Osterbrauchtum & Osterwissen: Viel mehr als nur bunte Eier

Die Karwoche steht vor der Tür und damit Tage, die voll sind von Symbolik und Brauchtum. Aber erinnern Sie sich noch genau an alles? Die AZ erklärt’s
Myriam Siegert
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Ostern geht’s fürs viele um ein paar freie Tage. Hinter den dazugehörigen Traditionen und Bräuchen steckt aber weit mehr.
Ostern geht’s fürs viele um ein paar freie Tage. Hinter den dazugehörigen Traditionen und Bräuchen steckt aber weit mehr. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Gerade schaut das Wetter zwar nicht so sehr danach aus, aber der Frühling ist da, und damit auch die Osterzeit. Diese verbinden viele mit ersten Sonnenstrahlen und ein paar freien Tagen. Gebäck und Naschereien gehören natürlich auch dazu, und – zumindest für die, die Kinder oder Enkerl haben – auch der Osterhase und die lustige Eiersuche.

Ostern ist aber freilich auch das höchste christliche Fest im Jahr. Mit dem Palmsonntag an diesem Wochenende beginnt die Karwoche, die mit dem Ostersonntag endet. Unsere Oster-Traditionen und Bräuche, haben in diesen Tagen ihre Ursprünge.
Nadine Kagerer vom Verein der Münchner Krippenfreunde hat für die derzeitige Passionsausstellung des Vereins genau dazu viel recherchiert und erklärt der AZ ein paar Begriffe und Bräuche.

Neues Licht in der Welt

Woher kommt die Bezeichnung Ostern? „Ostern ist immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, also immer nach dem 21. März. Damit ist der 22. März das frühestmögliche Datum für den Ostersonntag und der 25. April das späteste“, so Kagerer.

Der Name für Ostern habe in den meisten Ländern einen Bezug zum hebräischen Wort Pessach und somit zum jüdischen Pessachfest, erklärt Kagerer. So heißt es Pasqua auf Italienisch, Pâques auf Französisch, påske auf Norwegisch, Pascha auf Griechisch, Paskha auf Russisch, Pasen auf Niederländisch und Pasti auf Rumänisch.

Das Wort Ostern wiederum komme nur in Deutschland und englischsprachigen Ländern vor. Eine Theorie besagt, es komme vom indogermanischen Wort Eostra für Morgenröte. Im Osten geht die Sonne auf, mit Ostern kommt wie mit der Morgenröte neues Licht in die Welt, und in der Morgenröte wurde das Grab Jesu offen entdeckt.

Nadine Kagerer von den Münchner Krippenfreunden.
Nadine Kagerer von den Münchner Krippenfreunden. © Loeper

Die germanische Göttin, die es wohl gar nicht gab

Widerlegt – oder zumindest nicht belegt – ist die Theorie, das Wort beziehe sich auf die heidnische Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Eostre, später auch Ostara genannt, deren Fest zur Tagundnachtgleiche am 21. März gefeiert wird. Sie symbolisiert Neuanfang, Wiedergeburt und wird mit Symbolen wie Hasen, Eiern und Blumen assoziiert – allerdings, dass es eine solche Göttin bei den Germanen tatsächlich gegeben hat, wird heute stark bezweifelt.

Warum heißt es Gründonnerstag? „Am Gründonnerstag wird an das letzte Abendmahl von Jesus Christus gedacht, zu dem er sich am Vorabend seines Todes mit seinen zwölf Jüngern versammelte“, erklärt Kagerer,
Gründonnerstag leite sich von „greinen“ ab. Früher sei es Brauch gewesen, am Greindonnerstag reuige Sünder und Büßer wieder in die Gesellschaft aufzunehmen. Die Wortähnlichkeit mit grün brachte die Tradition eines fleischlosen Tages mit grünen Gemüsen, wie Spinat oder Kräuter, so Kagerer. „Drum gibt es in Bayern traditionell eine Kräuterlsuppe oder in Mitteldeutschland ‘grie Soß’“.

Was bedeutet Karfreitag? Die Vorsilbe Kar- kommt aus dem althochdeutschen Wort „kara“ und bedeutet Klage oder Trauer, die das Gedenken vom Kreuztod Christi mit sich bringt. Es ist ursprünglich ein Tag des strengen Fastens und der stillen Andacht. Es ist Brauch, an diesem Tag auf Fleisch und sonstige Genussmittel zu verzichten. Vielerorts wurde statt Fleisch dann Fisch serviert. „Manche waren auch erfinderisch und versteckten das Fleisch in Teighüllen. So entstand etwa der Begriff Herrgottsbscheisserle für Maultaschen“, erklärt Kagerer.

Jede Menge Symbolik rund ums bunte Osterei

Warum Ostereier? „Eier sind schon seit Jahrtausenden ein Symbol der Fruchtbarkeit, und im frühen Christentum für die Auferstehung. Aus ihnen entsteht neues Leben. Daher sind sie im Christentum auch eine Analogie für das Grab Jesu, aus dem er aufersteht“, erklärt Nadine Kagerer. Das Ei war auch Zahlungsmittel oder Entlohnung für Bedienstete. Ab Ende des 16. Jahrhunderts änderte sich die Rolle vom Zahlungsmittel hin zu Ehrengaben, etwa vom Patenonkel oder zur Liebesgabe zwischen jungen Menschen. Bei unseren Vorfahren war der Genuss der Eier in der Fastenzeit verboten. Man kochte Eier, um sie haltbar zu machen, und eine Farbglasur konservierte zusätzlich. Außerdem konnte man die Eier durch die verschiedenen Farben unterscheiden, etwa die, die man an den Lehnsherrn abgeben musste, waren so gekennzeichnet.

Nadine Kagerer erklärt: „Der Legende nach sagte Petrus zu Maria Magdalena und den anderen Frauen als sie vom Grab zurückkehrten und den Jüngern die Auferstehung verkündeten: ,Ich glaube euch nur, wenn die Eier in diesem Korb hier rot werden’. Und das Wunder geschah – die Eier wurden rot.“
Auch die Farben der Eier hätten eine Bedeutung gehabt: Gelb stehe für Weisheit, Rot für den Opfertod und das Blut Christi und auch die Liebe, Orange für Kraft und Grün für die Hoffnung, was besonders beliebt war. Blau hingegen stand als Farbe für Unglück und wurde vermieden, so Kagerer.

Palmbuschen mit bunten Bändern gibt's am Palmsonntag in vielen Kirchen –auch in München. Sie werden geweiht und mit nach Hause genommen.
Palmbuschen mit bunten Bändern gibt's am Palmsonntag in vielen Kirchen –auch in München. Sie werden geweiht und mit nach Hause genommen. © Imago

Osternest – Jede Speise hat ihre Bedeutung

Und warum gibt’s ein Osternest? „Der Brauch, nach der Fastenzeit die Speisen zu weihen, ist in Bayern schon seit dem siebten Jahrhundert belegt“, weiß Nadine Kagerer. Im Volksglauben nährten die an Ostern geweihten Speisen besonders und gaben Kraft. Eier legte man als Symbol für den Neubeginn hinein, Brot steht für Jesus („Ich bin das Brot…“), der Osterschinken steht für Fülle und ewiges Leben, das Salz für die Auferstehung und Meerrettich für die Bitterkeit der Fastenzeit.
Das gebackene Lamm erinnert an das „Lamm Gottes“. Johannes der Täufer sagte, als er Jesus sah: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt.“ Die Fahne darin steht als Zeichen für die Überwindung des Todes.

Was hat es mit dem Osterhasen auf sich? Ab dem 17. Jahrhundert haben sich unterschiedliche Traditionen gebildet, wer die Ostereier bringt. In Teilen von Österreich war es der Hahn, in Hannover der Fuchs, in der Schweiz der Kuckuck. Es gab aber auch noch den Storch, ein Küken, das sich aus dem Ei gearbeitet hat, eine Taube, ein Rotkehlchen, dessen Brust rot wurde, als es einen Dorn aus der Dornenkrone entfernen wollte, und einige mehr, erklärt Nadine Kagerer. Wegen der Vermehrungsfreudigkeit der Hasen, die mit dem Frühling und der Fruchtbarkeit der Natur zusammenpasst, gelte er auch als Symbol für die angebliche germanische Frühlingsgöttin Ostara, aber auch des Frühlingsvollmondes und hat sich als Osterhase Ende des 19. Jahrhunderts regionenübergreifend durchgesetzt.

Auch in der Stadt wird das Brauchtum gepflegt

Gibt’s (noch) Osterbrauchtum auch in München? Viele Gemeinden laden zum Start der Karwoche zum traditionellen Palmbuschenbinden, etwa der Pfarrverband Haidhausen. Oder auch St. Raphael in Allach.
Dort sind alle Kinder und Familien am Samstag, 28.3., von 10 bis 11.30 Uhr zum Palmbuschenbinden im Pfarrsaal, Lechelstraße 39, eingeladen. Mitzubringen sind ein Stock und 7 Euro Unkostenbeitrag.

Laut dem Neuen Testament zog Jesus an diesem Tag auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Einwohner, die in ihm den Messias sahen, bejubelten ihn und legten Palmwedel auf die Straße, mit denen Königen gehuldigt wurde.
In unseren Breitengraden hat man den jahreszeitlich passenden Palmkätzchen viel Bedeutung beigemessen. „Sie wurden auf dem Feld vergraben, dem Vieh gefüttert, den Kindern ein Zweig in die Wiege gelegt und sie wurden sogar von manchen verschluckt für ein gesundes Leben“, so Kagerer. Mit Bändern in Rot für das Blut Christi, Weiß für die Unschuld und Auferstehung, Grün für Hoffnung. Sie werden am Palmsonntag in der Kirche geweiht und oft zu Hause aufgestellt, früher im Herrgottswinkel. Und vielerorts wird in Familien der- oder diejenige, die am Palmsonntag als letzte aufsteht, Palmesel genannt.

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