"Münchens Olympia-Traum rückt näher": Großer Schritt im Vergabe-Verfahren

Vor knapp einem Jahr haben 305.349 Münchnerinnen und Münchner dafür gestimmt, dass sich die Stadt für Olympische Spiele bewirbt. Das waren 66,4 Prozent der Wähler – eine klare Mehrheit. Doch die Münchner alleine haben es nicht in der Hand, ob es mit einer Wiederholung von 1972 klappt.
Erst einmal muss sich München gegen NRW und Berlin durchsetzen, die ebenfalls die Spiele wollen. Dafür läuft nun der Endspurt. Am Samstag stimmt die DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden ab. 126 von 144 Stimmen haben dabei 42 Sportverbände.
In welche Richtung es gehen könnte, zeichnet sich allerdings schon an diesem Dienstagabend grob ab. Um die Olympia-Bewerbungen zu bewerten, hat der DOSB nämlich eine relativ komplizierte Bewertungsmatrix eingesetzt. Eine sogenannte Evaluierungskommission mit sechs stimmberechtigten Mitgliedern (darunter sind DOSB-Funktionäre und auch Politiker) hat die Bewerbungen nun ausgewertet.
München knapp in Führung – so fiel die Punktevergabe aus
Das Ergebnis gibt der DOSB am Dienstagabend per Pressemitteilung bekannt: München liegt vorn, allerdings knapp. Von den maximalen 100 Punkten erreicht München 87,03, die Region Köln-Rhein-Ruhr kommt auf 85,02 Punkte. Die Kommission stuft die beiden Konzepte als "sehr gut" ein.
Schlechter schneidet Berlin ab. Die Bewerbung der Hauptstadt bekommt 74,64 Punkte. Doch auch seit der Wahl am Sonntag gilt es als unwahrscheinlich, dass Berlin den Zuschlag bekommt. Wahlsiegerin ist Elif Eralp von der Linken, eine Olympiagegnerin. Sie strebt eine Koalition mit SPD und Grünen an. Und anders als hier sind in Berlin auch die Grünen gegen Olympia.

Das sagt OB Krause
Der Münchner OB Dominik Krause (Grüne) freut sich jedenfalls über das Ergebnis: "Münchens Olympia-Traum rückt näher!", teilt er am Abend mit. Auch Köln-Rhein-Ruhr habe ein sehr gutes Konzept vorgelegt. "München ist jedoch in der Gesamtpunktzahl vorne – insbesondere in der Kategorie der internationalen Wettbewerbsfähigkeit", so Krause weiter. "Wir sind überzeugt: Mit München und Bayern kann Deutschland ein Angebot machen, das auf der Weltbühne die besten Chancen hat."
Allerdings ist es ein knappes Ergebnis. Und es gibt auch Kategorien, in denen NRW vorne liegt. Zum Beispiel bei der "Internationalen Strahlkraft Sport" bekommt das Ruhrgebiet fast neun Punkte mehr. In der Kategorie "Eventpotenzial", in die auch das Ticketpotenzial und die möglichen Tageszuschauer einflossen, kommt NRW sogar auf rund 15 Punkte mehr.
"Das zeigt, dass Münchens Bewerbung in wesentlichen Punkten Schwächen aufweist", sagt ÖDP-Chef Tobias Ruff, der beim Bürgerentscheid für ein Nein geworben hat. "Wir sind der Meinung, dass man bei so einem knappen Ergebnis dem Ruhrgebiet als strukturschwacher Region den Vorzug geben sollte."
Empfehlung ist nicht bindend und es gibt weitere Konkurrenten
Bindend ist die Empfehlung der Kommission allerdings ohnehin nicht. Entscheidend ist die Wahl am Samstag in Baden-Baden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird am Samstag ab 13.45 Uhr an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert das Ergebnis bekannt geben, der BR überträgt live. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Sportminister Joachim Herrmann (CSU) und der Münchner OB Dominik Krause (Grüne) werden in Baden-Baden dabei sein.
Doch selbst wenn München am Samstag den Zuschlag bekommt, ist es noch nicht geschafft. Das IOC will erst 2029 entscheiden, wo sieben Jahre später, also 2036, Olympische Sommerspiele stattfinden. Die deutsche Bewerberstadt geht auch für die Jahre 2040 und 2044 ins Rennen. Sport-Experten meinen, dass die Hauptkonkurrenten Katar, Südafrika, Istanbul, Madrid oder auch Budapest sein könnten.
München hat jedenfalls bis zuletzt an seiner Bewerbung gefeilt. Inzwischen geht das Sportreferat davon aus, 15,6 Millionen Tickets verkaufen zu können. Fast so viele wie NRW (17,6 Millionen). Um diese Kapazität zu erreichen, hat die Stadt ihr Sportstättenkonzept angepasst. Zum Beispiel soll nun in der neuen Arena in Freising nicht nur geschwommen, sondern auch geboxt werden. Fest steht nun auch, dass Segeln in Kiel stattfinden soll (AZ berichtete).
Diese Münchner Orte könnten zu Schauplätzen werden
Außerdem wirbt München mit seiner Kulisse: Radrennen mit dem Odeonsplatz als Ziel, Reiten bei Schloss Nymphenburg, Beachvolleyball auf der Theresienwiese – neben den Wiesn-Zelten. Denn gleich nach Olympia würde das Oktoberfest starten.
Und auch im Olympiapark sollen wieder Wettkämpfe stattfinden – und zwar mit noch mehr Zuschauern und Wettkämpfen als '72.
Angedacht ist zum Beispiel, dass 15.000 Menschen Sportklettern am Olympiaberg beobachten. Zum Vergleich: Im SAP-Garden soll vor 11.500 Zuschauern Basketball gespielt werden.

Außerdem wird der Olympiapark erweitert: Im Süden sollen Wettkämpfe in Trendsportarten stattfinden. Auch zwei temporäre und eine neue Halle sind im Olympiapark geplant.
OB-Kandidat wird wohl Olympiapark-Chef
Ausarbeiten wird das voraussichtlich Clemens Baumgärtner, der CSU-OB-Kandidat der letzten Wahl. Er soll im Januar als Olympiaparkchef anfangen. Wie die AZ erfuhr, soll der Aufsichtsrat an diesem Mittwoch seiner Chefin und Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) den Auftrag erteilen, mit Baumgärtner in konkretere Vertragsverhandlungen einzusteigen. Im Oktober soll seine Wahl stattfinden.