"Respektlos": Stadt droht mit härteren Regeln für Partyvolk im Univiertel
Der mühsam erstrittene Kompromiss im Party-geplagten Univiertel wackelt schon: Bei den sommerlichen Temperaturen (und einer laufenden Fußball-WM) wird in der Gegend rund um Schelling-, Türken- und Amalienstraße offenbar wieder wild gefeiert – zu wild für einige Anwohner, die sich bei der Stadt und der zuständigen Bezirksinspektion beschweren. Und auch für die Behörden, die den Kompromiss begleiten und kontrollieren.
Partymeile Univiertel: OB Krause droht mit neuem Bierverbot
Jetzt droht OB Dominik Krause (Grüne) den Kioskbetreibern im Viertel, wieder strengere Regeln einzuführen, wenn es nicht besser wird: "Sollte bis Mitte Juli keine deutliche Veränderung spürbar sein, sind wir gezwungen, das Verkaufsverbot für Flaschenbier wieder ab 22 Uhr zu verhängen", so der OB.
Aktuell gilt ein Kompromiss, den die Stadt mit Späti-Betreibern und Gaststätten gefunden hat: Sie haben sich freiwillig verpflichtet, nur bis Mitternacht Flaschenbier für unterwegs zu verkaufen (AZ berichtete).

Begleitet wird das von einer Schilderkampagne der Stadt unter dem Titel "Respektvoll Feiern im Univiertel". Man soll nicht zu laut sein, den Müll in Mülleimer werfen und Toiletten benutzen – so die Ermahnung auf den Plakaten vom Allparteilichen Konfliktmanagement (AKIM).
Der Kompromiss und die Plakatkampagne sind eine Reaktion auf den vergangenen Sommer, als das KVR wegen der vielen Anwohnerproteste Mitte August bei fünf Spätis im Viertel den Flaschenbierverkauf beschränkt hatte.
Dagegen gab es wiederum Protest und auch eine Demo. Schließlich hat der damalige Zweite Bürgermeister und jetzige Oberbürgermeister Krause das Verbot wieder kassiert und den nun geltenden Kompromiss mit dem Verkauf bis Mitternacht angeleiert.

Kioske halten sich nicht an Verkaufszeiten
Jetzt hat die Stadt beobachtet, dass sich "mehrere Kioske" nicht daran halten, nach Mitternacht kein Bier mehr zu verkaufen, wie sie mitteilt. Man habe außerdem festgestellt, "dass einige Betriebe entgegen den gesetzlichen Vorgaben außerhalb der Ladenschlusszeiten auch hochprozentigen Alkohol abgeben".
Der Umgang einiger Kioskbetreiber mit städtischen Mitarbeitern sei zudem "leider zuweilen respektlos".
Viele hätten sich "in den vergangenen Monaten dafür eingesetzt, die Interessen aller Beteiligten im Univiertel in einen Ausgleich zu bringen", sagt Hanna Sammüller (Grüne), die Chefin des Kreisverwaltungsreferats.
Bei einem Kiosk in der Amalienstraße ist das Bierverbot ab 22 Uhr jetzt schon Realität – das hat ein Anwohner direkt bei der Regierung von Oberbayern durchgesetzt.
Lärmpegel "weiterhin hoch"
Ein Bericht von AKIM zur Lage vor Ort klingt ziemlich negativ. Die habe sich nicht merklich verbessert. „Je dichter das Feier-Geschehen, desto weniger ist die Rücksichtnahme auf Anwohnende im Bewusstsein“, heißt es. Der Lärmpegel sei "weiterhin hoch", weil sich Feiernde "bis in die Nachtstunden mit Alkohol-to-go versorgen können und diesen auf der Straße konsumieren", so der Bericht. Das sei verbunden mit "Glasscherben auf Gehwegen und wildem Urinieren in Hauseingängen und Hinterhöfen".
Der OB appelliert an die Feiernden, die Anwohner und die Gewerbetreibenden, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Nur dann könne ein Miteinander gelingen. "Ich fordere deshalb alle Gewerbetreibenden im Univiertel auf, sich ab sofort an die vorgeschriebenen und vereinbarten Regeln zu halten und dafür zu sorgen, dass sich der Lärm auf den Straßen ab 22 Uhr deutlich minimiert", so Krause. "Die Anwohnenden haben ein Recht auf Nachtruhe."
Und wenn das nicht klappt, ist eben wieder früher Schluss mit Bierverkauf. Aber erst Mitte Juli.

