Plötzlich verboten: Warum Radler im Olympiapark nicht mehr über Brücken fahren dürfen

Im Münchner Olympiapark sorgen plötzlich neue Schilder für Verwirrung: Radfahrer dürfen viele Brücken nicht mehr befahren, weil ihre Geländer angeblich zu niedrig sind – wegen einer 23 Jahre alten Regel. Stadt, Stadtwerke und Denkmalschutz ringen nun um eine schnelle Lösung.
von  Jan Krattiger
Kleine Schilderkunde: Das Verkehrszeichen 239 bezeichnet einen Gehweg. Bedeutet: Hier müssen Radfahrer absteigen. Die Schilder stehen seit März da, weil die Geländer an der Brücke zu niedrig sind – seit 23 Jahren.
Kleine Schilderkunde: Das Verkehrszeichen 239 bezeichnet einen Gehweg. Bedeutet: Hier müssen Radfahrer absteigen. Die Schilder stehen seit März da, weil die Geländer an der Brücke zu niedrig sind – seit 23 Jahren. © Jan Krattiger

Es ist vor allem eine Kuriosität, die sich in den vergangenen Monaten im Olympiapark abgespielt hat – und die gar nicht so leicht nachzuzeichnen ist. Denn so richtig tiefer gehend darüber sprechen möchten weder der Olympiapark noch die Stadtwerke, die daran beteiligt sind.

Seit März stehen nämlich links und rechts an den beiden Enden vieler Brücken im Olympiapark neue Schilder. Es ist das Verkehrszeichen 239, das einen Gehweg bezeichnet.

Das Verkehrszeichen 239: Hier müssen Fahrradfahrer absteigen und schieben.
Das Verkehrszeichen 239: Hier müssen Fahrradfahrer absteigen und schieben. © Jan Krattiger

Der Grund, warum diese Schilder nun dort stehen, ist aber bereits 23 Jahre alt. Damals hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) die, Obacht langer Begriff, Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten, kurz ZTV-ING veröffentlicht.

Und diese Richtlinien beinhalten eine Mindesthöhe von Brückengeländern von 1,30 Metern, solche mit 1,20 Metern Höhe würden noch geduldet. Dann dürften Radfahrer sie befahren.

Plötzlich Gefahr? Warum im Olympiapark keine Radler mehr über die Brücken fahren dürfen

"Leider erfüllen die fraglichen Brücken im Olympiapark auch die geduldete Mindesthöhe nicht", heißt es von der Stadt. Darum stehen nun seit März dieses Jahres (!) die Schilder an den Brücken. Und seither müssten Radfahrer eigentlich absteigen und laufen.

"Bis zu einer Sanierung der Brückenbauwerke sehen wir uns gezwungen, die Brücken nur noch für Fußgänger freizugeben", so die Antwort der Stadt auf die Anfrage eines Bürgers auf der Meldeplattform Radverkehr der Stadt.

Eigentlich verboten: Weil die Geländer nicht hoch genug sind, dürfte man sein Radl über diese Brücke nur schieben.
Eigentlich verboten: Weil die Geländer nicht hoch genug sind, dürfte man sein Radl über diese Brücke nur schieben. © Jan Krattiger

Wenig überraschend zeigt ein Augenschein der AZ im Park: Die Schilder finden bei Radfahrern wenig Beachtung. Viele radeln wahrscheinlich seit Jahren durch den Park, warum sollte da so ein neues Schild auffallen?

Nach 23 Jahren: Plötzlich Fahrverbot für Radler im Olympiapark

Aber warum stehen sie jetzt plötzlich da, 23 Jahre nachdem diese Verordnung veröffentlicht wurde – und in denen Münchnerinnen und Münchner nichts ahnend und problemlos über die Brücken geradelt sind? Eine Nachfrage bei den Stadtwerken gestaltet sich ähnlich zäh wie bei der Olympiapark GmbH. Man verweist gerne aufeinander, um konkrete Fragen zu beantworten.

Klar ist: Die Stadtwerke sind für die Verkehrssicherung für einen Großteil des Parks zuständig. Die Stadtwerke haben auch veranlasst, dass die Schilder im März aufgestellt wurden. Ganz konkret am 24. März, wie ein Sprecher der AZ verrät.

Es handelt sich um fünf Brücken im Olympiapark, die betroffen sind. Bei einer Bauwerksprüfung im Jahr 2025 sei das Thema aufgekommen, so der Sprecher.

Absturzgefahr? Weil die Brückengeländer nicht der Norm entsprechen, darf man sie mit dem Rad eigentlich seit 23 Jahren nicht mehr befahren. Entsprechende Schilder stehen seit März da.
Absturzgefahr? Weil die Brückengeländer nicht der Norm entsprechen, darf man sie mit dem Rad eigentlich seit 23 Jahren nicht mehr befahren. Entsprechende Schilder stehen seit März da. © Jan Krattiger

Genehmigung und Denkmalschutz

Die Geländer anzupassen oder auszutauschen, ist gar nicht so einfach. Das Olympiaparkgelände steht unter Denkmalschutz.

"Daher haben wir hohe Hürden bei Veränderungen; alle Maßnahmen müssen im Vorfeld genehmigt werden", so die Stadt. Oder es gibt eine Ausnahmegenehmigung.

Die Stadt vermutet außerdem, es sei "in den originalen Konzepten vermutlich nicht vorgesehen" gewesen, dass Radfahrer die Brücken nutzen. Darum wurden die Geländer 1972 für Fußgänger konzipiert.

Wie es mit den Brücken nun weitergeht? Noch offen. So lange müssten Radfahrer eigentlich absteigen und laufen.

Immerhin: Der AZ wird versichert, die Stadtwerke seien intensiv dabei, eine unbürokratische Lösung zu finden, die rasch umgesetzt werden kann.

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