Oldschool-Society: Terroristen oder Schaumschläger?

"Virtueller Stammtisch": Der mutmaßliche Chef der OSS bagatellisiert die Aktionen der rechtsextremen Gruppe.
| John Schneider
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Die wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags Angeklagten beim Prozessauftakt.
dpa Die wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags Angeklagten beim Prozessauftakt.

München - Vor über zehn Monaten, am 27. April 2016 startete der Münchner Terrorprozess gegen vier Mitglieder der rechtsextremen "Oldschool Society" (OSS). Jetzt nähert sich das Verfahren seinem Ende.

Der Vorwurf laut Bundesanwaltschaft: Gründung einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens. Das Quartett hatte es laut Anklage auf ein Flüchtlingsheim im sächsischen Borna abgesehen. Doch dazu kam es nicht. Zwei Tage vor dem geplanten Vorbereitungstreffen für den Sprengstoff-Anschlag nahm die Polizei die vier verdächtigen fest, durchsuchte deren Wohnungen in Augsburg, Bochum und Borna.

Andreas H. (58) und Markus W. (41) sind als Präsident und Vizepräsident die Rädelsführer gewesen. Olaf O. (48) soll als "Pressesprecher" von OSS Beiträge in sozialen Netzwerken veröffentlicht haben. Denise G. (24) war nach Ansicht der Ermittler ebenfalls eine treibende Kraft. Sie besorgte gemeinsam mit Andreas H. zudem illegale pyrotechnische Sprengkörper aus Tschechien.

Am Donnerstag hat nun auch der letzte Verteidiger sein Plädoyer vor den Richtern gehalten. Er fordert – wie seine Kollegen auch – einen Freispruch. Der Tenor ist bei allen Vieren ähnlich: Alles nicht so gemeint.

Mutmaßlicher Chef: "Ich bin kein Terrorist"

Der mutmaßliche Chef der Gruppe nutzt sein letztes Wort, um mit der Bundesanwaltschaft hart ins Gericht zu gehen. "Ich bin kein Terrorist", beteuert Andreas H. noch einmal. Die Gruppe sei lediglich so etwas wie ein "virtueller Stammtisch" gewesen. Man habe Unsinn geredet, aber nie wirklich Mord und Totschlag geplant. Die geforderten Strafen (viereinhalb bis sieben Jahre) empfindet er deswegen als unangemessen. "Wofür", fragt er in Richtung von Bundesanwalt Jörn Hauschild.

Lesen Sie hier: Prozess gegen die Totengräber geplatzt

Alles nur Schaumschlägerei? Olaf O. haut in dieselbe Kerbe: "Ich kann mich nur für den Schwachsinn entschuldigen, den wir da geschrieben haben." Sein Anwalt hat zuvor erklärt, dass die Gewaltfantasien gegen Flüchtlinge in den Chats menschenverachtend gewesen waren. Olaf O. habe mit seinem Geständnis aber zur Aufklärung beigetragen.

Sollte das Gericht dem Antrag der Verteidigung nicht folgen, so sei ein Strafmaß "im unteren Bereich" anzusetzen. Auch "Vizepräsident" Markus W. entschuldigt sich. Vanessa G. sagt nur lapidar: "Ich spare mir jeden Kommentar."
Das Urteil wird am 15. März gesprochen.

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