle eines Diebstahls eine schnelle Zuordnung erfolgen.

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