Pfarrer Schießler verlässt die Nazarethkirche – und nun?
Nun steht sie wieder leer: die evangelische Nazarethkirche in der Parkstadt Bogenhausen. Bis Sonntag hatte sie dem katholischen Pfarrer Rainer Maria Schießler und dessen Gemeinde Asyl gegeben, denn Schießlers Kirche St. Maximilian wird saniert.
Mit der beliebten Viecherlmesse am 4. Juli hat sich Schießler nun wieder verabschiedet aus der Nazarethkirche. Bis er voraussichtlich im Herbst wieder in seine alte Kirche zurückkann, will er in den kommenden Monaten Gottesdienste auch unter freiem Himmel feiern.
Debatte um Nutzung der Nazarethkirche entbrannt
Derweil ist um die Nutzung der Nazarethkirche in der Barbarossastraße eine Debatte entbrannt. Am 28. September 2025 ist sie entwidmet worden. Die Evangelisch-Lutherische Kirche will sich von zahlreichen Immobilien trennen, auch von der Nazarethkirche. Darüber ist sie in Verhandlung mit der Äthiopisch Orthodoxen Tewahdo Kirche Debre Bisrat St. Gabriel, die derzeit noch in der Riesstraße am OEZ untergebracht ist.

Doch der mögliche Umzug nach Bogenhausen passt offenbar dem Landtagsabgeordneten Robert Brannekämper nicht. Er hat zusammen mit Stadtrat Jens Luther und BA-Mitglied Florian Ring (alle CSU) für den 6. Juli abends zu einem "Anwohnergespräch" eingeladen. In der Postwurfsendung heißt es, dass es in absehbarer Zeit zu einer "erheblichen Veränderung“ in der Parkstadt Bogenhausen kommen könne. Beabsichtigt sei eine Verpachtung oder ein Verkauf der Liegenschaft an die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde "mit 2500 Mitgliedern in Bayern“. Dies verlange eine "substanzielle Bürgerbeteiligung“.

Evangelische und äthiopischen Gemeinde nicht zu Anwohnerversammlung eingeladen
Darauf wiederum reagierte der evangelische Stadtdekan Bernhard Liess mit "einiger Verwunderung und Irritation“. In einem Brief an Florian Ring kritisiert er, dass weder von der evangelischen, noch von der äthiopischen Gemeinde jemand zu der Anwohnerversammlung eingeladen worden sei. Stadtdekan Liess: "Ein Anwohnergespräch, bei dem diejenigen nicht beteiligt werden, um die es geht, halte ich nicht für zielführend.“ Zudem: Die äthiopische Gemeinde habe in München nur 400 bis 500 Mitglieder, das Schreiben wecke "unberechtigte Sorgen“.
Pfarrer Markus Rhinow, der direkt neben der Kirche wohnt, sagte dem "Evangelischen Pressedienst" ("epd"), er spüre ein "leises Rumoren" gegen die äthiopische Gemeinde im Viertel und fürchte, dass da manchmal auch ein "subtiler fremdenfeindlicher Unterton" mitschwinge.
Dabei wurde die Kirche in den letzten Jahren auch schon von der evangelisch-koreanischen Gemeinde benutzt. "Keiner hat sich jemals darüber beschwert", so der Pfarrer zum "epd".

