Plötzlich verboten: Warum Radler im Olympiapark nicht mehr über Brücken fahren dürfen

Es ist vor allem eine Kuriosität, die sich in den vergangenen Monaten im Olympiapark abgespielt hat – und die gar nicht so leicht nachzuzeichnen ist. Denn so richtig tiefer gehend darüber sprechen möchten weder der Olympiapark noch die Stadtwerke, die daran beteiligt sind.
Seit März stehen nämlich links und rechts an den beiden Enden vieler Brücken im Olympiapark neue Schilder. Es ist das Verkehrszeichen 239, das einen Gehweg bezeichnet.

Der Grund, warum diese Schilder nun dort stehen, ist aber bereits 23 Jahre alt. Damals hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) die, Obacht langer Begriff, Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten, kurz ZTV-ING veröffentlicht.
Und diese Richtlinien beinhalten eine Mindesthöhe von Brückengeländern von 1,30 Metern, solche mit 1,20 Metern Höhe würden noch geduldet. Dann dürften Radfahrer sie befahren.
Plötzlich Gefahr? Warum im Olympiapark keine Radler mehr über die Brücken fahren dürfen
"Leider erfüllen die fraglichen Brücken im Olympiapark auch die geduldete Mindesthöhe nicht", heißt es von der Stadt. Darum stehen nun seit März dieses Jahres (!) die Schilder an den Brücken. Und seither müssten Radfahrer eigentlich absteigen und laufen.
"Bis zu einer Sanierung der Brückenbauwerke sehen wir uns gezwungen, die Brücken nur noch für Fußgänger freizugeben", so die Antwort der Stadt auf die Anfrage eines Bürgers auf der Meldeplattform Radverkehr der Stadt.

Wenig überraschend zeigt ein Augenschein der AZ im Park: Die Schilder finden bei Radfahrern wenig Beachtung. Viele radeln wahrscheinlich seit Jahren durch den Park, warum sollte da so ein neues Schild auffallen?
Nach 23 Jahren: Plötzlich Fahrverbot für Radler im Olympiapark
Aber warum stehen sie jetzt plötzlich da, 23 Jahre nachdem diese Verordnung veröffentlicht wurde – und in denen Münchnerinnen und Münchner nichts ahnend und problemlos über die Brücken geradelt sind? Eine Nachfrage bei den Stadtwerken gestaltet sich ähnlich zäh wie bei der Olympiapark GmbH. Man verweist gerne aufeinander, um konkrete Fragen zu beantworten.
Klar ist: Die Stadtwerke sind für die Verkehrssicherung für einen Großteil des Parks zuständig. Die Stadtwerke haben auch veranlasst, dass die Schilder im März aufgestellt wurden. Ganz konkret am 24. März, wie ein Sprecher der AZ verrät.
Es handelt sich um fünf Brücken im Olympiapark, die betroffen sind. Bei einer Bauwerksprüfung im Jahr 2025 sei das Thema aufgekommen, so der Sprecher.

Genehmigung und Denkmalschutz
Die Geländer anzupassen oder auszutauschen, ist gar nicht so einfach. Das Olympiaparkgelände steht unter Denkmalschutz.
"Daher haben wir hohe Hürden bei Veränderungen; alle Maßnahmen müssen im Vorfeld genehmigt werden", so die Stadt. Oder es gibt eine Ausnahmegenehmigung.
Die Stadt vermutet außerdem, es sei "in den originalen Konzepten vermutlich nicht vorgesehen" gewesen, dass Radfahrer die Brücken nutzen. Darum wurden die Geländer 1972 für Fußgänger konzipiert.
Wie es mit den Brücken nun weitergeht? Noch offen. So lange müssten Radfahrer eigentlich absteigen und laufen.
Immerhin: Der AZ wird versichert, die Stadtwerke seien intensiv dabei, eine unbürokratische Lösung zu finden, die rasch umgesetzt werden kann.