"Gewaltige kriminelle Energie": Polizei mit neuen Details zur Abzocke in bekanntem Münchner Wirtshaus
Update 8. Mai, 10.21 Uhr: Bei der verdächtigen Person, die am Donnerstag festgenommen wurde und sich als einzige weiterhin in Polizeigewahrsam befindet, soll es sich laut Polizei um einen 25 Jahre alten Vietnamesen handeln. Er wird im Laufe des Freitags dem Ermittlungsrichter vorgeführt.
Die Durchsuchungen der über 50 Objekte in München, im Landkreis und in Oberbayern Nord dauerten rund zehn Stunden. Erst gegen 19 Uhr wurden die letzten Polizeikräfte abgezogen.
Laut Spatenhaus-Sprecherin liegen keine Hinweise vor, "dass es außerhalb des Spatenhauses in anderen Betrieben der Gruppe Unregelmäßigkeiten gegeben" habe. Die Betreiber Sebastian und Stephan Kuffler wollen zunächst keine weitere Stellungnahme zu den Vorfällen abgeben.
Ursprungsmeldung: Einen krassen Verdacht hegten die Brüder Sebastian und Stephan Kuffler, die das Spatenhaus an der Oper betreiben: Hat ein Teil der Mitarbeiter sich zusammengetan, um sie systematisch zu betrügen und Geld abzuzweigen?
Selbst nach der Corona-Pandemie habe sich das Restaurant "Spatenhaus an der Oper" finanziell nicht erholt, schreiben die Wirte am Donnerstag in einer Mitteilung, in der sie die ganze Aktion beschreiben. "Alle Maßnahmen der Geschäfts- und Betriebsleitung zeigten keine Wirkung."
Spatenhaus an der Oper: Hat eine kriminelle Bande die Betreiber abgezockt?
Darum wurde der Verdacht größer, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht – und dass einzelne Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen "betrügerisches Verhalten" an den Tag legen, wie sie schreiben.

Sie kontaktierten daraufhin nach eigenen Angaben die Münchner Polizei, die zu ermitteln begann. Dabei sei die Kriminalpolizei "einer organisierten Bande aus Teilen der Mitarbeitenden auf die Spur" gekommen. "Mutmaßlich seit Jahren" hätten die sie betrogen, so der Verdacht.
Laut den Kufflers wurden die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Sie würden zeigen, dass es sich "um einen klassischen Fall sogenannter 'Innentäter'" handle. Dabei würde "ausschließlich der Arbeitgeber" geschädigt, nicht aber die Gäste.
Wie die Münchner Polizei am Donnerstagmittag informiert, gibt es bei dem Fall 50 verdächtige Personen. Im März des vergangenen Jahres sei die Polizei informiert worden.
Es wurden am Donnerstag ab 9 Uhr vormittags über 50 Objekte in München, im Landkreis und in Oberbayern Nord durchsucht, aber auch Spinde im Spatenhaus an der Oper. Dabei seien rund 130 Polizisten im Einsatz gewesen. Die haben elektronische Speichermedien, Laptops und Bargeld gefunden und sichergestellt. Außerdem: Betäubungsmittel in geringem Umfang und eine sogenannte Langwaffe.
Bei den Durchsuchungen hat die Polizei 44 Verdächtige Personen angetroffen. Bis auf eine, wurden alle nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen. Eine Person wird dem Haftrichter vorgeführt.
Von den 50 Tatverdächtigen sind 45 Männer und fünf Frauen, im Alter zwischen 25 und 69 Jahren. Die meisten sind Deutsche, Vietnamesen und Kroaten, es sind aber noch Personen mit 17 anderen Staatsangehörigkeiten dabei.
Der Verdacht: Die betrügerischen Mitarbeiter sollen bestelltes Essen nicht in der Kasse registriert und abgerechnet haben, wenn Kunden bar bezahlt haben. Teilweise hätten die Verdächtigen auch Lebensmittel gestohlen.
Den Tatverdächtigen wird unter anderem schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen.
Noch seien nicht alle polizeilichen Maßnahmen abgeschlossen, sagt die Polizei am Donnerstagnachmittag.
Kufflers über Betrug: "Gewaltige kriminelle Energie"
Der Fall sei so krass, dass selbst die Polizei nicht "mit dem Ausmaß an Dreistigkeit einzelner Täter*innen", den "bandenmäßigen Strukturen" und der "gewaltigen kriminellen Energie" gerechnet hätte, so die Kufflers weiter.
"Mein Bruder und ich sind zutiefst erschüttert. Menschen, denen wir selbst in privaten Belangen zur Seite standen, haben uns über viele Jahre hinweg auf das Perfideste belogen und bestohlen", sagt Stephan Kuffler. "Es bleiben gewaltige Enttäuschung und zerrüttetes Vertrauen."
Wie hoch der Schaden ist, steht laut Polizei noch nicht fest, er könne sich aber "möglicherweise im sechsstelligen Bereich" bewegen.
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