Olympia 2018: „Sehr, sehr gut im Rennen“

Oberbürgermeister Christian Ude über die Chancen und den Nutzen der Münchner Olympia-Bewerbung – und über das Verhältnis zum grünen Koalitionspartner im Rathaus.
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OB Christian Ude, Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon und Stadtbaurätin Elisabeth Merk begutachten gemeinsam das Modell für das Olympische Dorf.
Petra Schrameck OB Christian Ude, Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon und Stadtbaurätin Elisabeth Merk begutachten gemeinsam das Modell für das Olympische Dorf.

Oberbürgermeister Christian Ude über die Chancen und den Nutzen der Münchner Olympia-Bewerbung – und über das Verhältnis zum grünen Koalitionspartner im Rathaus.

AZ: Herr Ude, wie ist aus Ihrer Sicht die letzte Präsentation von „München 2018“ in Belgrad gelaufen, wie schätzen sie insgesamt die Position der Bewerbung ein?

CHRISTIAN UDE: Mein Eindruck ist ausgesprochen positiv. Einige IOC-Mitglieder, die dort anwesend waren, aber auch eine Vielzahl von NOKs haben gesagt, dass die Münchner Präsentation sehr überzeugend ist. Erfreulicherweise trifft das auf alle Punkte zu. Ich glaube, die Sportbegeisterung der Münchner und der deutschen Bevölkerung könnte ein ganz wichtiges Argument sein.

Hat München als Stadt nicht einfach auch mehr zu bieten als seine Mitbewerber?

Wir hoffen darauf und bauen darauf, dass zumindest in einem Seelenwinkel ein IOCMitglied auch darüber nachdenkt: „In welcher Stadt will ich während der Konferenz und der Olympischen und Paralympischen Spiele im Anschluss daran sein?“ Bei allen diesen Fragen liegt München, wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf, sehr, sehr gut im Rennen.

Was würden Olympische Spiele München bringen?

Sehr viel, aber nicht so viel wie 1972 die Sommerspiele. Diese ehrliche Relation muss man herstellen. Damals war es eine Sensation, dass eine deutsche Stadt von der Völkerfamilie als Austragungsort berücksichtigt wurde. Daswar ja nach dem Zweiten Weltkrieg nicht selbstverständlich. Das war der Durchbruch der verschlafenen Residenzstadt München in den Olymp der Olympiastädte. Diese Dimension hätte es mit Winterspielen nicht mehr. Dennoch würde es für die Stadt sehr viel Positives bringen.

Was bedeutet das konkret?

Zunächst einmal hätten wir wieder ein Zukunftsprojekt, auf das man alle Kräfte der Stadt und des Umlands acht Jahre lang bündeln kann. Dann Verbesserungen der Infrastruktur, auf die wir seit Jahrzehnten warten, was die Straßen und die Bahnverbindungen zwischen München und den Alpen angeht. Dann das Wichtigste: Wir bekämen durch die Athleten- und Mediendörfer praktisch am Tag nachden Paralympischen Spielen 1300 Einheiten für den Münchner Wohnungsmarkt, und das nicht irgendwo am Stadtrand, sondern südlich des Olympiaparks, also in allerbester Lage.

Gerade haben die Grünen auf ihrem Bundesparteitag München 2018 abgelehnt. Scheinbar sitzen die letzten Grünen, die für Olympia sind, im Münchner Stadtrat. Müssen Sie die nun aufbauen?

Die Grünen im Stadtrat genießen nicht nur meine 20-jährige Freundschaft, sondern jetzt auch noch den größten Respekt, dass sie sich weder von ihrer Parteibasis noch von ihrer Landespartei noch von ihrer Bundespartei einschüchtern lassen. Sie stehen geradezu kämpferisch mit einem Internetauftritt „OlympiJa“ zur Bewerbung und arbeiten dafür. Sie haben ja auch mitgewirkt an der Bewerbung.

Diese Angelegenheit berührt Sie offensichtlich sehr.

Es ist der Wahnsinn, wenn man drüber nachdenkt, dass ein grüner Planungsexperte das Umweltkonzept ausarbeitet, dass der zuständige Parlamentarier von den Grünen sagt, dies sei ökologisch die beste Bewerbung, die es je gab. Und dann kommt ein Parteitag, auf dem wohl 90 Prozent der Delegierten nicht mal wissen, wo Murnau liegt, wie viele Einrichtungen seit Jahren in Betrieb sind. Und kurz vor Mitternacht wird der Nation erzählt, das ist eine Umweltkatastrophe, wenn in diesem Raum Sportveranstaltungen abgehalten werden.

Auf gut Bayerisch gesagt: Die Sache stinkt Ihnen?

Es stinkt mir. Nicht weil ich Angst um die Bewerbung hätte, sondern weil mutwillig Porzellan zerschlagen wird.

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