Polizei jagt zwei jugendliche Diebe: Hetzjagd durch Haidhausen

„Folgen Sie den Typen!“ Eine Verfolgung zu Fuß, in der Tram und in mehreren Autos gerät filmreif – auch weil Unbeteiligte mithelfen
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Hetzjagd durch München: Jürgen Scheffler und Stefan Funk jagten zwei jugendliche Taschenräuber
Daniel von Loeper Hetzjagd durch München: Jürgen Scheffler und Stefan Funk jagten zwei jugendliche Taschenräuber

MÜNCHEN - „Folgen Sie den Typen!“ Eine Verfolgung zu Fuß, in der Tram und in mehreren Autos gerät filmreif – auch weil Unbeteiligte mithelfen

Da sind Münchens Polizisten mal aufgetreten, als wären sie in Hollywood. In einer filmreifen Verfolgungsjagd brachten sie zwei Jugendliche zur Strecke, die einer Schülerin den Geldbeutel geklaut hatten. Zu Fuß und mit den Autos zweier Münchner gelang es ihnen schließlich, eine Tram zu stoppen, mit der die Diebe flüchten wollten.

Zeugen hatten beobachtet, wie zwei Schüler (14 und 16) im Park hinter dem Hilton Hotel an der Rosenheimer Straße eine Handtasche durchwühlten. Sie schnappten sich daraus den Geldbeutel und warfen den Rest in die Büsche. Als zwei Polizisten auftauchten, flüchtete das Duo. Sie rannten durch den Park zur Kellerstraße, weiter in die Pütrichstraße und versuchten, so ihre Verfolger abzuschütteln.

„Ihr Vorsprung betrug manchmal 100 bis 150 Meter“, erzählt Polizeioberkommissar Jürgen Scheffler. Er und Kollegen der PI 21 sowie der 1. Einsatzhundertschaft ließen nicht locker. Die Jugendlichen rannten die Preysingstraße entlang, die Steinstraße runter bis zur Milchstraße. Fast wäre es ihnen gelungen, die Polizisten im Trubel des Haidhauser Weihnachtsmarktes abzuschütteln.

Die Polizisten stoppten deshalb einen Mercedes. „Folgen Sie den beiden Typen!“, rief Jürgen Scheffler außer Atem. Der Mercedesfahrer, ein urgemütliches Münchner Mannsbild mit Vollbart, gab Vollgas. Ein junger Polizist rannte den beiden Jugendlichen auf dem Gehweg hinterher.

In der Nähe der Milchstraße sprangen die Schüler in eine Trambahn der Linie 25. Ein Polizist in Zivil klopfte noch gegen die Seitenscheibe. Doch der Tramfahrer reagierte nicht und fuhr weiter.

Während der Verfolgungsjagd baten die Polizisten schließlich einen weiteren Autofahrer um Hilfe. Einige Beamte sprangen zu ihm in seinen roten Geländewagen. Weiter ging die wilde Jagd.

Auf Höhe des Rosenheimer Platz schnitt eine weitere Streife der Tram den Weg ab, stellte ihr Polizeiauto quer über die Gleise. Endstation für die Diebe. Der 16-jährige Münchner versuchte, sich in der vollbesetzen Tram möglichst unsichtbar zu machen: Er drängelte sich zwischen die Passagiere und hoffte, die Beamten würden ihn übersehen. Doch er hatte Pech.

Sein Kumpel, ein 14-jähriger Münchner, flüchtete weiter. Er sprang aus der Tram und rannte in die Weißenburger Straße. Inzwischen waren eine Menge Passanten auf den Flüchtenden aufmerksam geworden. „Hier läuft er!“, riefen sie den Polizisten zu. Ein Münchner aus der Menge reagierte geistesgegenwärtig – und ein bisschen wie ein Verteidiger beim Fußball: Mit gestreckten Beinen sprang er dem Schüler zwischen die Füße – Blutgrätsche! Der 14-Jährige verlor das Gleichgewicht und knallte auf das Pflaster. Noch bevor er sich wieder aufrappeln konnte, hatten ihn mehrere Polizisten schon gepackt.

„Es war schön zu erleben“, erzählt Polizeioberrat Stephan Funk stolz, „wie uns die Menschen auf der Straße unterstützt und dabei geholfen haben, die Täter zu fangen.“

Beide Schüler wurden abgeführt. Bei der Vernehmung verpfiffen sie später noch zwei Freunde: Die sollen an dem Handtaschendiebstahl ebenfalls beteiligt gewesen sein. Einer ist bereits gefasst, der vierte Teenager, angeblich der Haupttäter, ist noch flüchtig. Gegen alle vier wird wegen Diebstahl ermittelt. Ihre Beute: läppische fünf Euro. Ralph Hub

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren