Pendlerchaos in München: Kompletter Stillstand bei der U-Bahn
Da hat man für den Chef wenigstens schwarz auf weiß eine Entschuldigung parat fürs Zuspätkommen an diesem Dienstagmorgen. Das ganze U-Bahn-Netz war für eine knappe Stunde lahmgelegt wegen einer Stellwerkstörung. Für 20 Minuten standen tatsächlich alle Bahnen still. Das "gab es so noch nicht", sagt MVG-Sprecher Maximilian Kaltner am Dienstagabend (21.7.) zur AZ.
Verwirrend war teilweise die Lage vor Ort an den U-Bahnhöfen: Einerseits gab es Durchsagen, wonach im gesamten Netz keine U-Bahnen fahren würden. Fahrgäste sollten auf die Verkehrsmittel an der Oberfläche ausweichen, also auf Tram, Bus und S-Bahn.
Pendlerchaos am Dienstagvormittag: Kompletter Stillstand bei allen U-Bahnlinien
Gleichzeitig waren aber nach wie vor auf vielen Anzeigen Züge aufgeführt, die in wenigen Minuten schon eintreffen sollten. Vereinzelt waren sogar U-Bahnen unterwegs.

Die Katastrophe im gesamten U-Bahn-Netz war auf Probleme bei der automatischen Steuerung der Züge zurückzuführen, wie MVG-Sprecher Maximilian Kaltner der AZ auf Anfrage sagte. "Durch den Rechnerausfall war nicht klar erkennbar, welche Züge wo stehen und welche Gleise belegt waren", so Kaltner. Bevor sie wieder fahren können, müsse "sichergestellt werden, welche Züge sich wo befinden". Nach einer knappen Stunde hatte die MVG diese Probleme wieder behoben und es gab Entwarnung.
Der nächste Schritt wäre laut Kaltner gewesen, vom Zentralrechner auf händische Schaltung umzusteigen. Das sei dann aber nicht mehr nötig gewesen, da man das Problem schnell in den Griff bekommen habe.
"Durchsage ist der unmittelbare Weg der Kommunikation"
Dass für Reisende nicht immer ganz klar war, ob Züge fahren oder nicht, hat mit dem Informationssystem an den U-Bahnhöfen zu tun. Fahrplandaten und Prognosen sind laut MVG die Basis für die Display-Anzeigen. "Wenn die Züge keine Fahrstraßen haben und erstmal nicht weiterfahren können, geht das System zunächst von einem regulären Betrieb aus", erklärt Kaltner. Die Prognosen müsse die Leitstelle dann manuell ausblenden. "Bis das erledigt ist, ist die Durchsage der unmittelbare Weg der direkten Information", sagt Kaltner.

Dass die auch zum Beispiel auf Englisch gemacht werden, sei bisher nicht vorgesehen. "Die MVG arbeitet aber aktuell an einer Optimierung der Fahrgastinfo", verspricht Kaltner.
Die Auswirkungen der massiven Störung waren dann bis nach dem Mittag noch im U-Bahn-Netz spürbar, es gab Verspätungen, Verzögerungen und manche Züge mussten vorzeitig wenden.
Die U5 hatte noch etwas mehr Mühe, weil dort ein Fahrgast erkrankt war. Am Ostbahnhof war zeitweise nur eingleisiger Betrieb möglich und am Karl-Preis-Platz auf der Linie U2 machte eine Betriebsstörung weiteren Ärger.
MVG-Sparprogramm im Stadtrat
Am Nachmittag lief der Betrieb dann wieder regulär – also mit dem Hintergrundrauschen der vielen bereits bekannten laufenden Baustellen: Auf der U1 wird der U-Bahnhof Rotkreuzplatz saniert, wegen Bauarbeiten am Hauptbahnhof fahren U1 und U2 seltener, zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße fahren Ersatzbusse wegen der Arbeiten an den U-Bahnhöfen Poccistraße und Goetheplatz (U3 und U6). Außerdem wird gerade am Ostbahnhof eine Schiene gewechselt, die Linie wird darum geteilt. Schon seit November 2025 fährt die U5 nur zwischen OEZ und Sendlinger Tor, weil Fahrzeuge fehlen.
Die Störung von Dienstagvormittag kam genau einen Tag, bevor der Stadtrat im Mobilitätsausschuss über das MVG-Sparprogramm zum neuen Fahrplan berät. Am 29. Juli soll es der Stadtrat endgültig beschließen.
Das Sparprogramm verschont zwar größtenteils die U-Bahn – dort soll lediglich die kürzere U7 auch planmäßig eingedampft werden. Außerdem soll sie nur zu Hauptverkehrszeiten fahren und in den Schulferien gar nicht. Der große Teil der Maßnahmen betrifft Bus und Tram (AZ berichtete). Also die öffentlichen Verkehrsmittel, auf die man bei U-Bahn-Pannen ausweichen müsste. Gleichzeitig verzeichnet die MVG Fahrgastrekorde: 621 Millionen Fahrgäste zählte die MVG im vergangenen Jahr.
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